Verlockung

Ein großartiger Roman von János Székely! Es geht um die Geschichte des Bauernjungen Béla. Seine Mutter Anna erlag mit 16 eine Nacht lang dem Charme des schönen und zwielichtigen Miska. Das Ergebnis ist Béla, den Anna im Dorf bei Tante Rozika abgibt, einer ehemaligen Prostituierten, die davon lebt, uneheliche Kinder auf- und ihre Mütter auszunehmen. Anna verlässt das Dorf, um in Budapest zu arbeiten.

Bélas Kindheit ist geprägt von der dörflichen Armut und den Grausamkeiten Tante Rozikas, die ihn wie einen Knecht schuften lässt, weil Anna nicht regelmäßig für Béla zahlen kann. Selbst das Recht zur Schule zu gehen, will Tante Rozika dem aufgeweckten und wissbegierigen Kind verweigern. Als Béla älter ist, nimmt Anna ihn mit nach Budapest. Sie wohnen in einem heruntergekommenen Mietshaus und Béla findet Arbeit als Boy in einem vornehmen Hotel. Durch Fleiß und Ausdauer erarbeitet er sich eine bessere Position und kann seine Mutter unterstützen. Ein Kollege macht ihn mit den kommunistischen Idealen bekannt und hält immer wieder den Kopf für ihn hin. Béla verliebt sich in eine schwerreiche Frau, Dauergast des Hotels, die ihn nur ausnutzt. Nicht einmal seinen Namen merkt sie sich, sie nennt ihn Andras, wie den Boy vor Béla, mit dem sie das gleiche Spiel getrieben hat. Béla vergisst darüber fast, dass er ein Dichter ist und Ideale hat. Über allem schwebt für ihn immer die Hoffnung, eines Tages nach Amerika zu gehen und das Elend hinter sich zu lassen.

Die Geschichte Bélas trägt viele autobiographische Züge des Autors. Sehr eindrucksvoll beschreibt Székely ein Stück ungarischer Geschichte zwischen den Weltkriegen und vor allem das Leben der armen Bevölkerung. Unglaubliches Elend wird unglaublichem Reichtum gegenübergestellt, die Freiheit der Gedanken ist stets bedroht von Regierungsspitzeln und der Staatswillkür. Eine Welt, in der ein Junge wie Béla vielen Herausforderungen trotzen muss, damit im täglichen Überlebenskampf seine Menschenwürde nicht auf der Strecke bleibt.

Erstmals erschienen im „Virtuellen literarischen Salon“.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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4 Antworten zu Verlockung

  1. Klausbernd schreibt:

    Wow, warst du fleißig, liebe Petra, da komme ich ja mit dem Lesen fast nicht mehr mit. Herzlichen Dank für die vielen Anregungen, von denen ich kein Buch kannte. Das wird sich nun ändern.
    Ganz liebe Grüße aus Berlin, wo ich gestern nach meinem Vortrag noch gemütlich mit Georg beim Italiener zusammensaß
    Klausbernd, der nächste Woche das Gartenhaus verlässt und Dina in Dublin trifft: Ferien 🙂

  2. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Hallo, lieber Klausbernd – die Masse täuscht etwas, das sind alles ältere Tipps aus dem Salon, die ich nur ins Blog „gehievt“ habe, um auf sie aufmerksam zu machen. Und weil ich sonst im Moment eh nicht viel „machen“ kann. Ganz liebe Grüße & schöne Ferien : )

  3. glasperlenspiel13 schreibt:

    Oh jetzt bin ich aber erleichtert. Ich dachte schon, woher nimmt Petra wohl die ganze Zeit?? Aber du hast mein Interesse mit diesem Buch geweckt. Habe ich doch eine kleine Schwäche für ungarische Autoren. Der Roman ist jedenfalls notiert. Hast du noch mehr von János Székely gelesen?

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      : ) Ja, so viel Zeit habe ich normalerweise leider nicht : ) Von Székely habe ich weiter nichts gelesen, aber Der arme Swoboda soll noch sehr gut sein. Und dann las ich noch einiges von Antal Szerb – viellleicht kennst du ihn ja auch? Eigentlich könnte ich gleich mal ein paar Buch-Tipps zu ihm aus dem Salon auf’s Blog schaufeln … Liebe Grüße!

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