Der letzte Weynfeldt

Von Martin Suter las ich nun schon allerley, am besten gefiel mir Small World, bekannter ist vielleicht Lila, Lila, da es verfilmt wurde. Gut geschrieben und flott zu lesen sind alle seine mir bekannten Bücher. Also wartete ich tapfer auf die Taschenbuchausgabe des letzten Weynfeldts, der mich thematisch sehr interessierte: Mann in den besten Jahren und aus besten Verhältnissen, kultiviert, international anerkannter Kunstexperte mit 500 Quadratmetern Wohnraum voller Designmöbel und Kunstgegenstände, grundsolide und hochanständig lernt Femme fatale kennen und wird in einen Kunstschwindel verwickelt.

So. Bereits die Zusammenfassung deutet natürlich auf gewisse Klischees hin, die Herr Suter fleißig, aber amüsant zu bedienen weiß. Ein Beispiel für Suters Witz und Ironie ist die Stelle mit den maßgeschneiderten Pyjamas, die Weynfeldt täglich wechselt, um ein bisschen Luxus und Regelmäßigkeit in sein Leben zu bringen. Dabei führt er ja ein sehr luxuriöses Leben und dies dermaßen regelmäßig, dass es an Langeweile grenzt. Übrigens setzt Weynfeldt diese Regelmäßigkeit bewusst als lebensverlängernde Maßnahme ein, da er der Ansicht ist, sie verlangsame den Lauf der Zeit: „Jemand, den man jeden Monat sieht statt nur jedes Jahr, bleibt immer gleich alt.“ Da ist was dran, wenngleich mir seine Methode als Muster für mein eigenes Leben weniger erstrebenswert scheint.

Weynfeldt jedenfalls lernt dann eine geheimnisvolle Frau kennen, die sich gut durchs Leben zu schlängeln weiß, gern auch mithilfe kleiner Betrügereien oder reicher Gönner. Der stockehrliche Weynfeldt verliert bei der Schönen ein bisschen seinen Kopf, was man ihm durchaus gönnt, damit etwas Würze in sein allzu gleichförmiges Leben kommt. Allerdings fürchtet man, dass er sich dabei vielleicht völlig vergisst und in unlautere Machenschaften verwickeln lässt. Am Ende jedoch sorgt Weynfeldt, der alte Fuchs, dann doch noch für eine Überraschung. Das hat der Herr Suter wirklich feyn eingefädeldt.

Erstmals erschienen im „Virtuellen literarischen Salon“.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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8 Antworten zu Der letzte Weynfeldt

  1. flattersatz schreibt:

    sodele, jetzt habe ich erst mal nachgeschaut, was ich damals geschreibt hatte… „..Es ist schon ein Kunststück, wie Suter es versteht, die im Grunde langweilige Existenz Weynfeldts, der ja erklärtermassen aller Abwechselung aus dem Wege geht, mitsamt seinem Design-Mobiliar so darzustellen, daß man weiterliest, obwohl kaum was passiert…..“

    suter versteht es wirklich, eloquent und unterhaltsam zu schreiben und damit den leser an die geschichte zu fesseln. auch wenn ich den koch dann nicht so gut fand uns das letzte werk dann garnicht gelesen habe, sind diese älteren titel intelligente unterhaltung at its best.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      : ) Den Koch lus ich auch nicht, liebwerter Flattersatz. Ich versuchte es dann noch mit seinem neuen cozy-Crime-Dings, Allmen und die Libellen (weil gemütlich, unaufgeregt und Jugendstil), das war nett, aber nicht zu vergleichen mit Weynfeldt oder Small World. Dennoch könnte ich mir vorstellen, als TB auch den nächsten Teil zu lesen, Popcorn-Literatur ist ja manchmal auch was Nettes.

  2. flattersatz schreibt:

    vielleicht sollte man sich ganz allgemein mehr den starken verben widmen… 😉

  3. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Wir sind offenbar verwandte Geister, lieber Flattersatz : ) Für mehr Stärke bei Verben!

  4. Susanne Haun schreibt:

    Ich bin ein großer Suter Freund. Die beiden Allmen Bücher gehen in Richtung vom letzten Weynfield. Die habe ich beide verschlungen, sehr kurzweilig.
    Gerne mag ich auch „Ein perfekter Freund“ und „Der Koch“.

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