Susan Sontags Geist und Glamour

Heute möchte ich euch Daniel Schreibers Biographie Susan Sontag. Geist und Glamour, erschienen im Aufbau Verlag und jetzt auch als Taschenbuch erhältlich, wärmstens empfehlen.

Manchen Autoren näherte ich mich erst über ihre Biographie, anderen über ihre Texte. Bei manchen fand ich die Biographie spannender als das, was sie geschrieben haben, zum Beispiel bei Lord Byron. Bei anderen scheint das Geschriebene aufregender als ihr Leben, vielleicht bei der großartigen Dichterin und Briefeschreiberin Emily Dickinson. Und dann gibt es noch jene, deren Leben genauso ereignisreich war, wie ihre Texte vielseitig, etwa Oscar Wilde oder Leonora Carrington.

Susan Sontag (1933 – 2004) würde ich in die dritte Kategorie einordnen, wobei ich mich ihr zunächst über ihre Essays näherte, Kunst und Antikunst (Against Interpretation von 1966) und Worauf es ankommt (2005 auf Deutsch im Carl Hanser Verlag erschienen). Ansonsten wusste ich von ihr nur, was viele wissen, dass sie diese schöne schwarzhaarige Frau mit der weißen Haarsträhne war, Mutter eines Sohnes, Partnerin der Fotografin Annie Leibovitz – Klatsch und Glamour! Und dass es von ihr einmal hieß, sie sei ein ‚intellektuelles It-Girl‘, ein merkwürdig altmodischer Titel, vielleicht passend für seine Zeit (1960er Jahre, die Zeit der Mad Men), den man sich aber auch erst mal verdienen muss. Und zwar nicht mit Schönheit allein. Den Untertitel Geist und Glamour fand ich in Verbindung mit ihrem Namen jedenfalls sehr passend für eine Biographie über sie.

Daniel Schreibers Biographie liest sich sehr gut, was zum einen an dem hochinteressanten Leben von Susan Sontag, zum anderen an seinem angenehmen Stil liegt. Er beschreibt, zitiert, legt zuweilen Texte aus, bringt sie natürlich in Bezug zu ihren jeweiligen Lebenssituationen und das alles sehr anschaulich. So nähert man sich über viele Puzzlestücke dem Leben dieser Frau, die sich in gewisser Weise selbst erfand und selbst stilisierte, für ihre Überzeugungen auf die Barrikaden ging, aber auch kein Problem damit hatte, manche davon später im Leben zu revidieren. Schließlich entwickelt man sich ja weiter. Sie nutzte ihre Darstellung in den Medien, steuerte sie und arbeitete aktiv an ihrem Ikonen-Status. Warum nicht, es gibt viele Wege, sich Gehör zu verschaffen. Und sicher war es nicht einfach, zwischen den beiden Polen „Geist“ und „Glamour“ eine ernst zu nehmende Intellektuelle zu bleiben.

So ist Schreibers Biographie nicht nur erhellend und lesenswert, sie macht außerdem Lust, weitere Essays von Susan Sontag zu lesen, beispielsweise über Fotografie, oder es auch mit ihren Romanen zu versuchen, etwa dem Liebhaber des Vukans. Mein Fazit: Sehr empfehlenswert.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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8 Antworten zu Susan Sontags Geist und Glamour

  1. buzzaldrinsblog schreibt:

    Liebe Petra,
    ich möchte mich ganz herzlich bei dir dafür bedanken, dass du mich neugierig gemacht hast und eine unbändige Lust geweckt hast, das Buch zu lesen! 🙂 Von Susan Sontag selbst kenne ich leider noch nichts, auch wenn ich schon lange ihre Tagebücher lesen möchte. Ich kenne das Buch ihres Sohnes, das mich bereits sehr neugierig gemacht.
    Diese Biographie möchte ich auf jeden Fall und gerne so schnell wie möglich lesen! 🙂
    Mara

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ich freu mich, liebe Mara, dass dich mein Beitrag so überzeugen konnte : ) Ich habe es wirklich wie im Rausch durchgelesen, völlig begeistert, so viel Interessantes mehr über diese Frau zu erfahren. Es war leider nur ausgeliehen von einem Freund, aber ich spiele mit dem Gedanken, es mir zu kaufen.

  2. flattersatz schreibt:

    danke für den tip, der für mich sehr interessant ist, da ich ja vor kurzem die biographie der letzten tage von susan sontag, geschrieben von ihrem sohn, vorgestellt habe… was mich ein wenig erstaunt, ist, daß die bekannten essays „Der Krebs(Aids) als Metapher“ nicht erwähnt werden, da die krankheit krebs, die sontag ja insgesamt dreimal heimsuchte, für ihr leben ja (mit)bestimmend war…

  3. haushundhirschblog schreibt:

    Vielen Dank, liebe Petra, für Deinen feinen Artikel und den Hinweis zu Daniel Schreibers Biographie. Ich habe Susan Sontag 2003 bei der Verleihung des Friedenspreis des Deutschen Buchhandels sprechen hören/sehen. Das war eine beeindruckende Rede einer besonderen Persönlichkeit. Seitdem will ich etwas von ihr oder über sie lesen. Aber bisher waren es immer noch Auszüge oder überschaubare Artikel in Zeitungen.
    Ich freue mich sehr auf dieses Buch. Danke Dir!
    mb

  4. Klausbernd schreibt:

    Liebe Petra, ich habe diese Biografie auch gelesen neben vielen Essays von Susan Sonntag und war genauso begeistert wie du. Ich empfehle jedem, der sich mit dieser großen Frau beschäftigen möchte, dieses unterhaltsame Buch als Einstieg. – Ich wusste gar nicht, dass es diese Biografie auch in Deutsch gibt. Danke für den Hinweis.
    Ganz liebe Grüße aus dem sonnigen, aber kalten kleinen Dorf am großen Meer
    Klausbernd

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