Bonjour Honfleur

Ausgerechnet an einem Samstag kamen wir auf die Idee, nach Honfleur zu fahren. Samstags, wochenends, wenn tout Paris die normannischen Seebäder bevölkert! Egal, es war ein wunderschöner Ausflug mit angenehmen Überraschungen.

Bei unserer Ankunft im malerischen (und wirklich übervollen) Honfleur tranken wir zur Stärkung erst mal einen Tee am „Alten Becken“. Am Abend zuvor, beim Essen im „Le Central“ zu Trouville, hatten uns zwei Pariser Paare, die mit uns am Tisch saßen, von Honfleur vorgeschwärmt. Wir wollten sowieso hin, ursprünglich vor allem wegen des Musée Eugène Boudin, wo wir uns die Gemälde Boudins, einem Vorläufer des Impressionismus, der Monet davon überzeugte, doch auch lieber im Freien zu malen, zu beschauen gedachten. Das Museum lohnt einen Besuch, aber der Höhepunkt war für uns etwas ganz anderes.

Galerie des Künstlers Philippe Géraud

Auf dem Weg zum Museum nämlich entdeckten wir zwei sehr schöne unerwartete Sehenswürdigkeiten. Aus Gründen der Spannungssteigerung beginne ich mit der Galerie des Künstlers Philippe Géraud (überhaupt gibt es in Honfleur Galerien ohne Ende). Leider haben wir kein Foto von dieser Galerie, denn das Knipsen derselben war verboten. Jedenfalls befanden sich darin wirklich bezaubernde Zeichnungen und Drucke. Sehr humorvoll sind beispielsweise seine „âneries“ – reizende Zeichnungen mit Wortspielen zu âne – Esel, z. B. eine Eselsmarionette und darunter das Wort „ânimé“ oder ein ratloses Eselchen vor einem Spiel und darunter steht „ânerienicomprendre“. Allerliebst. Mehr davon findet ihr u. a. hier.

Aber Géraud macht noch mehr schöne Sachen. Sein Motto, laut Visitenkarte: „Humour – Amour – Mouvement – Poésie“ passt gut zu den Arbeiten, die wir uns angesehen haben. Sehr poetisch fand ich beispielsweise die Goldfische, die um einen Baum herum „schwammen“ (da ist es wieder: „Fische sind Vögel im Wasser“). Melancholisch war die kleine Dickmadame, die ihren Goldfisch im Straßenabfluss „Gassi“ führte (oder sollte ich hier eher „Gossi“ sagen?) und auf Regen hoffte. Schade, dass Géraud oder seine Galerie keine Webpräsenz haben, ich hätte euch gern mehr von ihm gezeigt. Hier wenigstens die Visitenkarte:

Maisons Satie

Die wunderbarste Entdeckung des Tages jedoch waren die Maisons Satie – das wahrscheinlich hübscheste Museum rund um das Leben einer berühmten Persönlichkeit, das ich je besucht habe! Mein Liebster war auch ganz begeistert : )

Die Maisons Satie, zwei nebeneinanderstehende, verwinkelte Häuschen, bieten einen szenischen und musikalischen Rundgang durch das Universum des Komponisten Erik Satie. Dass ich Satie mag, hatte ich ja bereits an anderer Stelle erwähnt. Ihr könnt euch also meine Begeisterung vorstellen, als ich durch das enge Häuslein in den ersten Ausstellungsraum kam und von der Installation einer riesigen geflügelten Birne begrüßt wurde, eine Anspielung auf die „Trois morceaux en forme de poire“ (Drei Stücke in Birnenform).

Der Audio-Guide brachte – je nachdem, wo man ging oder stand – passende Informationen zu Satie und Musikstücke zu Gehör. Ein sparsam möblierter Raum zeigte auf kreative Weise persönliche Gegenstände des Komponisten. Manche der Dinge, etwa Möbel oder die Regenschirmsammlung, waren einfach nur an die Wand gemalt. Man durfte in dem Museum Gegenstände berühren, etwas auslösen, sogar selbst Musik machen, indem man sich auf eine Art Karussell setzte und in die Pedale trat. In einem ganz in weiß gehaltenen Raum stand ein weißes Klavier, das selbsttätig Stücke von Satie spielte. Es gab so viele wunderbare, berührende Ideen in diesem Museum für alle Sinne, dass ich es am liebsten gleich noch einmal besuchen würde!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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2 Antworten zu Bonjour Honfleur

  1. haushundhirschblog schreibt:

    Liebe Petra,
    auch wenn ich bereits einmal in dieser wunderbaren Ecke urlaubte, dieses Museum, das Du hier so schön beschreibst, habe ich nicht besucht. Was vermutlich ganz schade ist, denn die von Dir beschriebenen Eindrücke des „Universums des Komponisten Erik Satie“ hätten mich sehr interessiert.
    Danke!
    mb

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe mb, falls du mal wieder dorthin kommst: Unbedingt anschauen und erleben, es ist wirklich ganz herrlich und ich bin mir sicher, dass es dir auch gefallen würde (und dm). Wir haben es ja auch eher zufällig gefunden, weil es so kleine und unter all den Geschäftchen eher unauffällig Häuslein sind. Am Ende war es für uns eindrucksvoller als der Besuch des Museums, den wir ursprünglich geplant hatten.

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