Die Geschichte der Liebe

Die Geschichte der Liebe von Nicole Krauss ist eine sehr schöne und bemerkenswerte Geschichte, sprachlich überzeugend (am Ende fast experimentell) mit einer überraschenden Wende und einem wunderbar melancholischen Ende. Dabei geht es natürlich nicht um eine historische Spurensuche, während die Geschichte der Liebe im Allgemeinen erforscht wird. Es geht eher um die Geschichte einer Liebe. Einer ganz besonderen. Und eigentlich ist die Autorin gar nicht die Autorin der Geschichte der Liebe, sondern einer der Protagonisten, Leo Gursky, der als junger Mann in den 1930er Jahren in Polen das Buch schrieb und es seiner großen Liebe Alma widmete. Sie verlieren sich in den Kriegswirren, obwohl sie beide später in die Staaten emigrieren. Auch das Buch geht verloren und macht seine eigene Reise.

Mittlerweile ist Leo ein einsamer, alter Mann in New York, der verrückte Dinge tut, um „gesehen“ zu werden. Noch immer besitzt er die Gabe, sich Dinge so eindringlich vorzustellen, dass sie wahr zu sein scheinen. Auch für den Leser. Wirklichkeit und Illusion vermischen sich.

Die zweite Hauptfigur ist Alma, nicht Leos große Liebe von damals, sondern ein junges Mädchen, dessen Eltern sie nach der Hauptfigur eines spanischen Buchs genannt haben. Alma hat mit ganz anderen Dingen zu kämpfen, mit den kleinen Katastrophen, die das Leben in einer modernen Gesellschaft mit sich bringt, wenn man auf dem Weg ist, erwachsen zu werden. Ihr Vater ist tot, ihr Mutter wird eigen und ihr Bruder ist sowieso schon ziemlich eigen, u.a. hält er sich für den Messias. Ihrem Tagebuch vertraut Alma ihre Geschichte an – wieder eine Niederschrift der Geschichte einer Alma und wieder eine Geschichte des Überlebens. Im übertragenen Sinne macht sich Alma bereit, in der Wildnis zu überleben, denn sie hat von ihrem Vater dessen Liebe zur Natur geerbt und unterwirft sich allerlei Experimenten, um auf sich gestellt im Nirgendwo zurechtzukommen. Eine Erfahrung, die ihr Leo bereits voraus hat. Schließlich macht sich Alma auf die Suche dem Verfasser des Buchs und nach Alma.

Erstmals erschienen im „Virtuellen literarischen Salon“.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Lesenswertes abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu Die Geschichte der Liebe

  1. Susanne Haun schreibt:

    Eines der besten Bücher, die ich letztes Jahr las. Mir gefiel es auch, dass er trotz seines Altera Akt stand. Rührend.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ja, das Buch war wirklich sehr anrührend, liebe Susanne. Ich finde es immer erfreulich, wenn Rührung gelingt, ohne dass die Geschichte ins Kitschige abgleitet. Ich glaube, dass ist gar nicht so einfach.

  2. Sofasophia schreibt:

    da les ich zweidrei tage mal keine blogs und dann ist sooo viel nachzuholen. ich guck mich durch, gell, ohne gross zu kommentieren!

    herzlich, soso

  3. Tanja schreibt:

    Hallo liebe Petra,
    ich war mir mal unschlüssig darüber, ob ich diesen Roman kaufen soll, oder nicht. Jetzt frag ich mir: Warum hast du nicht zugegriffen? Danke für diese wunderbare Rezension!

    Viele liebe Grüße,
    Tanja

  4. Frau Blau schreibt:

    mich erinnert der Plot an „die Bibliothek der unerfüllten Wünsche“, kennst du das? Ja … viele haben sich verloren … und auch hier sitzt Einer in New York und erinnert sich …

    herzlich grüßt
    Frau Blau

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s