Der Nazi & der Friseur

Bei Jüdische Lebenswelten findet sich heute eine sehr gute Besprechung von flattersatz zu Edgar Hilsenraths Roman Der Nazi & der Friseur. Ein unglaubliches Buch und furchtbar gut. Daher aus den Tiefen des virtuellen literarischen Salons auch meine Gedanken zu diesem Roman, den ich vor einigen Jahren mit einer Mischung aus Grauen und Begeisterung las.

Dieses Buch ist furchtbar gut. Furchtbar, weil es aus der Perspektive des Massenmörders Max Schulz – mit diesem Zusatz nennt sich der Ich-Erzähler meist – die Bestialität der Shoa beschreibt. Gut, weil dieses Buch durch den Stakkato-Ton des Erzählers die Geschichte treibt und treibt, so dass man das Buch kaum weglegen kann, um beispielsweise mal zu schlafen oder etwas zu essen.

Max Schulz ist das uneheliche, aber arische Kind der leichtlebigen Minna Schulz. Sie verliebt sich in den heruntergekommenen Friseur Anton Slavitzki und von da an geht es mit Max bergab. Sein Stiefvater vergewaltigt ihn bereits als Baby, was er selbst für den Grund seines „Dachschadens“ hält, über den er freimütig spricht. Gegenüber von Slavitzkis Friseurladen ist der Salon des Chaim Finkelstein. Finkelsteins Salon geht deutlich besser, was Slavitzki natürlich erbost. Bei ihm fallen die Nazimärchen über die Juden auf fruchtbarsten Boden.

Max dagegen freundet sich mit Chaims Sohn Itzig an und macht sogar im Salon von Chaim seine Friseurlehre. Aber dann gewinnt Hitler an Macht, auch über ihn. In einer phänomenalen Szene beschreibt Max eine Rede Hitlers, eine Art pervertierte Bergpredigt. Sein Weg als Massenmörder beginnt. Er bringt unzählige Juden um, darunter auch die Finkelsteins. Nach dem Krieg jedoch nimmt er die Identität seines ermordeten Freundes an und lebt als Itzig Finkestein das Leben eines engagierten Juden.

Absolut empfehlenswert, eben: furchtbar gut.

Erstmals erschienen im „Virtuellen literarischen Salon“.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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3 Antworten zu Der Nazi & der Friseur

  1. haushundhirschblog schreibt:

    Eine vermutlich hochinteressante und zwiespältige Sicht …

  2. Pingback: Edgar Hilsenrath | Le Nazi et Le Barbier [Club de Lecture #8] | Chapitre Onze

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