Zeitungsfrühstück reloaded, Folge 55

Willkommen zum Zeitungsfrühstück! Nach einer kleinen Überdenkpause (Urlaub) und einer unfreiwilligen Zeitungspause (anscheinend hat der Zusteller nicht begriffen, dass wir immer noch die Zeit im Abo haben) gibt es nun eine etwas abgewandelte Form des Klassikers. Der Schwerpunkt liegt weiterhin auf Literatur, Kunst, Kultur und Reisen. Aber nun nicht mehr allein auf der Zeit, sondern ich sammelsummiere meine Highlights aus verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften, die mir in letzter Zeit positiv aufgefallen sind. Es erwartet euch mit dem aktualisierten Konzept des Zeitungsfrühstücks also ein Mix aus traditionellen und neuen Elementen.

Foto: (c) Gerda Kazakou

Ich beginne traditionell mit Harald Martensteins Kolumne. Martenstein schreibt diesmal über wütende Leserbriefschreiber und unangemessene Kritiken – und mir (wieder einmal) aus dem Herzen. Die Art, in der sich manche Menschen über Personen und das, was sie tun (bei Martenstein vor allem Autoren und Personen des öffentlichen Lebens), auslassen und sie diskreditieren, bringt sie vor allem selbst in Misskredit. Als hätten sie einfach nicht verstanden, dass man über Geschmack schlecht streiten kann, oder als würden sie sich von einer Ansicht, die ihrer eigenen zuwiderläuft, geradezu persönlich angegriffen fühlen. Leider neigen sie bei ihrer Kritikform eben gerade selbst zu persönlichen Angriffen, was ihre Kritik nicht überzeugender macht.

Passend zu meinem Linkshänder-Beitrag von neulich findet sich im Zeitblog Heiter bis glücklich ein Buch-Tipp: Nur für Linkshänder von Sebastian Jutzi, offenbar eine Kulturgeschichte der Linkshändigkeit. Ein weiterer Buch-Tipp für Ästheten und Typographie-Fans ebenfalls im Blog ist Just My Type von Simon Garfield – sehr ansehnlich!

In der Interviewreihe „99 Fragen an“ hat Moritz von Uslar den britischen Künstler David Hockney ausgefragt, der mit seinen 75 Jahren erfreulich munter Auskunft gibt. Lieblingssatz: „Es ist sehr schwer, Vorhersagen zu treffen, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen.“

Im Beitrag „1913“ von Florian Illies sind verschiedene Fotos, Kunstwerke, auch Reklameplakate und Inserate des Jahres zu sehen – zumindest im Zeitmagazin, online anscheinend nicht. Sie zeigen die Vielfalt, die Lebensfreude ein Jahr vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Illies hat über dieses Jahr ein Buch geschrieben, das diese Woche herauskommt: 1913 – Der Sommer des Jahrhunderts. Ich denke, das Buch werde ich mir in meiner Lieblingsbuchhandlung genauer ansehen.

Noch nicht online sind die Atelierbesuche von Nina Pauer, beschrieben in ihrem Artikel „Kammern des Wahnsinns“, die vielleicht nicht alle der Vorstellung entsprechen, die sich romantischere Gemüter von Künstlerateliers machen. Das Atelier einer Medienkünstlerin sieht natürlich deutlich technischer aus. Ich mag Atelierbesuche sehr gern, besonders gefallen mir natürlich diese „idealtypischen“ Ateliers, die romantischere Gemüter ansprechen und zum langen Bleiben und ausführlichen Gesprächen einladen: in Hinterhäusern, Dachgeschossen oder auch freistehend, hell, geräumig, dennoch vollgestopft mit Werken, Farben, Arbeitstischen, auch Computern, mit Stühlen, die nicht zusammen passen, Teekannen und Bechern, aus denen man auch hervorragend Kaffee oder Rotwein trinken kann, außer dem Arbeitsmaterial viele Fundstücke und Sammelobjekte, die mal wertvoll sind, mal lediglich für ihre Besitzer einen ideellen Wert haben. Umgebungen, so spannend und unterschiedlich, wie die Menschen, die darin arbeiten.

Wenden wir uns nun anderen Fundstücken zu: Kürzlich brachte mir eine liebe Kollegin der Kulturspiegel vom Oktober mit, weil sie sich zu Recht dachte, dass mir das Thema „In 43 Büchern um die Erde“ gefallen könnte. Darin fand ich unter anderem einen Buch-Tipp zu Seltsame Karten. Ein Atlas kartographischer Kuriositäten von Frank Jacobs. Das Gute daran für euch: Das Buch ist aus dem Blog Strange Maps des Autors hervorgegangen, das ihr euch anschauen könnt.

Wie ihr vielleicht wisst, blättere ich mich beim Nachmittagskaffee gelegentlich durch „Frauenzeitschriften“. Nun habe ich eine neue entdeckt, die auf einem ziemlich cleveren Konzept beruht: Frauen mögen Mode und sie mögen Einrichtungstipps bzw. Fotos von Häusern und ihrem Innenleben. Flair verbindet die beiden Themen fashion und home gekonnt und inszeniert in gut gemachten Fotostrecken das eine wie das andere Thema. Interessant auch das Papier, obwohl das Heft opulent daher kommt, ist es kein Hochglanzheft à la Vogue, sondern präsentiert sich auf körnigem, mattem Papier. Das sieht aber nicht „öko“, sondern erstaunlich stylish aus. Zum entspannten Blättern durchaus geeignet.

So, meine Lieben, nutzt die wiedergewonnene Stunde & habt noch einen schönen Sonntag!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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30 Antworten zu Zeitungsfrühstück reloaded, Folge 55

  1. muetzenfalterin schreibt:

    schön, dass es wieder da ist das Zeitungsfrühstück. Und schön auch die neue Form.
    Off topic: dein kleiner Hinweis, die Werbung betreffend, gefällt mir sehr, dürfte ich den einfach übernehmen?

  2. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Danke, liebe Mützenfalterin! Und natürlich darfst du auch gern den Werbehinweis übernehmen.

  3. buzzaldrinsblog schreibt:

    Ich freue mich auch, dass das Zeitungsfrühstück wieder zurück ist. 🙂 Über Florian Illies neuen Roman habe ich gestern bereits in einem Bücherblog eine überzeugende Besprechung gelesen. Ich werde nächste Woche wohl auch mal in meine Lieblingsbuchhandlung schlendern und es mir anschauen …

  4. Der Emil schreibt:

    Da muß ich mir die Zeit in der Bibliothek ansehen. Sollte ich schaffen.

  5. Samtmut schreibt:

    Es gibt wieder ein Zeitungsfrühstück — juchuu! Ich freue mich, liebe Petra.

  6. Frau Blau schreibt:

    für mich ist das Zeitungsfrühstück neu und ich freue mich darüber-
    mein Lieblingssatz ist auch deiner: „Es ist sehr schwer, Vorhersagen zu treffen, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen.“

    hab einen guten Tag
    herzliche Grüße

  7. haushundhirschblog schreibt:

    Schön, dass es nun doch wieder weiter geht mit dem Zeitungsfrühstück, wenn auch mit einigen Neuerungen! Wir freuen uns darüber und sagen Danke!
    Ganz liebe Grüße, mb und dm

  8. Susanne Haun schreibt:

    Ein Zeitungsfrühstück ist etwas sehr gelungenes. Ich habe den Berliner Tagesspiegel aboniert – täglich. Das ist eine Herausforderung, der ich nicht immer gewachsen bin. Schafft es einer von euch noch, jeden Tag die Zeitung zu lesen?

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Eigentlich schon, liebe Susanne, wenn auch nicht komplett, sondern nur Artikel, die mich interessieren. Aber du hast Recht: Das kostet Zeit und davon haben wir ja nie genug. Leider

    • buzzaldrinsblog schreibt:

      Wir bekommen gar keine Tageszeitung, ich würde es aber auch nicht schaffen, sie täglich zu lesen. Da mein Vater mittlerweile jedoch in Rente ist und viel Zeit hat, sortiert er seine Zeitungen für mich vor und legt mir die Dinge raus, die mich interessieren könnten. Diese Stapel arbeite ich dann auch regelmäßig ab … tägliches Zeitungslesen würde ich aber eher nicht schaffen …

  9. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Gleich aus vier verschiedenen, liebe Mara? Das ist ja super! Hach, so nen Service könnte ich auch gebrauchen : ) Man kann sich das natürlich auch online irgendwie zusammenklicken, aber ich mag es – auch beim Zeitunglesen – immer noch lieber auf Papier.

  10. buzzaldrinsblog schreibt:

    Ja, mein Vater ist leidenschaftlicher Zeitungsleser und verbringt seine Vormittage Zeitungslesend im Sessel … Die Zeit, Die Süddeutsche, Frankfurter Allgemeine, taz und dann auch noch der Spiegel. Ich könnte mir das für mich nicht vorstellen, da ich lieber Bücher lese, als Zeitungen. Aber trotzdem genieße ich diesen Service, da ich dann immer die interessanten Artikel und Rezensionen aus dem Feuilleton lesen kann. Ich lese ab und an auch online Zeitungen, mag sie aber auch lieber auf Papier. 🙂

  11. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Stimmt, liebe Susanne, aber es ist dann wieder online, sprich: Nicht auf Papier und nicht unbedingt mobil verfügbar, wie eine Zeitung, sofern man es nicht auf dem Minipitimi-Smartphone lesen will. Letzteres finde ich bei längeren Artikeln doch etwas anstrengend für die Augen …

    • Susanne Haun schreibt:

      Ich habe das Samsung Galaxi 2 – kleine Artikel lese ich schon gerne darauf.
      Ich habe mir merkwürdigerweise angewöhnt, wenn mir Abends vor dem Schlafen eine Frage einfällt, zu meinem Phone zu greifen und danach zu suchen (googlen) – da brauche ich nicht mal Licht anmachen oder aufstehen.
      Wenn ich es hier so schreibe, klingt es abartig…..

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