Der Ball

Eine feine Novelle der wunderbaren Irène Némirovsky: Der Ball.

Die im Grunde simplen und neureichen Kampfs wollen einen großen Ball geben, um ihren gesellschaftlichen Aufstieg gebührend zu feiern. Vor allem aber auch, um in der Gesellschaft überhaupt wahrgenommen und akzeptiert zu werden. Allzu lange haben sie darauf gewartet, endlich dazu zu gehören. Besonders die halb verblühte Madame Kampf sieht den Ball als letzte Chance, einen Zipfel Lebensglück zu erhaschen. Dabei ist ihr ihre 14-jährige Tochter Antoinette permanent im Weg. Das verschlossene, intelligente und sensible Mädchen leidet unter der ständigen Zurückweisung ihrer egoistischen Mutter und findet eine hervorragende Möglichkeit, ihr einen dicken Strich durch die Rechnung zu machen.

Stilistisch ausgezeichnet, schnörkellos und dennoch dicht beschreibt Irène Némirovsky die Befindlichkeiten der zerrütteten Familie und leuchtet besonders gelungen das unglückliche Innenleben der pubertierenden Tochter aus. Wieder steht eine belastete Mutter-Tochter-Beziehung im Vordergrund, doch die Autorin weiß das Thema aus so vielen Perspektiven zu behandeln, dass es nicht langweilig wird oder sich wiederholt. Sehr zu empfehlen!

Rezension erstmals erschienen in „Der virtuelle literarische Salon“, Nr. 38 (2007).

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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2 Antworten zu Der Ball

  1. Dina schreibt:

    Ich lese Deine Beiträge anscheinend rückwärts, jetzt bin ich wirklich neugierig auf die Dame und werde mein Buchhändler aufsuchen. Danke Dir und Irène Némirovsky.

    Liebe Grüße
    Dina

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Das freut mich, dass dich die Empfehlungen neugierig gemacht haben. Die Bücher sind wirklich alle sehr gut, ich denke, du wirst den ein oder anderen Kauf nicht bereuen. Zumal viele inzwischen auch als Taschenbuch erhältlich sind.

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