Middlesex

Jeffrey Eugenides‘ Roman Middlesex gehört für mich zu jenen Romanen, die beste Unterhaltung auf höchstem Niveau bieten: Eine wunderbar erzählte Handlung und Einblicke in ein Stück griechischer Geschichte, die hierzulande vor Erscheinen des Romans wahrscheinlich weitgehend unbekannt war. Den Pulitzer-Preis hat Eugenides wirklich verdient.

Es geht um die Geschichte des Hermaphroditen Cal, der als Calliope aufwächst und mitten in der Pubertät erfährt, was er selbst bereits geahnt hatte. Cal erzählt aus einer allwissenden Perspektive nicht nur seine Geschichte, sondern auch die seiner Eltern und Großeltern, ohne die er selbst wiederum nicht „denkbar“ wäre.

Alles beginnt mit der Vertreibung und Flucht seiner Vorfahren während der „kleinasiatischen Katastrophe“. Der Zoom auf wenige Protagonisten in diesem blutigen Drama weist exemplarisch auf das Schicksal Hundertausender im Jahre 1922. Dann führt eine atemberaubende Flucht Cals Vorfahren in die Vereinigten Staaten, mitten hinein in Prohibition und Wirtschaftskrise.

Cal erzählt von Tabubrüchen, ohne jedoch die Protagonisten zu verurteilen oder lächerlich zu machen. Die Familiengeschichte ist zugleich die Geschichte griechischer Immigranten und ihrer Möglichkeiten und Versuche, sich zu integrieren, ohne dabei die kulturelle Identität aufzugeben. Und natürlich immer auch die Geschichte Cals und Calliopes.

„Im Grunde geht es in der Geschichte um Transformationen“, sagt Eugenides: „Aus den Griechen werden Amerikaner, aus dem Mädchen wird ein Junge, aus dem Kind ein Erwachsener.“ Das und noch viel mehr erzählt er uns in seinem hervorragenden Roman, den ich euch sehr empfehle.

Erstmals erschienen im „Virtuellen literarischen Salon“.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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8 Antworten zu Middlesex

  1. Dina schreibt:

    Da kann ich nur zustimmen, Middlesex ist hervorragend, einer meiner Favoriten die letzten Jahre.
    Vielen Dank dafür! 🙂
    Liebe Grüße
    Dina

  2. eulenausathen schreibt:

    Ich bin auch ein großer Fan. Der Roman gehört mit Sicherheit in meine persönlichen Top 5. Mit dem langersehnte Nachfolger The Marriage Plot konnte ich dann leider nicht so viel anfangen.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Vielleicht ist Letzterer wirklich besser für einstige Anglistikstudentinnen geeignet – ich konnte mich jedenfalls sehr mit der weiblichen Hauptfigur identifizieren und habe die Campus-Atmosphäre genossen : )

  3. Georg Mühlenkamp schreibt:

    Grandios. Großartige Lektüre.

  4. Pingback: Buch #37: Jeffrey Eugenides – Middlesex | 1001 Bücher - das Experiment

  5. michael ehrhardt schreibt:

    Eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Absolute Leseempfehlung.

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