Zeitungsfrühstück, Folge 53

Nach dem so erfreulich aufgenommenen Revival vom letzten Sonntag heiße ich euch auch heute wieder herzlich willkommen zum Zeitungsfrühstück! Brioches und Erdbeermarmelade sind alle, aber es gibt noch grünen Tee und meine Highlights aus dem Zeitmagazin, dem Reiseteil und dem Feuilleton der Zeit auf dem Frühstücksbüffet – bon ap‘!

Foto: (c) Gerda Kazakou

Wir beginnen mit ein paar Portionen vom Zeitmagazin: Harald Martenstein berichtet in seiner Kolumne über die Möglichkeiten fundamentalistischer Christen, nach ihrer Auferstehung ihre Haustiere versorgt zu wissen. Und zwar mithilfe von tierlieben Atheisten, die es voraussichtlich nicht in die höheren Sphären schaffen werden. Sinnfrei wieder einmal die Gesellschaftskritik über Humor in Ehen bekannter Spaßmacher und die Liebeskolumne, in der ein Paartherapeut die Fragen angeblich erwachsener Paare behandelt, und zwar in der Art eines Dr. Sommers, der ja leider inzwischen verstorben ist, dessen Team aber so vielen Bravo-Leserinnen und -lesern anregende Lektüre verschaffte. Wer dem nicht inzwischen entwachsen ist, ist bei der Liebeskolumne bestens aufgehoben.

Ansonsten gibt sich das Zeitmagazin modisch und räsoniert über die „Vermessung der Frau“. Dazu gibt es allerley Fotos (von den Modeanzeigen abgesehen), auf denen die Mode nicht die Hauptrolle zu spielen scheint, sondern junge Frauen mit einem Blick, als seien sie dem Elysion oder Delirium nahe. Dabei sieht man viel nackte Haut, blödsinnige Accessoires (beispielsweise ein tüllumflortes Küchensieb auf einem Frauenpo) und wenig von der Mode, weshalb man sich fragt, ob es bei den Fotos überhaupt noch um Mode oder schon um irgendetwas anderes geht. Tillmann Prüfer meint zwar, die Mode habe als Ideal den „echten“ Frauenkörper entdeckt, doch weder die meisten Artikel, z. B. über Giambattista Valli, über BHs oder über Schuhwerk, noch die erwähnten Fotos stützen diese kühne These. Immerhin fragt sich Elisabeth Raether, warum Jeans immer so einengen müssen und freut sich über die weiteren Schnitte. In diesem Artikel ist auch zu erfahren, dass die Brigitte nun doch keine „normalen“ Frauen mehr für ihre Fotostrecken nutzt, sondern lieber zu Models zurückkehrt. Das mit den „normalen“ Frauen wurde ja bislang ohnehin nicht gerade bravourös umgesetzt.

Im Reiseteil, aber leider nicht online, gibt es den Artikel „Seebad, öffne dich“ von Merten Worthmann über die schön-kitschige Bäderarchitektur in Binz auf Rügen. Online finden sich aber einige Bilder dieser Strandperlen. Karin Ceballos Betancur hat Axel Hacke zu seinem neuen Buch Oberst von Huhn bittet zu Tisch. Speisedeutsch für Anfänger interviewt, das ist zwar bedauerlicherweise nicht online, dafür aber eine launige Rezension dazu auf Culturmag.de.

Im Feuilleton bespricht Adam Soboczynski die neue Philosophie-Show von Richard David Precht, allerdings nicht online, und rät zum Disput. Ebenfalls nicht online der Beitrag über Hundesendungen von Claudia Steinberg. Schade, hätte gut zu Martensteins Kolumne gepasst. Auch nicht online – meine Güte, sind die lahm diesmal! – die Doppelbesprechung von Rainald Goetz‘ neuem Opus Johann Holtrop. Iris Radisch nähert sich bewährt literaturkritisch, und weil es ein Roman ist, der in der deutschen Wirtschaftsszene spielt, nimmt ihn auch Wirtschaftsredakteur Rüdiger Jungbluth auseinander. Sein Mäkeln am fehlenden wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund des Autors – den ich übrigens beim Lesen seiner Mäkeleien nicht schlimm, sondern witzig fand, denn wer außer Wirtschaftsexperten, versteht denn überhaupt, wie dieses undurchsichtige Spiel funktioniert? Da scheinen mir die erfunden Worte des Autors, die so richtig klingen, doch eher geniale Spielereien zu sein. Doch zurück zu dem Vergleich, den ich eigentlich anstellen wollte: Jungbluths Mäkeln also erinnerte mich an einen sehr spaßigen Verriss von Ulrich Greiner einer Neuübersetzung von Poes Arthur Gordon Pyms mit dem Titel „Kein Glück mit dem Klüver“ – übrigens einer meiner Lieblingsverrisse von Greiner.

Greiner selbst rezensiert Bodo Kirchhoffs neuesten Roman, nicht online, aber auch nicht schlimm, da „Spoiler-Alarm“. Können die professionellen Literaturkritiker denn nicht rezensieren, ohne den kompletten Inhalt zu verraten?

Immerhin online findet sich ein Artikel über Judith Butler titels „Was denkt diese Frau?“ von Ingeborg Harms. Da nicht mal die Rede von Jürgen Habermas anlässlich der Verleihung des Georg-August-Zinn-Preises online ist, lasse ich es für heute gut sein und wünsche euch noch einen schönen Sonntag, ihr Lieben!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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8 Antworten zu Zeitungsfrühstück, Folge 53

  1. Pit schreibt:

    Hallo Petra,
    wieder mal eine schöne zusammenfassung mit interessanten Anregungen: danke. Darf ich aus der online-Ausgabe der Zeit ergänzen? Das Interview mit dem Bergsteiger Michael Vogeley über die Polargebiete [http://www.zeit.de/reisen/2012-08/reisen-interview-michael-vogeley-polar] fand ich lesenswert.
    Liebe Grüße aus dem südlichen Texas, und einen schönen Sonntagmachmittag,
    Pit

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Hallo Pit, danke für den Tipp : ) Liebe Grüße & noch einen schönen Restsonntag!

    • Klausbernd schreibt:

      Danke, lieber Pit, das Interview finde ich sehr lesenswert, zumal es in das Gebiet meines heißen – oder sollte ich besser schreiben „kalten“ 😉 – Interessengebiets fällt.
      Liebe Petra, herzlichen Dank dir für die informative Zusammenfassung, wie immer einfach toll …

      Liebe Grüße vom heute stürmischen Meer (genau wie ich es liebe: Sonne und Sturm)
      Klausbernd und seine munteren Buchfeen Siri und Selma 🙂 🙂

  2. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Sonne und Sturm – das klingt ganz nach meinem Geschmack! Liebe Grüße : )

  3. haushundhirschblog schreibt:

    Liebe Petra,
    wie schön, dass es hier weiter geht mit dem Zeitungsfrühstück!
    Gerade diese Woche! Denn eigentlich wollten wir uns gleich am Samstag zum Frühstück die ZEIT gönnen, weil uns der Titel „Philosophen entdecken das Gefühl“ gelockt hat, aber auch, weil es einen Artikel zu Menschen mit Asperger-Autismus darin gibt. Aber weder an den beiden Tankstellen in unserer Nähe, noch bei unserem Lebensmittelladen, der sonst immer (!) die ZEIT in seinem Sortiment hat, konnten wir ein Exemplar erstehen. Außerdem sind beide Artikel natürlich nicht online … Was ein Ärger!
    Umso mehr haben wir uns dann auf Dein Zeitungsfrühstück gestürzt, das noch mehr Lust auf die Printausgabe gemacht hat. (Wir haben sie immer noch nicht, herrjeh!)
    Danke Dir,
    mb und dm

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