Hinaus aufs Land

Und weiter geht es mit den Reiseschnipseln. An einem schönen Montagmorgen planten wir einen Ausflug aufs Land, genauer gesag: zum Wochenmarkt von St. Pierres-sur-Dives sowie in „Frankreichs schönstes Dorf“ Beuvron-en-Auge. Auf dem Rückweg nach Trouville besichtigten wir noch das Château du Breuil, weil von dort jener Calvados stammt, den wir im Urlaub für uns „entdeckten“.

Doch der Reihe nach: St. Pierre-sur-Dives ist ein hübscher Ort im Pays d’Auge mit einem riesigen montäglichen Markt. Er findet teils in der mittelalterlichen Markthalle und rings um selbige statt und erfreut sich regen Zulaufs. Dort gibt es außer Obst, Gemüse und normannischen Spezialitäten auch lebende Tiere, Klamotten und sogar Laptops zu kaufen. Wir beschränkten uns allerdings auf leckere Terrinen und Gewürzkuchen und fuhren erwartungsvoll ins viel gepriesene Beuvron-en-Auge.

Beuvron-en-Auge ist in der Tat ein Bilderbuchdorf mit jeder Menge Fachwerk, wo sich – mal abgesehen von den Touristen – vermutlich Fuchs und Hase ganz gemütlich Gute Nacht sagen.

Leider ist die Idee, montags dorthin zu fahren, nicht so brillant, denn das hochgelobte und bekannteste Restaurant am Platze, das „Pavé d’Auge“ in der historischen Markthalle des Dorfs, hat montags Ruhetag. Da es „schon“ ein Uhr durch war und die übrigen Restaurants des winzigen Orts im Schließen begriffen waren, zogen wir hungrig weiter. Glücklicherweise verfuhren wir uns in einen Ort namens Bonnebosq, wo wir im „Bras d’Or“ sogar um zwei Uhr noch ein gutes und enorm günstiges Mittagessen zu uns nehmen durften.

Wenn man schon im Département Calvados Urlaub macht und den ein oder anderen der unzähligen Sorten probiert hat, kann man auch gleich einen der Calvados-Hersteller besuchen. So also ging es weiter zum Château du Breuil, das Führungen in mehreren Sprachen für die Fans des gepflegten Apfelbrandgenusses bietet.

Das Schloss selbst ist zwar nicht zur Besichtigung frei gegeben, weil dort der Besitzer sowie der Direktor der Brennerei nebst Familien leben. Aber bereits der Park ist sehenswert – und natürlich erst recht die diversen Stationen der Brennerei. Etwa die Kellerei, in den ehemaligen Stallungen des Schlosses gelegen.

Dies ist nur einer der Reifekeller (und der kleinste, wie wir erfuhren), der aber gewiss der ansehnlichste ist. Drum wird man ja auch dorthin geführt. Sein Gewölbe sei dem der Kirche Sainte-Catherine in Honfleur nachempfunden, wurde uns erklärt. Nach einer Calvadosprobe fuhren wir beschwingt und mit ein paar Flaschen im Gepäck zurück nach Trouville.

Kleiner Exkurs, Nr. 1: Regionen, Départements und die Normandie

Wie ihr natürlich wisst, ist Frankreich in Regionen und diese sind wiederum in Départements unterteilt. Was ich nicht wusste: Die Normandie ist eigentlich weder das eine noch das andere, sondern eine der historischen Provinzen, die weitgehend von den Départements abgelöst wurden. Diese historische Provinz findet sich heute auf der Karte in zwei Regionen unterteilt: Haute-Normandie und Basse-Normandie. Wir verbrachten also unseren Urlaub, wenn man das mal korrekt lokalisieren und benennen will, im Département Calvados der Region Basse-Normandie.

Kleiner Exkurs, Nr. 2: Calvados, Cidre und Pommeau

Im Département Calvados scheint das Klima für Apfelbäume geradezu ideal zu sein, denn die beliebtesten Getränke der Gegend werden aus Äpfeln hergestellt. Abgesehen vom Apfelsaft ist der Cidre die Variante mit dem geringsten Alkoholgehalt (2,5 bis 5%). Als nächstes (17%) kommt der Pommeau, den ich vor der Reise noch nicht kannte. Man muss ihn allerdings kühl trinken, sonst schmeckt er pappsüß. Und schließlich der Calvados (40+%), den ich in der Normandie sehr zu schätzen lernte. Ihn kannte ich bereits aus Deutschland, aber die Sorte, die ich damals probierte, hat mich wenig begeistert. Der erste Calvados, den ich in Trouville trank, schmeckte viel weniger apfelig und fast schon wie ein guter Whisky. Eine Calvados-Probe ist für alle zu empfehlen, die sich bislang auch nicht für dieses Getränk erwärmen konnten. Vielleicht wird da so manche Meinung revidiert.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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8 Antworten zu Hinaus aufs Land

  1. immerabgelenkt schreibt:

    Die Region Calvados wollte ich mir schon länger ansehen, danke für diese Tipps!

  2. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Das lohnt sich in der Tat, liebe Immerabgelenkt, schön anzusehen und voller kulinarischer Köstlichkeiten (Käsesorten, Getränke, Speisen allgemein) : )

  3. buechermaniac schreibt:

    Wenn man durch Frankreich fährt steht ja immer mal wieder auf einer Tafel „un des plus beaux villages“. Beuvron-en-Auge ist also das schönste Dorf Frankreichs? Nach dem feinen Birnenmost, den wir in Niederösterreich getrunken haben, würde sich dann das Apfelparadies der Normandie geradezu aufdrängen 😉

    LG buechermaniac

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Jawoll, ist es, ganz offiziell : ) Mein Liebster hatte das in irgendeinem Artikel gelesen und mir ist es dann auch noch ein paar Mal begegnet.
      Hihi, jaaaa, zum Birnenmost-Urlaub passt so ein Apfelparadiesurlaub ganz ausgezeichnet – aber man darf natürlich Birnen und Äpfel nicht miteinander vergleichen ; ) Liebe Grüße!

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