Satie und die Birnen

Neulich lief auf SWR2 ein schönes (Teil)Klavierstück zu vier Händen von Erik Satie, über das ich schon viel hörte. Allerdings nie das Stück selbst. Es trägt den Titel: „Trois morceaux en forme de poire“ (Drei Stücke in Birnenform). Gespielt wurden I. Lentement und II. Enlévé. Ich liebe die Klaviermusik von Satie, besonders die „Gnossiennes“ und die „Préludes de Nazaréen“, und war auch gleich angetan von den birnenförmigen Stücken, zu denen es eine nette Anekdote gibt: Claude Debussy nämlich soll Satie vorgeworfen haben, dass seine Stücke formlos seien. Daraufhin komponierte Satie besagte „Birnenstücke“ und meinte: „Wenn ein Werk die Form einer Birne hat, ist es nicht mehr formlos.“ Logisch. Offenbar hatte Monsieur Satie viel Humor.

Übrigens sah ich einmal seinen Flügel und zwar in der sehenswerten Villa van Buuren in Brüssel. Auch zu Saties Flügeln gibt es eine Anekdote: Er habe zwei Exemplare besessen, die er übereinander stapelte. Den unteren habe er zum Spielen genutzt, den oberen sozusagen als Ablage für Post und ähnliches. Welcher der beiden Flügel nun die Villa van Buuren verschönt, vermag ich nicht allerdings zu sagen …

Jedenfalls googelte ich noch ein bisschen nach Satie und stieß auf ein PDF, neun Seiten, offenbar eine Vorlesung des Musikwissenschaftlers Thomas Schinköth – sehr empfehlenswert. Darin fanden sich die beiden Anekdoten, die ich euch gerade nacherzählt habe, sowie einige Anregungen für den Bücherkauf. So bin ich nun glückliche Besitzerin dieser CD (natürlich mit den birnenförmigen Stücken) sowie von Jean-Paul Sartres Autobiographie Die Wörter und einer weiteren Autobiographie von Man Ray.

Auf der CD sind noch weitere interessante Stücke, beispielsweise die „Parade“ (ein Ballett) und „Musiques d’ameublement“, eine Art Vorläufer chilliger Klangtapeten. Auf die beiden Autobiographien von Man Ray resp. Jean-Paul Sartre, erstere sogar illustriert, bin ich schon gespannt. Und höre in letzter Zeit gern die birnenförmigen Stücke zum Tee : )

ErikSatieWeisseWeste

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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6 Antworten zu Satie und die Birnen

  1. Marcus schreibt:

    Hast du auch eine vollständige Einspielung der „Vexations“? 😉
    John Cage hat sie in den Sechzigern uraufgeführt, mit zehn Pianisten, die in zwei-Stunden-Schichten spielten. Das Ganze dauerte an die 19 Stunden…
    http://de.wikipedia.org/wiki/Vexations

  2. Marcus schreibt:

    Weder noch – aber als „Appetizer“ gibt es ja die knapp zehnstündige Version auf Youtube: http://www.youtube.com/watch?v=gImDzmNuEDA

  3. Tobi schreibt:

    Hi Petra,

    gleich mal reingehört. Einige seiner Stücke sind ja echt bekannt, die kennt einfach jeder. Habe das von dir genannte Stück gleich mal angehört. An Chopin kommt er nicht so richtig ran. Schwermütig muss es sein, dann sind Pianostücke perfekt 😉 Aber ich liebe solche Anekdoten auch. Kann mich da an eine erinnern, wo es um Bach ging und wie er aus dem Stegreif mal locker flockig eine 3 stimmige Fuge aus einer Melodie von Friedrich des Großen aus dem Ärmel schüttelt. Später hat er dann eine 6 stimmige Variante davon nachgeschoben (Musikalische Opfer (BWV 1079)). Das waren einfach krasse Typen damals 😉

    Liebe Grüße
    Tobi

  4. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Lieber Tobi, Melancholischeres von Satie findet sich auf der herrlichen, nur Piano Musik genannten Doppel-CD, da sind dann natürlich auch viele seiner bekannten Stücke drauf.
    Deine Anekdote ist auch herrlich! Tja, Genie müsste man sein ; )
    Liebe Grüße!

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