Any Human Heart (Eines Menschen Herz)

Dieser Roman von William Boyd, den mir eine Freundin empfahl, ist ausgezeichnet! Aus mehreren Gründen. Schon die Form ist interessant, die Hauptfigur selbst weist darauf hin, dass sie Tagebücher führte, allerdings nicht durchgängig. Die Tagebücher begleiten Logan Mountstuarts Leben phasenweise intensiv, es gibt aber auch Zeiten, aus denen keine Tagebücher existieren, aber ein Kommentator fasst in solchen Fällen diese Zwischenzeiten für das Lesepublikum zusammen.

Und dann natürlich das Leben des Logan Mountstuart selbst: Es umspannt fast das komplette 20. Jahrhundert, in dem er so viel erlebt hat, dass wir beim Lesen das Jahrhundert mit seinen Höhen und Tiefen mit seinen Augen sehen und dabei nie das Gefühl verlieren, dass es sich um einen „echten“ Menschen handelt und keine Kunstfigur. Das ist erstaunlich, denn Logan geht ungewöhnlich vielen Talenten nach, übt zum Teil unglaubliche Berufe aus und vor allem trifft er jede Menge Berühmtheiten seiner Zeit. Als junger Schriftsteller beispielsweise lernt er Evelyn Waugh, Virgina Woolf und Ernest Hemingway kennen. Letzteren trifft er wieder, als er als Journalist in Spanien unterwegs ist. Er wird Spion im Zweiten Weltkrieg, wo er an James Bond erinnernde Abenteuer erlebt und – Dichtung und Wahrheit – auch den Schriftsteller Ian Fleming trifft, der – wie ihr sicher wisst – die Figur James Bond schuf. Logan lernt Picasso kennen und arbeitet später als Kunsthändler in New York, wo er natürlich weitere Künstler trifft.

Manchmal sind diese Begegnungen sehr amüsant, weil es natürlich witzig ist, wie der Autor es schafft, seinen Helden mit allen Geistesgrößen seiner Zeit in Beziehung zu bringen. Aber eigentlich ist der Roman nicht lustig, sondern ziemlich dramatisch,, wie Logans Leben. Er entwickelt sich und das Jahrhundert rollt seine Geschichte aus. Selbst als alter Mann erlebt Logan noch haarsträubende Geschichten mit der RAF, ehe er sich ganz nach Frankreich zurückzieht. Das Ende ist versöhnlich, ohne kitschig zu sein.

Logan meint in seinem Vorwort, dass das Leben eines jeden Menschen sowohl durchschnittlich als auch außergewöhnlich sei, erst die entsprechenden Anteile der beiden Kategorien mache dieses Leben interessant oder eintönig. Seines liest sich jedenfalls hochinteressant.

Rezension erstmals erschienen im „Virtuellen literarischen Salon“.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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