Die Violinen von Saint-Jacques

In der Zeit gab es vor Jahren zum Autor des Romans Die Violinen von Saint-Jacques einen schönen Beitrag, passenderweise unter der Rubrik „Reisen“, da Patrick Leigh Fermor als Reiseschriftsteller berühmt ist und seit vielen Jahren in der Mani auf dem Peloponnes lebt. So wurde ich auf den Roman aufmerksam.

Der Stil ist sehr poetisch und bildhaft. Der Roman beginnt mit einer Beschreibung der Antilleninsel Saint-Jacques, ihrer Ureinwohner und der Tatsache, dass diese Insel sich kaum auf alten Karten findet. Erst dann folgt die eigentliche Geschichte: Auf einer griechischen Insel trifft ein Mann eine alte Französin, Berthe, die ihm von ihrem Leben auf Saint-Jacques erzählt. Sie kam als junge Frau in das prächtige Haus ihres reichen Cousins, des Grafen de Serindan, wo sie als Gouvernante lebte. Aber nicht im Stil der armen Verwandten, wie man es von ähnlichen Plots kennt, die häufig mit der Heirat der jungen Frau mit dem reichen Erben enden – mit dieser Art Literatur hat dieses Buch nichts zu tun.

Beschrieben wird der Glanz längst vergangener Tage einer privilegierten Schicht, die sich um wenig mehr sorgte als um opulente Feierlichkeiten. Das Leben fließt angenehm und komfortabel dahin. Für ein wenig Aufruhr sorgt die schöne Tochter Serindans, die sich ausgerechnet in den Sohn seines Rivalen verliebt. Während des Karnevalballs im Hause des Grafen spitzen sich die Ereignisse immer mehr zu.

Dies ist der einzige Roman des Reiseschriftstellers, was ich überaus bedauerlich finde. er ist sprachlich sehr gelungen, die ganze Geschichte ist ein gutes Gleichnis für die Vergänglichkeit all dessen, was dem Menschen wichtig ist, für seine eigene Bedeutungslosigkeit im Lauf der Zeiten, für die Willkür der Natur, der sich alles beugen muss. Dennoch ist das Buch nicht traurig und hoffnungslos. Melancholisch und ein bisschen sentimental vielleicht, doch auf jeden Fall lesenswert.

Erstmals erschienen im „Virtuellen literarischen Salon“.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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4 Antworten zu Die Violinen von Saint-Jacques

  1. Mila schreibt:

    Vielen Dank für den Hinweis. Ich habe den Artikel mit Faszination gelesen: Das Leben klingt ja selbst schon wie ein Roman. Herzliche Grüße, Mila

  2. Sofasophia schreibt:

    das könnte mir gefallen, fast sicher, sehr sicher sogar, denn ich mag französische geschichten in der regel sehr. einfach weil ich frankreich selbst mag. 😉

    ich habe dir heute übrigens einen kleinen blog-award verliehen … http://sofasophia.wordpress.com/2012/10/22/kind-sein/

    wenn du magst, kannst du ihn weiterreichen 🙂

    herzlich, soso

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