Blaubart

Kurt Vonneguts Roman um die Lebensgeschichte und die Geschichten des Armeniers Rabo, der so gern ein richtiger Künstler gewesen wäre, gefiel mir außergewöhnlich gut. Die Geschichten wirken überaus wahr und lebendig. Auf die Idee, die Geschichten aus seinem Leben niederzuschreiben, kommt der verwitwete Rabo, als sich die ebenfalls verwitwete Schriftstellerin Circe bei ihm einnistet. Überhaupt bietet sein geräumiges Haus viel Platz, u. a. für die weltbeste Sammlung expressionistischer Kunst sowie für die ignoranten Freunde der Tochter seiner Köchin, deren Unwissenheit und Desinteresse Rabo immer wieder aufs Neue erstaunen.

Rabo erzählt, wie er als Sohn eines Schuhmachers zu der Lehre bei dem berühmten Illustrator Dan Gregory kam, welcher ungewöhnlichen Tätigkeit er im Krieg nachging (Experte für Tarnung, gemeinsam mit weiteren Künstlern, da nur Künstler dieses Handwerk perfekt beherrschten, da ist übrigens was dran), wie er seine Kunstsammlung aufbaute, er erzählt von seinen Künstlerfreunden (u. a. Pollock), über die Frauen in seinem Leben, über seine Söhne, die ihn nicht mehr kennen wollen, und deutet ein Geheimnis an, das er in der riesigen Scheune auf seinem Grundstück versteckt hält. Dabei springt er geschickt in den Zeiten, Aphorismen wechseln sich ab mit einfallsreichen Episoden, Tiefgründiges mit leichtem Plaudertone. Insgesamt ein ausgezeichnetes, ideenreiches Buch.

Lustig fand ich beispielsweise, dass sich alle Werke, die er schuf, als er noch glaubte, ein berühmter Maler werden zu können, im Laufe der Zeit auflösten, weil die verwendete Farbe eben diese Eigenschaft besitzt. Was ein Drama für den Künstler sein könnte, wird zur Anekdote seines Lebens.

Übrigens kam Rabo an die meisten Werke seiner weltbesten expressionistischen Sammlung, indem er seinen notorisch finanzschwachen Künstlerfreunden Geld lieh oder sie mit Essen und was man sonst so benötigt versorgte. Die Künstler bezahlten ihn dafür mit ihren Bildern. Eine sehr charmante Idee, wie ich finde. Also, liebe Künstlerinnen und Künstler, die ihr mitlest, das können wir gern einführen – ich koche euch auch was Schönes ; )

Erstmals erschienen im „Virtuellen literarischen Salon“.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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6 Antworten zu Blaubart

  1. Georg Mühlenkamp schreibt:

    Liest sich interessant

  2. buzzaldrinsblog schreibt:

    Danke für die interessante Vorstellung, liebe Petra. Ich habe von Kurt Vonnegut bisher „Schlachthof Nr. 5“ und „Mann ohne Land“ gelesen. Beide haben mir sehr gut gefallen, so dass dieses hier gleich auf meinen Wunschzettel wandert.

  3. Frau Blau schreibt:

    das wird aber schwierig mit deinem guten Essen, bis es hierher auf den Berg gelangt ist, Bilder sind da unempfindlicher 😉
    danke für diese feine Rezension!
    herzlich grüßt dich
    Frau Blau

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