Zeitungsfrühstück, Folge 52

Nach längerer Pause heiße ich euch heute wieder herzlich willkommen zum Zeitungsfrühstück, meine Lieben! Serviert werden, wie stets, meine Highlights aus dem Zeitmagazin, dem Reiseteil und dem Feuilleton der Zeit – bon appétit!

Foto: (c) Gerda Kazakou

Die längere Pause rührt übrigens daher, dass ich für meine Zeitungsfrühstück-Serie immer seltener die Artikel online gefunden habe, die ich euch empfehlen wollte. Ich dachte daran, die Serie ganz aufzugeben. Doch ein Kommentar zum letzten Zeitungsfrühstück zeigte, dass ich zumindest zwei Fans dieser Serie habe (liebe Grüße an mb & dm von Haushundhirsch!). Im Zweifelsfall müsst ihr eben die Print-Ausgabe kaufen, falls euch meine Appetithäppchen zusagen (und nicht online sind).

Das sonntägliche Zeitungsfrühstück vom 2. September 2012, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Das Zeitmagazin ist diesmal ein wahres Büffet an interessanten Beiträgen. Der Künstler Thomas Demand, bekannt für seine Fotos von selbst gebauten Modellen aus Papier und Pappe, die er wiederum nach Fotos konstruiert, hat diesmal die beiden Titelseiten gestaltet: Die leere Schlecker-Filiale. Dazu gibt es auch den Artikel „Leer und leerer“ von Christoph Amend.

Harald Martenstein hat für seine Kolumne diesmal Grußformeln recherchiert – offenbar kann er mit lieben und ganz lieben Grüßen wenig anfangen. Er fürchtet gar einen Rausch der Liebe, der sich in der Zukunft in den Grußformeln ausdrücken könnte. Wir wollen nun nicht weiter interpretieren, weshalb Harald Martenstein ein Problem mit Liebesgrüßen hat.

Jens Jessen findet lustig gemeinte Hüte spießig und Stilkolumnist Tillmann Prüfer bemerkt, dass Broschen wieder in sind. Waren sie jemals out? Für mich jedenfalls nicht. Die kleinen Ansteckteilchen sind überaus praktisch, falls man mal einen Knopf verloren hat und zu faul ist, um ihn wieder anzunähen, um einen Fleck auf dem Revers des Blazers zu verbergen oder einfach, weil sie hübsch aussehen. Bislang bleibt Männern, die ja auch mal gern kleckern beim Essen, dieses Schmuckstück zur Fleckabdeckung ja leider verwehrt, sie können dazu höchstens eine Krawattennadel nutzen.

Ein paar Flohmarktfunde für den täglichen Bedarf, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Sehr ergreifend ist der Artikel „Sein Krieg geht weiter“ von Lara Fritzsche über einen Soldaten, der im Irak war. Anders als erwartet war der Artikel „Zug in die Zukunft“ von Elisabeth Raether, in dem es um einen Blogger gehen sollte, der mit der Bahn von Paris nach Schanghai reiste. Statt des erwarteten Reiseberichts liest man über die Expansion des Hauses Louis Vuitton in China. Auch interessant.

Der Reiseteil startet mit dem Artikel „Auf der großen Schaukel“, in dem Kristina Maroldt von ihrer Erfahrung auf einer Kreuzfahrt mit Kleinkind berichtet, leider ebenso wenig online wie das Interview mit dem Location Scout Francesco Colicigno, der für Woddy Allens neuesten Film das typischste Rom zusammensuchte.

Das Feuilleton beginnt mit der lesenswerten Antwort Judith Butlers auf ihre Kritiker, die der Philosophin vorwerfen, sie unterstütze Hamas und Hisbollah. Leider nicht online ist der Artikel „Was gesagt werden darf“ von Ijoma Mangold, in dem er über Political Correctness schreibt und dazu das Buch In Anführungszeichen – Glanz und Elend der Political Correctness von Matthias Dusini und Thomas Edlinger empfiehlt.

Saul Friedländer, eigentlich Historiker, schrub ein Buch über Franz Kafka und stellt die ziemlich steile These auf, dieser sei möglicherweise pädophil gewesen, habe dies aber nicht ausgelebt. Darüber schreibt Alexander Cammann in „Wie schuldig war Kafka?“.

Leider nicht online ist der Beitrag „Voll auf die Zwölf“ (der Titel ist etwas, na ja), über Christian Marclays Arbeit „The Clock“. Darin hat er für 24 Stunden, so lange dauert auch der Film, lauter Filmschnipsel zusammengesucht und aneinandergefügt, in denen es um die Uhrzeit geht – klingt großartig! Macht bestimmt Spaß, sich das zumindest eine Weile anzuschauen und zu raten, aus welchem Film die jeweiligen Szenen stammen.

Da auch der Artikel „Leben in der Kältezone“ von Boris Groys über Postmoderne und Netzwerker noch nicht online ist, mache ich Schluss für heute. Habt noch einen schönen Sonntag!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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23 Antworten zu Zeitungsfrühstück, Folge 52

  1. Dina schreibt:

    Liebe Petra,

    ich lese zum ersten Mal dein Zeitungsfrühstück und es gefällt mir doppelt gut. Ich bin im ländlichen England next the Sea und sitze total gemütlich im Kaminzimmer mit a nice cup of Tea und genieße deine Sonntagslektüre die ich sonst nicht greifbar hätte.
    Einen schönen Sonntag dir.
    Mit einem lieben Gruß aus dem bewölkten kleinen Dorf am großen Meer
    Dina

  2. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Wie schön, liebe Dina, dass ich dich da vielleicht als neuen Fan gewinnen konnte. Am Meer im Kaminzimmer sitzen, das würde mir jetzt auch sehr gefallen! Tee gibt’s immerhin auch hier. Aber ans Meer komme ich erst wieder Ende September … Liebe Sonntagsgrüße, Petra

  3. Klausbernd schreibt:

    Hallo, hallo,

    wir, Klausbernd und seine beiden Buchfeen Siri & Selma, sind auch zu Fans deines Zeitungsfrühsücks geworden. Für uns ist dein Überblick so hilfreich, da wir hier in Norfolk dem deutschen Zeitungsmarkt fern leben.
    Bitte, bitte, weitermachen!

    Mit lieben Grüßen
    Klausbernd und seine beiden emsigen Buchfeen Siri & Selma

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Lieber Klausbernd, das ist ja dann für euch richtig sinnvoll, wenn’s in der Nähe keinen Laden mit deutschen Zeitungen gibt – noch ein Grund mehr, mit der Serie weiter zu machen! Lieben Dank für den Kommentar & liebe Grüße, auch an die emsigen Buchfeen : )

      • Klausbernd schreibt:

        Liebe Petra,

        deutsche Zeitungen kann ich hier entweder abonnieren oder ich bekäme sie vielleicht in Norwich. Ich lebe völlig auf dem Lande, Literaten nannten diese Gegend „the edge“.
        Pass auf, du wirst noch zum Treffpunkt aller deutschen Expats wie ja auch der Pit aus Texas.

        Liebe Grüße aus dem sonnigen Norfolk
        Klausbernd
        Dina und unsere Buchfeen Siri & Selma bestellen auch liebe Grüße

  4. Liebe Petra, als Langzeitfanfrau Deiner ZEITungsfrühstückslektüre lese ich mit einem Kopfschütteln von der Kafka-Biografie, die Saul Friedländer im Beck Verlag heraugegeben hat. Tse, tse… Dabei schätze ich seine Essays als Historiker sehr. Über Martensteins Kolumne habe ich lang und breit schmunzeln müssen. Und Deine Broschen – sie sind zauberhaft!

    Aus Überzeugung sende ich Dir ganz liebe Grüße :),
    Karin

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ach, schön, liebe Karin, ich freue mich, dass du die Serie auch magst : ) Ja, also diese Kafka-Sache finde ich auch schräg … Na, mal sehen, was uns da zu diesem Thema noch blüht.
      Die Broschen mag ich auch sehr, sie stammen alle von Trödlern und Flohmärkten, natürlich alles Modeschmuck, aber das stört mich nicht. Leider hab ich schon zwei sehr hübsche Stücke verloren. Die eine war sogar ein Erbstück : ( Bei den alten Broschen ist ja manchmal der Verschluss etwas wacklig, da sind sie mir wohl unterwegs einfach abgefallen.
      Liebe Grüße & noch einen schönen Sonntag!

  5. muetzenfalterin schreibt:

    Ich habe die Serie vermisst.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Oh, wie schön, dann war es ja doch gut, dass ich weiter mache. Ich mag die Serie ja selbst, es macht mir Spaß, euch die Artikel zu empfehlenund zu kommentieren. Aber es ist oft so vieles nicht online, besonders aus dem Reiseteil, das ist ziemlich schade. Danke dir : )

  6. Pit schreibt:

    Hallo Petra,
    diese Serie von Dir kannte ich vorher noch nicht, und ich muss sagen,. da habe ich etwas verpasst. Ich würde mich freuen, wenn Du sie aufrecht erhalten würdest: interessante Anregungen!
    Mit der „Zeit“ und der „Welt“ sowie der „FAZ“, jeweils in den online-Ausgaben, halte ich mich auf dem Laufenden über Deutschland plus Weltgeschehen aus der Sicht guter deutscher Blätter. Allerdings forste ich nicht die gesamten online-Ausgaben selber durch, sondern habe den jeweiligen Newsletter-Dienst abonniert, der mir das schon etwas „vorgekaut“ serviert.
    Hier sieht dann mein Tagesablauf am Morgen so aus: nach dem Aufstehen Computer und Kaffeemaschine anwerfen, unsere „hungrige Meute“ füttern [zumindest die, die im Hause übernachten], und dann E-Mails und Blogs lesen [und ggf. kommentieren]. Und dann kommen die Zeitungen dran: die oben genannten deutschen plus die New York Times. Und mittwochs bis sonntags [montags und dienstags beziehen wir sie nicht] auch unsere „San Antonio Express-News“ in der gedruckten Ausgabe. Das Ganze bei ein paar Tassen guten Kaffees. Und meistens erst danach kommt das „richtige“ Frühstück dran.
    So, jetzt muss ich mal sehen, was ich so online finden kann.
    Liebe Grüße aus dem südlichen Texas, und noch einen schönen Sonntagnachmittag und -abend,
    Pit

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Lieber Pit, ich finde es toll, dass du weiter an den Geschehnissen hier in Deutschland interessiert bist und dich aktiv durch die diversen Online-Ausgaben frühstückst. Zuhause haben wir die ZEIT abonniert sowie die Brand eins (ein sehr lesenswertes Wirtschaftsmagazin). Im Büro kommen die Tageszeitung von Karlsruhe sowie diverse Fachzeitungen und -magazine hinzu. Manchmal, wenn wir viel Zeit am Wochenende haben, kaufen wir uns noch die NZZ, die FAZ und/oder die Süddeutsche. Am liebsten würde ich noch mehr Zeitungen lesen – und am allerliebsten immer nur die Teile, die mich besonders interessieren, also Reisen und Feuilleton ; ) Online geht das ja, aber ich mag die Printausgaben lieber. Vielleicht, weil ich sowieso schon so viel Zeit am Rechner verbringe.
      Hab noch einen schönen Sonntag! Liebe Grüße
      Petra

      • Pit schreibt:

        Hallo Petra,
        mir geht es genauiso: ob Bücher, ob Zeitung – ich mag die „echt gedruckte“ Ausgabe lieber.
        Liebe Grüße aus dem südlichen Texas,
        Pit

    • Klausbernd schreibt:

      Ja, mir geht`s wie euch, liebe Mützenfalterin und lieber Pit, ich lese auch lieber die Print-Version der Zeitungen.

      Liebe Grüße an Petra, Mützenfalterin, Pit und allen anderen von
      Klausbernd 🙂

  7. valentino schreibt:

    Na, da bin ich ja beruhigt, dass es die Serie noch gibt.

  8. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    @Pit @Klausbernd – das wäre ja eine tolle Entwicklung, wenn sich das Zeitungsfrühstück zum Treffpunkt „aller deutschen Expats“ mausern würde : )

  9. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    @Mila: Zum Glück nehmen die Broschen ja lange nicht so viel Platz weg, wie manche andere Sammelleidenschaft : )

  10. haushundhirschblog schreibt:

    Wir freuen uns, liebe Petra, wieder mitlesen zu dürfen. Wie es ja so schön in den Kommentaren zu lesen ist, sind wir auch nicht die einzigen Fans … und das freut uns für Dich. 🙂
    Liebe Grüße

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