Teppichland und rettender Hafen

An einem ausnahmsweise (!) ziemlich verregneten Tag machten wir uns auf nach Bayeux, um den berühmten Wandteppich zu besichtigen. Der Teppich ist eigentlich kein Teppich im „geknüpften“ Sinne, er ist nämlich bestickt und zwar mit Bildern, in denen die Geschichte erzählt wird, wie Wilhelm der Eroberer/William the Conqueror/Guillaume le Conquérant) 1066 England eroberte. Übrigens eine tolle Geschichte!

Bayeux selbst ist ein sehr hübsches Städtchen und wenn es nicht so stark geregnet hätte, wären wir gern ein wenig dort herumspaziert. Dummerweise lagen unsere Schirme im Hotelzimmer. Also folgten wir den unzähligen Schildern zur Tapisserie – und nannten das Ganze irgendwann nur noch „Teppichland Bayeux“. Die Tapisserie indessen ist wirklich sehenswert, wenn man auch sehr zack-zack an der knapp 70 Meter langen Stickarbeit vorbeigelotst wird. In Ruhe kann man sich die 58 Szenen ja noch mal bei Wikipedia ankucken ; )

Wenn man schon in der Normandie ist, liegt es nahe, sich wenigstens einen der Strände genauer anzusehen, auf dem die alliierten Truppen im Zweiten Weltkrieg landeten. Wir entschieden uns wegen des ungünstigen Wetters für den nahegelegensten, den Gold Beach, genauer gesagt für Arromanches. Das war eine gute Wahl, denn hier hatten die Alliierten eine logistische Glanzleistung abgeliefert und binnen 13 Tagen einen künstlichen Hafen errichtet, der die Versorgung der Truppen gewährleisten sollte. Die wichtigsten Häfen waren nämlich bereits in deutscher Hand und man fürchtete, dass die Nazis eher die Häfen zerstören würden, als sie nach einer Eroberung den Alliierten zu überlassen.

Das Musée du Débarquement zeigt dazu einen hochinteressanten Film (auch auf Deutsch), der die Entstehung des Hafens dokumentiert. Demnach wurde er von den Briten in knapp neun Monaten gebaut. 30.000 Menschen stellten die Einzelteile in England her, ohne zu wissen, wohin sie später verschifft werden würden.

Vor dem Bau des Hafens wurden 15 Schiffe in einer Reihe versenkt, eigene und absichtlich, denn sie sollten einen künstlichen Damm bilden. Nachdem der Hafen erfolgreich zusammengesetzt war und bestens funktionierte, hat ein mehrtägiger Sturm den Hafen wieder ziemlich zerstört. Er konnte aber später wieder „repariert“ werden. Mehr dazu lest ihr auch hier. Heute sind noch Reste des künstlichen Hafens vor Arromanches zu sehen – wie es auf der Webseite des Museums heißt, war er „der Schlüssel zum Sieg“, ein rettender Hafen also.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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4 Antworten zu Teppichland und rettender Hafen

  1. buchstabenchaos schreibt:

    Hört sich nach einen sehr interessanten Ziel an, schade nur, dass ihr an diesen Tag so Pech mit dem Wetter hattet. Die Fotos vom Strand sind aber trotzdem (oder ich glaube eher: gerade deshalb! Strand + schlechtes Wetter passt für mich sehr gut zusammen, ich mag diesen besonderen Charme, den Regentage haben und ich liebe das Meer, da käme für mich also beides zusammen…) sehr toll! 🙂

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Vielen Dank, liebe Buchstabenchaos : ) Der Regen an sich war auch okay, nur schade, dass wir keinen Schirm dabei hatten. So wurden wir zwischendurch natürlich pitschnass, weil es ganz schön geschüttet hat. Aber egal, im Auto und in den Museen war’s ja warm und trocken.

  2. buechermaniac schreibt:

    Vielen Dank für deinen interessanten Bericht. Den Wandteppich von Bayeux hat sich meine Mutter einmal mit unserer Stickgruppe angesehen, leider konnte ich nicht mitfahren. Unsere Sticklehrerin hat selbst viele Wandteppiche, auch für Kirchen, gestickt. Bei solch gigantischen Werken sind auch immer die Hände von weiteren Stickerinnen gefragt und im Einsatz, denn sonst wird so ein Teppich nie fertig.

    Liebe Grüsse
    buechermaniac

  3. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Ja, liebe Büchermaniac, an diesem riesigen Wandbehang haben sicher viele fleißige Hände gestickt.
    Mein Onkel, selbst Künstler, hat Anfang der 1960er Jahre bei Jean Lurçat am Entwurf zum großen Gobelin für den Isabellensaal des Kölner Gürzenich mitgearbeitet. Ob er auch gestickt hat, weiß ich allerdings nicht. Jedenfalls ist Jean Lurçat einer der wenigen, die ich kenne, die sich in „modernerer“ Zeit so ausführlich mit der Kunst der Tapisserie befasst hat, mehr über ihn auch hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Lur%C3%A7at.

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