Auf der Suche nach … Proust

Wenn man in einem Hotel namens „Flaubert“ in Trouville seine Ferien verbringt, umgeben von weiteren literarischen, musikalischen und künstlerischen Spuren, liegt es natürlich nahe, auch Ausflüge in weitere hübsche normannische Seebäder mit literarischem, musikalischem oder sonstwie künstlerischen Bezug zu unternehmen. Das hat mein Liebster auch gleich eingesehen und so fuhren wir entlang der Küste durch lauter hübsche Orte nach Cabourg.

Das „Grand Hôtel“, in dem Marcel Proust oft logierte.

Cabourg kommt in Marcel Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, genauer im Band Im Schatten junger Mädchenblüte vor. Dort heißt der Ort allerdings Balbec und ist vielleicht als eine Art prototypisches Seebad in der Normandie zu verstehen. Wie meinem Reiseführer zu entnehmen war, stieg Proust erstmals als Kind im „Grand Hôtel“ von Cabourg ab. Der heutige Bau entstand 1907, auch darin war Proust alljährlich zu Gast bis 1914. Die einst „Promenade des Anglais“ genannte Strandpromenade (wie in Nizza) heißt inzwischen „Promenade Marcel Proust“ und alle paar Meter finden sich Tafeln mit seinen Zitaten. Aufgrund dieser Informationen waren meine Erwartungen an Cabourg, was Proust betrifft, natürlich enorm hoch.

Die Suche nach Proust beginnt.

Und anfangs wurden sie durchaus erfüllt. So findet sich gleich neben dem Eingang in der Halle des hübsch protzigen Grandhotels eine Tafel zu Proust, auf der auch das einstige Entree abgebildet ist.

Und ein paar Schritte weiter eine Büste von Proust mit weiteren Erläuterungen.

Doch als ich die Rezeptionistin frug, ob man sich das Zimmer, in dem Proust immer gewohnt habe, anschauen dürfe, meinte sie freundlich, sie seien komplett ausgebucht, auch Prousts Zimmer sei vermietet. Schließlich seien sie ja kein Museum. Auch wieder wahr. Also hinaus auf die Suche nach jenem Zeitschriftenladen, in dem es gaaanz viel Literatur zu Proust geben sollte. Gab es auch, nur leider ausschließlich auf Französisch. Hm.

Wo also wenigstens Proust-Devotionalien auftreiben? Ich wurde bescheidener und dachte an eine Minibüste (wie die im Hotel) oder ähnliches. Wir klapperten diverse Souvenirläden ab, wurden aber partout nicht fündig. Nicht mal ein Lesezeichen mit Prousts Antlitz oder meinetwegen einem Zitat von ihm war mir vergönnt. Sollte die Suche damit schon beendet sein? Doch da!

Jener Laden voller normannischer Spezialitäten hatte sich klugerdings auch auf Proust als regionale Besonderheit eingestellt. Der Schriftstellerkopf prangte schon auf der Eingangstür.

Dort nun fanden sich allerley Behältnisse, die man beispielsweise mit Madeleines oder anderen Köstlichkeiten füllen konnte.

So hatte sich die Suche immerhin als nicht ganz vergeblich erwiesen. Später am Nachmittag kehrten wir zurück in unser schönes „Hotel Flaubert“, bestellten Tee aufs Zimmer und verspeisten dazu ein paar Madeleines mit Blick auf „unseren“ Strand.

Ein feines Rezept für Madeleines findet sich übrigens beim Kormoranflug. In Ermangelung selbstgebackener Madeleines kauften wir die fertigen von Ker Cadélac, die mir so gut schmeckten, dass ich mir noch ein paar davon für zu Hause mitgenommen habe : )

Kleiner Nachtrag: Gerade wurde ich per Twitter dank @ProustTweet auf eine sehr nette Sache aufmerksam: The Illustrated PROUST von Patrick Alexander und David Richardson, eine Preview gibt es hier. Im November wird es eine Kindle-Version und eine E-Book-Version fürs iPad davon geben. Das könnte mein allererstes E-Book werden!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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14 Antworten zu Auf der Suche nach … Proust

  1. Mila schreibt:

    So weit bin ich mit meiner Proust Lektüre noch nicht gekommen. Aber immerhin habe ich gerade die legendäre Madeleine-Szene gelesen. Insofern hätte ich mir die hübschen Boxen voll damit gemacht. LG mila

  2. durchleser schreibt:

    Cabourg ist wirklich ein Proustscher Ort, wobei je nach Jahreszeit die Strandpromenade sehr voll sein kann und der Charme der „alten“ Zeit wie aus dem Romanteil „Im Schatten junger Mädchenblüte“ kaum wiederzufinden ist. Für eine nächste Reise empfehle ich besonders das Haus seiner Tante Léonie in Illiers-Combray zu besuchen, das mit regelmässigen Führungen für jeden Proustliebhaber eine ganz besondere und vor allem sehr gut erhaltene Welt öffnet. Im Alter zwischen sechs und neun Jahren verbrachte Marcel Proust dort sehr oft seinen Ferien und man kann noch das Buch, was er zuletzt gelesen hat, auf seinem Nachttisch bewundern. Mehr über Proust-Orte und Freunde findet man hier unter folgendem Link: http://durchleser.wordpress.com/marcel-proust/freunde-und-orte/
    Übrigens gibt es in diesem kleinen Ort bei einer Bäckerei sehr köstliche und vor allem ganz frische Madeleines, nach einem Originalrezept aus dem Hause Proust!

  3. kormoranflug schreibt:

    Hi Petra, vielen Dank für die Blog-Verknüpfung. Proust lesen ohne Madeleines und Lindenblütentee dazu zu speisen geht auch überhaupt nicht.

  4. valentino schreibt:

    Das freut mich ganz besonders, dass du hier so viele und interessante Ansichten aus dem Leben von Proust und Anknüpfungspunkte an sein literarisches Werk auf so eine anschauliche Weise beleuchtest 🙂

  5. buechermaniac schreibt:

    Du hast also doch noch ein Proust-Souvenir gefunden, dann hat sich die Mühe wenigstens gelohnt und wurde erst noch mit Leckereien versüsst.

    Vielen Dank für diesen schönen Bericht.

  6. haushundhirschblog schreibt:

    Ähnlich, wie es Valentino geschrieben hat, gefällt uns sehr, wie Du die Verbindung zwischen Deiner Reiselust und Deiner Begeisterung und Kenntnis von Literatur auch hier wieder gefunden und uns mitgegeben hast. Danke dafür!
    Herzliche Grüße!

  7. Martina Wald schreibt:

    Was für ein schöner Artikel (seufz). Ich geh´ zu Proust, wenn ich beim Zeichnen unkonzentriert bin. Er verlangsamt das Sehen und schärft den Blick.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Vielen Dank, liebe Martina! Ja, Prousts Stil macht ruhiger, langsamer, genauer, zugleich auch … träumerisch? Eigentlich paradox: träumerische Klarheit möchte ich den Zustand fast nennen, in den mich seine Texte versetzen.

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