Von Rezensionen, Kritiken und Buch-Tipps

Wer liest, bildet sich eine Meinung über das Gelesene. Manche machen daraus einen Beruf, streben eine universitäre Laufbahn an oder werden Kritiker, schreiben für Feuilletons und schaffen es sogar ins Fernsehen. Und wieder andere schreiben selbst oder erteilen Autoren Ratschläge, wie sie schreiben sollten, einen verdammt guten Roman zum Beispiel oder überhaupt irgendeinen Roman.

Prinzipiell ist nichts dagegen einzuwenden. Es kann nützlich sein, wenn Experten Ratschläge geben oder die weite Welt der Literatur vermessen, Orientierung bieten in der unübersehbaren Zahl der erschienenen und neu erscheinenden Bücher, wenn sie Werke interpretieren, erforschen, einordnen oder zu Wegbereitern für neue Ideen, Stoffe, Stile etc. werden. Aber nicht alles kann ihren Beifall finden. Nicht jeder Text entspricht stilistischen, inhaltlichen oder sonstigen Qualitätskriterien – oder einfach ihrem persönlichen Geschmack. Infolgedessen raten sie nicht nur zu, sondern eben auch mal ab. Und dies zuweilen mit verblüffender Vehemenz.

„De gustibus et coloribus non est disputandum“ – obwohl man über Geschmacks- und Farbempfinden in der Tat schwer streiten kann, beweisen uns die Kritiker in Feuilletons, Literaturblogs oder bei Buchkaufportalen stets aufs Neue, dass sich trefflich darüber disputieren lässt. Um was geht es da eigentlich?

Wann immer wir etwas wahrnehmen, wird diese Wahrnehmung in uns ein Gefühl erzeugen. Das kann von sehr angenehmen bis höchst unangenehmen Empfindungen reichen. Entsprechend tauschen wir uns über dieses und jenes aus, über Bilder, Musik und Bücher, Mode, das Essen, den Wein und die Atmosphäre in Restaurants – alles, was unsere Sinne anspricht. Wir haben eine Meinung dazu, weil uns etwas besonders gefallen hat (oder auch nicht). Wenn wir außerdem über ein Expertenwissen verfügen, weil wir uns auf einem oder mehreren der Gebiete gut auskennen, kann der Austausch durchaus fruchtbar sein und im Idealfall unseren Horizont und den unserer Gesprächspartner erweitern. Denn wir können dann besser argumentieren, warum uns eine Musikrichtung, ein Kunstwerk oder ein Roman ge- oder missfallen hat, Vergleiche anstellen, eine Einordnung in den historischen oder zeitgenössischen Kontext vornehmen und derlei mehr.

Große Erwartungen

Warum uns etwas anspricht oder nicht, beruht auf unseren Erfahrungen und Erlebnissen. Was uns geprägt hat, die Zeit, in der wir leben, das Land und seine Gesellschaft, unsere Eltern, Freunde, unsere Ausbildung, Gewohnheiten – dies alles und noch viel mehr hat Einfluss darauf, wie wir Dinge, alles, was uns umgibt, wahrnehmen und bewerten.

Wir haben gewisse Erwartungen an Literatur. Erwartungen, die sich im Laufe der Jahrhunderte gewandelt haben. Sollte Literatur einst moralisch-belehrend und erbaulich sein, Grenzen zeigen und zu deren Einhaltung mahnen, wurden später die Grenzen weiter und der didaktische Anspruch verlor an Bedeutung. Das Personal veränderte sich – außer Adeligen durften nun Figuren aus anderen Schichten die Hauptrolle spielen (man denke an die Entstehung des bürgerlichen Trauerspiel) – und schließlich lässt sich heute – bei Theaterstücken wie bei Romanen – eine Tendenz zur Grenzüberschreitung beobachten. Tabubrüche sollen für gesteigerte Aufmerksamkeit beim Publikum sorgen, und wer diese Tabubrüche beklagt, gehört schon fast zum „alten Eisen“.

Entsprechend dieses Wandels der Literatur als Erzieherin, hat sich auch die Kritik geöffnet für die neuen Entwicklungen. Kritiker sprechen unverhüllt über einstige Tabus, es geht weniger um den Bruch, der zu früheren Zeiten undenkbar gewesen wäre, um ein breites Publikum anzuziehen, als um die Umsetzung, um Form, Stil etc.

Nota bene: Ein Tabubruch allein macht noch keine hohe Literatur, er muss sie aber auch nicht verhindern.

Meinungsbildner im Feuilleton

Es gibt ganze Berufsgruppen, die versuchen, das Empfinden der Leserschaft zu schulen, ihr Verständnis für Sprache und Stil, für Zusammenhänge zwischen Handlung und soziopolitischen Ereignissen etc. Das kann erhellend sein und uns die Möglichkeit geben, einen Text aufgrund einer gründlichen Interpretation besser zu begreifen. Doch sobald jemand unser Lieblingsbuch verreißt, reagieren wir verschnupft. Denn hier geht es nicht allein um Fragen des Stils, sondern um unseren Geschmack. Und das nehmen wir persönlich.

Sehen wir uns ein Beispiel auf „professioneller Ebene“ an, geschrieben von Menschen, die sich beruflich und auf hohem Niveau mit Literatur befassen. Besonders interessant finde ich, wenn Kritiker A der Zeitung X sich mit den Kritikern B und C von den Zeitungen Y und Z regelreche Gefechte um die Qualität eines Buchs liefert. Aber manchmal sind sie sich auch einig in Lob oder Tadel. Gerade bei besonders negativen Kritiken mögen sich Leser und der betreffende Autor bisweilen darüber wundern, vor allem, wenn es sich um einen Autor handelt, der gar nicht lange zuvor noch bejubelt wurde. Und zwar von jenen Feuilletons, die ihn nun auf einmal verreißen.

So geschah es 2010/2011 beim „Fall Martin Suter“. Ich las zunächst den amüsant geschriebenen, aber fast schmerzhaften Verriss Ulrich Greiners in der Zeit vom 5. Januar 2011 zu den Romanen Martin Suters. Anlass war Suters neuer Roman Allmen und die Libellen, der den Anfang einer neuen Krimiserie begründen sollte. „Platinblond, navyblau“ titelt die Zeit, der Untertitel klärte die Marschrichtung: „Martin Suters erstaunlich gelobte Romane sind erstaunlich schlecht geschrieben“. Akribisch nimmt Greiner weniger gelungenen Stellen aufs Korn, um die mangelnde schriftstellerische Qualität des Autors unter Beweis zu stellen.

Das kann man natürlich machen. Andererseits ist Martin Suter in erster Linie ein Unterhaltungsautor, der etliche überaus erfolgreiche Romane geschrieben hat. Hohe stilistische Qualität ist bei unterhaltender Literatur nicht die Grundvoraussetzung für Erfolg. Offensichtlich macht Suter vieles richtig, sonst würden sich seine Bücher nicht so gut verkaufen (und es sogar in die Feuilletons schaffen). Wenn Greiner also der Ansicht ist, „Suter kann nicht schreiben“, so ist das zunächst eine Behauptung, eine Frage seines persönlichen Geschmacks. Natürlich kann Suter schreiben und offenbar sehen das viele Leser genauso. Aber er schreibt eben nicht so, wie Greiner die Texte gern lesen würde (Hochsprache statt Umgangssprache, floskelfrei etc.).

Selbstverständlich freue ich mich als Leserin über neuartige Metaphern, über Wendungen, die noch nicht zu Floskeln verkommen sind, über so vorher noch nirgendwo gelesene Beschreibungen. Und in der Tat sind die Textbeispiele, die Greiner anführt, keine Sternstunden grandiosen Stils. Aber muss man bei Unterhaltungsliteratur denn so streng vorgehen wie bei Autoren, die unter Genieverdacht stehen? Bei Unterhaltungsromanen hoffe ich in erster Linie – nun ja – auf gute Unterhaltung. Eine spannende oder interessante Story macht sicher kein Genie, aber sie bringt ein paar angenehme Lesestunden.

Sehen wir weiter, wie die anderen Rezensenten Suters Krimi bewerteten. Etwas indifferent war die Rezension in der Süddeutschen von L. Müller. Die Handlung wurde nacherzählt, es gab kaum Aussagen zum Stil. Wobei kein Urteil natürlich auch ein (negatives) Urteil bedeuten kann:

„Hier, bei ihrem ersten Fall, ‚Allmen und die Libellen‘, sind sie noch Novizen, Anfänger, und der Autor wacht mit rührender Umsicht erstens darüber, dass der Fall nicht allzu knifflig ist, und zweitens darüber, dass ihnen bei der Auflösung nicht allzu viel geschieht.“ (Quelle: http://www.sueddeutsche.de/kultur/martin-suter-allmen-und-die-libellen-herr-mit-handschuh-1.1042475)

Aus solchen Sätzen lässt sich schließen, dass sich Müllers Begeisterung in Grenzen hielt. Der gnadenlose Verriss allerdings ist dies noch nicht.

In der FAZ resümierte Hannes Hintermeier zurückhaltend in seinem Beitrag „Martin Suters neueste Erfolgsrakete. Ein Flaneur als Ermittler“:

„Am Ende hat sich nichts Großartiges ergeben, man hat sich abgelenkt, nicht unangenehm, aber keineswegs so, dass man sich nach der Fortsetzung verzehrte.“ (Quelle: http://www.faz.net/s/RubD3A1C56FC2F14794AA21336F72054101/Doc~EB1BA1F12FE194E3791D07BA5A383B5DE~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

Das klingt zwar nicht nach rasender Begeisterung, aber immer noch nicht nach dem totalen Verriss.

Entschieden negativ dagegen äußert sich Georg Dietz im Spiegel in seiner Autoren- und Verlagsschelte „Mit dem Suterismus geht Europa unter“. Etwas übertrieben, wegen eines Krimis oder ein paar Unterhaltungsromanen wird das Abendland wohl auch in Zukunft nicht untergehen.

In seiner Rezension „Die Kunst des Hoch- und Tiefstapelns“ in der NZZ geht Roman Bucheli gnädiger mit dem Autor um:

„Martin Suter ist kein Stilist, und seine Bücher sprühen nicht vor sprachlichen Subtilitäten. Bei der Wahl der Adjektive ist er so unzimperlich wie einfallslos, Wiederholungen kümmern ihn wenig, und lieber sind ihm Dialoge als atmosphärische Wolkenschieberei. Aber er hat ein untrügliches Gespür für Komposition und Spannungsaufbau; […] So beschert einem diese Lektüre zwei, drei Stunden gruslige Gemütlichkeit in Gesellschaft eines etwas heruntergekommenen Dandys und seines liebenswürdigen Butlers, die beide die Kunst des Hoch- und Tiefstapelns mit Stil und eleganter Vollendung beherrschen.“ (Quelle: http://www.nzz.ch/magazin/buchrezensionen/die_kunst_des_hoch-_und_tiefstapelns_1.8945271.html)

Mich machten diese Rezensionen so neugierig, dass ich das Buch daraufhin las. Ich kannte bereits etliches von Suter und hatte mich meist gut unterhalten gefühlt. In meinem Urteil zu Allmen und die Libellen schließe ich mich vollumfänglich dem gnädigen Roman Bucheli an.

Was aber hat die Leserschaft von alledem? Sie kann die vergnüglichen bis vergrätzten Rezensionen für sich genommen ganz launig finden. Suter-Fans werden sich geärgert haben. Wer Suter bislang nicht kannte, wird nun vielleicht erst recht neugierig auf den Autor geworden sein – oder ihn weiterhin ignorieren. Dass ein Erfolg des Autors von Rezensenten verhindert wird, ist unwahrscheinlich. Denn selbst negative Rezensionen sind Werbung und generieren Aufmerksamkeit. Damit besonders viel Aufmerksamkeit generiert wird, befleißigen sich manche eben auch der Übertreibung, um etwas überspitzt darzustellen und zu polarisieren oder über den grünen Klee zu loben. Das Gros der literarischen Produktion liegt allerdings eher im Mittelfeld, und zwar unabhängig von den Superlativen der Kritiker.

Wie sehr man der Kritik eines Rezensenten vertraut, hängt davon ab, ob man mit früheren Kritiken übereinstimmte und daraus schließt, dass der eigene Geschmack dem des Rezensenten ähnelt. Der Rezensent muss sich eine Glaubwürdigkeit erschrieben haben, indem er nicht einfach normative Sätze oder Feststellungen produziert in der Art von „er verwendet Umgangssprache“ oder „dieses Buch ist schlecht“, sondern sich um überprüfbare Argumente bemüht. Dabei sollte er Feststellungen nicht mit Bewertungen verwechseln. Wenn einer Umgangssprache verwendet, heißt das erst mal gar nichts. Ob man das gut oder schlecht findet und warum, oder ob es zu einer bestimmten Textsorte womöglich hervorragend passt, ist eine ganz andere Frage. Zudem ist ein normativer Satz kein objektives Urteil, egal wie viele ihm beipflichten.

Nota bene: Rezensionen sind wichtige Wegmarken in der Welt der Literatur. Niemand wird je alles lesen können, insofern bedeuten Kritiken, ähnlich wie Bestsellerlisten, einen Zeitgewinn, da sie eine Vorauswahl treffen und das Augenmerk auf bestimmte Neuerscheinungen lenken. Hilfreich sind Hinweise auf Form, Inhalt, die Einbettung in den geschichtlichen Kontext, die Übersicht, die der Rezensent über eine Epoche, ein Genre oder weitere Werke des Autors oder vergleichbare Werke anderer Autoren besitzt. Ob wir seinem Urteil zustimmen oder nicht, bleibt Geschmackssache.

Leser als Kritiker: Online-Buchhandlungen

In den letzten Jahren gewinnt eine Art der Kritik an Gewicht, die beispielsweise bei Online-Buchhandlungen wie Amazon zu finden ist. Die Buchverkäufer nutzen die Bewertungen ihrer Käufer als „Testimonials“ im positiven wie im negativen Sinn. Die Käufer, die für die Länge ihres Texts selbst zu Kritikern oder zumindest Kommentatoren werden, nutzen im Gegensatz zu professionellen Rezensenten häufig Pseudonyme. Ihre Art der Kommentierung, ihre Empfehlungen oder Verrisse – denn Rezensionen im professionellen literaturkritischen Sinne sind es selten – zeichnen sich nicht nur durch ihre Kürze im Vergleich zu Rezensionen im Feuilleton aus. Die Kommentare lassen überdies oft vieles vermissen, was eine professionelle Rezension ausmacht: eine reflektierte Beobachtung der Bedeutung und Wirkung, eine Obduktion stilistischer Schwächen oder Highlights, das Sichtbarmachen der verschiedenen Mechanismen (warum wirkt die Story wie, auf welche Weise hat der Autor das umgesetzt), die Einbettung in Zeit und Gesellschaft, das Herstellen von Bezügen, die Begründung der Wertung, eventuell die Erkenntnis, was der Autor über sein Buch hinaus über die Zeit, Gesellschaft etc. aussagt und derlei mehr.

Andererseits wirken die Käuferkommentare gerade dadurch so authentisch und ungefiltert. Vielleicht liegt sogar in ihrer Kürze die Würze. Ein potenzieller Käufer kann sich beim Überfliegen der Kommentare einen Überblick über die Stimmung verschaffen. Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung mögen gelegentlich locker gehandhabt werden, doch Begeisterung oder Enttäuschung werden klar kommuniziert. Argumentiert wird weniger ausführlich und daher nicht immer nachvollziehbar. Bei manchen Kommentaren gehen die Amateurkritiker auf andere Kommentare ein, das kann von affirmativen Äußerungen bis hin zu beleidigenden Seitenhieben reichen. Der Schutz der Anonymität scheint manche dazu zu verleiten, ihre gute Erziehung über Bord zu werfen. So entsteht ein virtueller Austausch über Literatur, der einst in den berühmten Salons seinen Anfang genommen haben mag.

Vor allem sind diese Kommentare, ähnlich ihren professionellen Verwandten, eine Orientierungshilfe. Urteile wie „kurzweilig, aber oberflächlich“, „amüsant und witzig“ lassen auf einen netten Zeitvertreib hoffen. Wenn man genau das sucht, genügt dieses Urteil. Die Art der Kommentare, ihre typischen Formulierungen, finden sich bei Unterhaltungsliteratur genauso wie bei Klassikern: „gut für kalte Wintertage“, meint ein Leser zu Hemingways Paris – ein Fest fürs Leben, Urteile zu Manns Zauberberg oszillieren zwischen „ich habe dieses Buch verschlungen“ und „laaaangatmig“, „der Ulysses ist Nonsens von der ersten bis zur letzten Seite“ befand ein Leser und Prousts Suche nach der verlorenen Zeit brachte unter vielen anderen den Kommentar „manches zog sich, andres las sich flott weg. Ermüdend oder langweilig war es nie“.

Zwar sind die Käuferkommentare selten mit professionellen Rezensionen zu vergleichen, doch beide versuchen mit ihren Empfehlungen oder Verrissen letztlich auf das Kaufverhalten einzuwirken, indem sie vor einem Buch warnen oder es loben. Sie können einem Text schaden, indem sie ihn schlechtmachen und damit auch das Image des Autors beschädigen – eventuell sogar das der Leser, die den Text positiv aufgenommen hat.

Leser als Kritiker: Literaturblogs

Zu den Lesern als Kritikern zählen auch die Literaturbloggerinnen und -blogger. Ihre Motivation kann die unterschiedlichsten Gründe haben: Manche haben einen literaturwissenschaftlichen Hintergrund, andere lesen einfach nur sehr gern (und viel), teils sind sie auf dem Quivive, was Neuerscheinungen und Rezensionen angeht, teils distanzieren sie sich explizit davon, manche spezialisieren sich auf ein bestimmtes Genre (Krimi oder Fantasy zum Beispiel) und wieder andere lesen sich kreuz und quer durch Aktuelles und Klassisches. Sie alle eint die Liebe zur Literatur. Vielleicht ist auch deshalb der Ton unter den Bloggerinnen und Bloggern freundschaftlicher als bei manchen Amazon-Käuferkritiken. Man kommentiert die Kritiken, hat dabei zuweilen auch eine andere Meinung, doch die wird meist höflich und kultiviert geäußert. Umso auffälliger sind Kommentare, die die Regeln der Höflichkeit missachten.

Ein Beispiel für eine übertriebene Reaktion auf eine Buchkritik in einem Blog hat gewisse Zeit die Literaturblogszene stark beschäftigt: In ihrem Blog Bücherzeit hat sich die Rezensentin negativ über einen Roman geäußert, was den Autor und später auch eine Verlagsmitarbeiterin zu Reaktionen veranlasste, die am Ende vermutlich vor allem dem Autor und dem Verlag geschadet haben. Die hohe Anzahl an positiven Kommentaren für die Rezensentin und die vielen Beiträge anderer Blogs über diesen denkwürdigen Vorgang können als Hinweis auf die zunehmende Relevanz von Literaturblogs für die Meinungsbildung gedeutet werden.

Ein Artikel, der erst in der Online-Ausgabe des Tagesspiegels und später auch von der Online-Ausgabe der Zeit übernommen wurde, hat zu Recht die Szene der Literaturblogger erneut empört. Dort nämlich wird behauptet, dass es in Deutschland in erster Linie Blogs von Fans gewisser Genreliteratur geben würde (beispielsweise Fantasy, Chick-Lit), sich aber kaum jemand – so wird impliziert – gehobener, speziell deutscher Gegenwartsliteratur widmen würde. Ich stieß auf diese steile These über einen Beitrag bei about something, der eine rege Diskussion in Gang setzte. Inzwischen hat der Autor des Artikels zumindest beim Tagesspiegel seine Aussagen etwas relativiert und sich erfreulicherweise auch in den Kommentaren des Blogs selbst dazu geäußert.

Schade ist es natürlich, dass er und die beiden Blogger, über die er schreibt, überhaupt zu einer solchen Einschätzung kommen konnten. In den gut zwei Jahren, die ich mich nun in der Bloggerszene heimisch fühle, durfte ich schon eine Menge ganz ausgezeichneter Literaturblogs entdecken, etliche davon sind in meiner Blogroll zu finden. Sicher trifft auf sie nicht die Einschränkung zu, nur über deutsche Gegenwartsliteratur zu bloggen – das wäre mir persönlich auch zu einseitig.

Die lobenswerte Initiative Gesine von Prittwitz‘ der Interview-Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“ hat bereits etliche Blogperlen präsentiert. Sicher wäre es sinnvoll, wenn sich die Szene der Literaturbloggerinnen und -blogger noch intensiver vernetzen und sichtbar machen würde, damit solche Schnitzer wie in jenem Artikel nicht mehr passieren.

Nota bene: Nicht-professionelle Kritiker sind in ihrer Authentizität und in ihrer absichtlich eingesetzten Subjektivität oft ebenso wertvolle Literaturberater wie die Profis, deren Urteil natürlich auch subjektiv ist, obwohl es meist durch qualitative Kriterien gestützt wird. Eine Würdigung der Leistung jener privaten Kritikerinnen und Kritiker auch durch professionelle Kritiker oder Zeitungen und die Buchbranche wäre – zumindest als Zeichen von Respekt – geboten. Schließlich „verführen“ auch wir potenzielle Leserinnen und Leser zum Kauf.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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32 Antworten zu Von Rezensionen, Kritiken und Buch-Tipps

  1. eulenausathen schreibt:

    Alles was ihr schon immer über Literaturkritik wissen wollten, aber euch noch nie getraut habt zu fragen. Tolle zusammenfassung.

  2. durchleser schreibt:

    Und als weiterführende Lektüre könnte man noch ein besonders wichtiges Lesebuch dazu empfehlen, das vom Schreiben über Literatur handelt : „Kritik für Leser“ von Volker Hage: http://www.suhrkamp.de/buecher/kritik_fuer_leser-volker_hage_46107.html

  3. muetzenfalterin schreibt:

    Ein hervorragender Artikel über die Welt der Rezensionen, Petra! Ein Aspekt, den ich immer wieder merkwürdig finde, ist die fast einstimmige Lobhudellei über Bücher, denen ich persönlich gar nichts abgewinnen kann. Ein Bekannter nannte diese Art von Büchern einmal Feuilletonliteratur, da passiert nichts sprachlich innovatives, da gibt es auch keine Welthaltigkeit und nicht einmal der Unterhaltungswert ist auch nur annähernd hoch.
    Was ich gerne noch ergänzend hinzufügen möchte, ist, dass es dankenswerterweise Literaturportale der anderen Art gibt, quasi als Ergänzung und Gegensatz zu den Feuilletons der Tagespresse. Hier werden Bücher von Kleinverlagen besprochen, die sonst leicht untergehen und hier gibt es viel Raum für Lyrikrezensionen. Ich spreche natürlich von Fixpoetry.
    Und jetzt werde ich mir den Link vom Durchleser ansehen.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Herzlichen Dank, liebe Mützenfalterin! Die „Feuilletonliteratur“ (prima Bezeichnung, by the way) ist in der Tat ein seltsames Phänomen. Ob man sich da auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt hat? Kleine und kleinste Buchverlage haben es in den großen Feuilletons wirklich nicht einfach – es sei denn, man macht aufwändig in Leinenbindung und Lesebändchen, dann wird man vielleicht eher wahrgenommen. Wobei: Nichts gegen Leinenbindung und Lesebändchen, ich habe ein Faible für gut gemachte Bücher.
      Man darf nicht vergessen, dass die Anzeigenschaltung der Verlage eine gewisse Verpflichtung mit sich bringt, so muss vermutlich aus jedem dieser Verlage immer mal wieder ein Buch rezensiert werden. Ein Phänomen, dass es auch bei anderen Publikationen gibt, so sind manche Magazine sich ja nicht zu schade, Marketing und redaktionelle Arbeit in direkten Bezug zueinander zu setzen, sprich: Artikel nur bei Anzeigenschaltung. So viel zum unabhängigen Journalismus …

  4. Kef Khaos schreibt:

    Liebe Petra,

    eine schöne und sehr umfassende Beschreibung über einen enorm wichtigen Teil des Literaturbetriebs geschrieben. Ich möchte das nur an einer Stelle noch ergänzen, weil ich diese Information für ziemlich wichtig halte. Es gibt etliche Verlage, die keine vollständigen Rezensionsexemplare erhalten, sondern lediglich kurze Auszüge, die bereits vor dem Druck des eigentlichen Buches versendet werden, damit die Rezensionen möglichst zeitnah mit dem Erscheinen des Romans zusammenfallen. Man sollte sich das bei professionellen Kritiken stets vor Augen halten, da eben durch diesen Umstand schon etliche Fehlurteile getroffen wurden.
    Aus diesem Grund greife ich auch neben dem professionellen Feuilleton liebend gerne auf meine liebsten Blogger und Forennutzer zurück, die mir oft ein extrem subjektives, aber dennoch vollständiges Bild eines Romans vermitteln. Vor allem bei der FAZ fällt mir immer wieder auf, dass unsere Meinungen häufig auseinanderklaffen.

    Liebe Grüße
    Kef

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ah, sehr gut, liebe Kef! Dieser Aspekt ist in der Tat wichtig. Ich könnte mir vorstellen, dass durchaus manche aufgrund der schier unübersehbaren Zahl der Neuveröffentlichungen auf eine informative Pressemitteilung nebst Leseprobe zurückgreifen. Der Redaktionsalltag ist stressig und die Deadline sitzt im Nacken. Wirklich hilfreich ist eine solcherart entstandene Rezension natürlich in den seltensten Fällen. Ergänzungen durch Kommentare von Lesern, die das Buch tatsächlich von vorn bis hinten gelesen haben, sind da unbedingt hilfreich. Liebe Grüße!

  5. Valeat schreibt:

    Bin begeistert über Deinen Essay zur Literaturkritik, liebe Petra. In der Tat nimmt die Relevanz von Blogs für Leser und Verlage immer weiter zu. Und in Sachen Professionalität erkenne ich keine Unterschiede zwischen dem Feuilleton und den Blogs, siehe oben. Viele Grüße, Ben von Valeat

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ganz herzlichen Dank für deine freundlichen Worte, lieber Ben. Ich hatte etwas Bedenken, weil der Beitrag die „übliche“ Länge doch stark übersteigt und freue mich nun zu sehen, dass ihr es bis zum Ende „durchgehalten“ habt und auch noch Lust habt, ihn zu kommentieren. Ich habe offensichtlich tolle und interessierte Bloggäste ; ) Liebe Grüße!

  6. aboutsomething schreibt:

    Mir aus der Seele geschrieben und sehr punktuell genau das zusammengefasst, worum es beim Punkt Leserwahrnehmungen und Buchbesprechung geht. Was ich nochmal betonen möchte:Es ist schon ein Unterschied, ob ein Leser, der ein Buch bespricht, einen wissenschaftlichen Hintergrund hat oder nicht, und welche Leseerfahrung er hat, mit welcher Art von Literatur er bisher Umgang hatte. Beide Aspekte beeinflussen die Art, Bücher wahrzunehmen, deren Inhalt zu verarbeiten und in einer Kritik verdichtend zu besprechen. Aber es gibt eben unterschiedliche Sichtweisen, anaytische Fähigkeiten und Geschmäcker und genau so viel Arten, über Literatur zu schreiben. Auch hier gehen Geschmäcker qua Urteilsvermögen auseinander – und das belebt den Diskurs. Ich kann mir ja aussuchen, wessen Besprechungen ich persönlich mag und wem ich folge.
    Das heißt,aber nicht, es stehe nur einem Journalisten und Fernseh- oder Feuilleton-Kritiker zu ein adäquates und ernst zu nehmendes Urteil über Literatur als Kritik zu veröffentlichen, das allgemeine Anerkennung findet. Hier haben wir in Deutschland ein ganz typisches Befindlichkeitsproblem – wer bestimmt, was gelesen werden soll und was gute Literatur ist? Eine handvoll Kritiker, die das Glück hatten, im Feuilleton beschäftigt zu sein? Nicht jeder strebt dieses an und nicht jeder hat dieses Glück. Hier ist einiges im Wandel und das finde ich großartig. Aber auch das ist nur meine Meinung und wir dürfen nicht vergessen – alle Urteile über Bücher, die wir fällen, sind nicht letztgültig oder absolut, sie entspringen einem Konglomerat und Geflecht aus persönlichen Emfpindungen und Erfahrungen und sind lediglich Meinungen und als solche nie absolut. Und letztlich geht es doch vor allem um eines: Bücher zu lesen und neue zu entdecken, die mich auf einen neue Erkenntnisreise schicken. Danke für die Impulse, Petra! – Katja

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Und ich danke dir für deinen ausführlichen und interessanten Kommentar, liebe Katja! Wie du sehr richtig sagst, ist einiges im Wandel: Klassische Verlage müssen sich mit Selbstverlagen messen und auf E-Books einstellen, aber auch „klassische“ Kritiker besitzen keine „Vormachtstellung“ mehr. Das erzeugt sicher bei manchen unter ihnen Angst oder Ärger. Statt sich aber dem neu entstandenen Wettbewerb zu stellen, wird er einfach ignoriert. Keine besonders kluge Vorgehensweise, zumal wir am Ende doch alle das gleiche Ziel haben: das weite Feld der Literatur zu durchpflügen, fruchtbar zu machen, indem wir andere Menschen zum Lesen zu bewegen und unsere Leseerlebnisse mit ihnen teilen.

  7. Susanne Haun schreibt:

    Danke, Petra, das ist wirklich eine tolle Zusammenfassung. Ich muss darüber erst einmal nachdenken.

  8. Sehr schöne Darstellung, Petra. Insgesamt fühle ich mich in meinen Vorurteilen gegenüber bezahlter Literaturkritik bestätigt. Ich werde wohl bei meiner bewährten Mischung von Spontankäufen und Empfehlungen von Leuten, die ich „kenne“ bleiben.
    Sie haben mir immerhin schon ein paar hundert Bücher in die diversen Regale gespült.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Danke, lieber Eyfelgrynch. Ich mag professionelle Rezensionen nach wie vor, aber es gibt eben auch viele andere Quellen, die einen auf interessante Lektüre bringen, wie du selbst sagst. Und die zu ignorieren, wäre ja unglaublich schade.

  9. buchpost schreibt:

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Das Thema ist überhaupt so wunderbar vielfältig. Die ganze Debatte hat schon jetzt dafür gesorgt, dass ich weitere interessante Blogs – auch deinen – entdeckt (und verlinkt) habe.

    Und in dem Angebot, das uns heutigen Lesern zur Auswahl steht, werden Blogger vermutlich immer wichtiger, denn wie John Sutherland so nett feststellte: „Every week now more novels are published than Samuel Johnson had to deal with in a decade. If you had the riches of Croesus (or Bill Gates) you could, with a few hours‘ key-stroking, order up from Amazon.com some half-million novels to be Fedexed, rush delivery, in thirty-six hours. You would, of course, need a disused airplane hangar to keep the books in and a small army of forklifting stackers and fetchers to move the things. Given a reading career of fifty years, a 40-hour reading week, a 46-week working year and three hours per novel, you would, as I calculate, need 163 lifetimes to read them all. And very dull lifetimes they would be. More fun on the forklifts. Where to start? Is there any point in starting, or shaping one’s reading experiences? How can one organise a curriculum? (aus: How to read a Novel, 2006)

    Es geht aber auch um die Frage, WIE finde ich die Blogger, die mir bei meiner Lektüreauswahl hilfreich sein können? Da hängt, wie ich finde, noch viel vom Zufall ab. Ob sich da langfristig so etwas wie eine gemeinsame Plattform bilden wird?
    Die Rolle der Rezensenten ist aber auch ganz wesentlich, da sie eben immer wieder auch offenlegen, welche Kriterien sie anlegen und damit zu einer „Schulung“ bzw. Klärung der eigenen Sichtweise beitragen können. Und der ein oder andere professionelle Kritiker wird sicherlich auch Berührungsängste oder Vorbehalte gegenüber Laien und Bloggern haben, aber genau das kann die Diskussion ja auch befruchten.

    Viele Grüße von Anna

  10. laura schreibt:

    Liebe Petra, auch ich finde, wie alle meine Vor-schreiber, deine Zusammenfassung ganz fabelhaft! Toll, dass du dir die Zeit für so ausführliche Gedanken nimmst!
    Kleine Anmerkung zu einer Zwischenfeststellung deinerseits: Du stellst eine „Tendenz zur Grenzüberschreitung“ in der Literatur fest. Vor einem Jahr habe ich meine Masterarbeit über Grenzüberschreitungen in der Gegenwartskunst geschrieben 🙂 Wir sollten das mal an anderer Stelle vertiefen… Beste Grüße, Laura

  11. Mila schreibt:

    Liebe Petra, der Text ist zwar ziemlich ausführlich, aber dennoch wunderbar zu lesen. Was der Theorie widerspricht, lange Texte würden in Blogs gar nicht erst gelesen.
    Das Schöne ist ja, wie du darstellst, dass mensch als Leserin/ Leser die Wahl hat, wie eine Lektüreauswahl bzw. ein Buchkauf zustande kommt.
    Ich kann im Buchhandlungen rumstöbern, was aber in meinem Fall extrem teuer und teilweise enttäuschend ist. Ich kann mich an Zeitungen orientieren oder es bleiben lassen (was ich zugegebenermaßen generell tue) und ich kann mich auf Vorlieben-Kritiken bei Amazon verlassen (oder lieber nicht). Beides geht verhältnismäßig schnell. Weniger schnell – aber dafür umso befriedigender für mich – ist das Verfolgen von Blogs, auf denen Bücher empfohlen werden. Als Leserin dieser Blogs krieg ich bald mit, wo ähnliche Vorlieben liegen. Und ich bin auf grandiose Bücher gestoßen, die ich sonst wahrscheinlich niemals entdeckt hätte. (Ich sag nur: Kate Atkinson. Die deutschen Cover würden mich im Buchhandel nämlich gar nicht ansprechen.) Vor allem mag ich es, wenn auf einem Blog die Auswahl der Romane, die besprochen werden, mich auch mal überrascht. Wenn ab und an ein Buch rezensiert wird, mit dem ich so nicht gerechnet hätte (weil anderes Genre oder z.B. älter). Ich mag es besonders, dass Bücher in den Blogs ein viel längeres Haltbarkeitsdatum haben als woanders. (Neulich stellte Druckschrift ein Buch vor, das ich bei einem Online-Weiterverkäufer erwerben musste, weil es im Buchhandel vergriffen war.)

    (Übrigens: Zu deinem Einwand mit den negativen Kritiken zu Martin Suter. Ob berechtigt oder nicht – dazu kann ich in dem Fall gar nichts sagen – aber bei mir ist der Eindruck entstanden, dass es nach einer Reihe von Jubelhymnen in Zeitungen auf die Romane eines Autoren/ einer Autorin mit Sicherheit einen Verriss geben muss. Vielleicht damit die Rezensenten mal was anderes schreiben können als zuvor. Oder sie mögen tatsächlich die ewigen Jubelhymnen über die ewig gleichen Autorinnen/ Autoren/ Bücher selbst nicht mehr lesen?) Lg Mila

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Mila, herzlichen Dank für deinen ausführlichen und lieben Kommentar. Ich muss gestehen, dass ich selbst überrascht bin, wie gut der Text aufgenommen (und kommentiert) wird, weil ich natürlich auch diese „Regel“ kenne, dass man der Leserschaft nicht allzu lange Texte zumuten soll. Aber erfreulicherweise scheint das Thema doch viele zu interessieren. Außerdem denke ich, dass die Gäste von Philea’s Blog im Großen und Ganzen Viel-Leser und deshalb nicht so einfach zu erschüttern sind ; )
      Bei der Bücherauswahl geht es mir ähnlich wie dir: Gern professionelle Rezensionen, selten Amazon-Kritiken, sehr gern Blogs – oder Gespräche mit anderen Buchfinken, wobei das bei mir immer mehr auf’s Gleiche hinauskommt. Denn wir kommunizieren ja auch in unseren Blogs fleißig über Bücher. Dass ich dich mit Kate Atkinson „anstecken“ konnte, gefällt mir. Und bei Ingrid finden sich in der Tat immer wieder Perlen, die ich erst antiquarisch für mich bestellen kann. Vielseitigkeit ist für mich einer der Trümpfe der Blogosphäre.
      Auch deine Beobachtung, dass man erst jemanden aufs Podest hievt, um ihn dann wieder zu stürzen, kann ich im Fall Suter nur teilen – kommt in der Presse natürlich auch bei anderen Personen des öffentlichen Interesses vor … traurig. Na ja.
      Liebe Grüße
      Petra

  12. buechermaniac schreibt:

    Liebe Petra

    Hab herzlichen Dank, für diesen grossartigen Artikel! Martin Suter bietet sich natürlich geradezu an für Kritik und ich bekenne – auch ich habe ihn schon einige Male gelesen und fühlte mich gut unterhalten. Ich bin keine Literaturkritikerin für die Zeitung und analysiere nicht die Texte in dem Ausmass wie dies ein Profi tun würde. Aber was nützt dem Leser eine Kritik, eine Rezension, in der Zeitung, wenn sie für Nicht-Germanisten nicht zu lesen ist. So führt man keine neuen Leser an die Literatur heran. Gerade durch die vielen tollen Literaturblogs, wozu ich auch deinen gerne zähle, stosse ich immer wieder auf ganz hervorragende Bücher, denn man stösst ja auch an seine Grenzen, um alles selber entdecken zu können.

    LG buechermaniac

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Und dir herzlichen Dank für dein Lob, liebe Büchermaniac : ) Suter ist ein prima Unterhaltungsautor, daran würde ich nicht rütteln wollen. Deshalb ist es natürlich etwas schwierig, wenn im Feuilleton, wo man sich vielleicht lieber mit „hoher Literatur“ befasst, Kriterien angelegt werden, als handele es sich um ein Genie wie Goethe oder Shakespeare. Das kann ja nur schief gehen. Warum darf Unterhaltung nicht einfach unterhalten? Nun ja …
      Auch beim nächsten Punkt bin ich ganz deiner Meinung: Wie du weißt, enthalte ich mich bei meinen Buch-Tipps ebenfalls weitgehend literaturwissenschaftlicher Analysen, ich will die Leute ja nicht beeindrucken/verschrecken, sondern zum Lesen animieren. Einmal habe ich mich da ein bisschen gehen lassen, was mir gleich den Kommentar eintrug, dass man das Buch wohl nicht lesen werde, da man offenbar ein Germanistik-Studium dazu brauche. Weniger scheint hier mehr zu sein. Ich führe ja kein Feuilleton, sondern ein Blog – wie schön, dass wir die Freiheit haben und nutzen, unsere Blogs so zu führen, wie es uns entspricht : )
      Liebe Grüße
      Petra

  13. Dina schreibt:

    Liebe Petra,
    die Buchfeen und ich lesen gerade entzückt „Lila, Lila“ von Suter, ein wunderbarer Erzähler.:-)
    So viel kluge Worte und Kommentare zu deinem Post hier, ich kann dem nur zustimmen und für meinen Part ergänzen, diesen Artikel ist für mich eine wahre Perle, ein absolutes Highlight in der Blogosphäre. Lesevergnügen vom Anfang bis Ende, das wirklich zum Lesen animiert.
    Hab herzlichen Dank für diesen tollen Beitrag.
    Es grüßt dich lieb
    Dina
    und die Buchfeen Siri und Selma ebenso

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ganz herzlichen Dank, liebe Dina, für deine Worte. Ich freue mich sehr, dass dir der Beitrag so gut gefällt. Und die Idee zu „Lila, Lila“ ist wirklich richtig gut gewesen – und was sich daraus alles für Verwicklungen ergeben! Weiterhin viel Spaß bei der Lektüre & liebe Grüße an dich & die Buchfeen!

  14. glasperlenspiel13 schreibt:

    Liebe Petra,
    wie beneide ich dich um die Zeit! Vielen Dank für diese Gedanken, die doch anregen und zu denken geben. Der Fall des Blogs Bücherzeit war mir gar nicht bekannt, um so fassungsloser war ich nach der Lektüre. Wenn ich es nicht selbst gelesen hätte, würde ich es nicht glauben.
    Ich habe schon ausreichend bei aboutsomething und mara kommentiert und möchte nicht noch einmal das Gleiche hier wiederholen. Ich bin gespannt, wie sich die Diskussion weiter entwickelt und welche Konsequenzen das für uns Blogger hat. Auf jeden Fall sehr spannend!
    Liebe Grüße & einen schönen Abend
    Die Bücherliebhaberin

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Danke dir, liebe Bücherliebhaberin! Deine Fassungslosigkeit kann ich gut verstehen. Wo käme die Kritik hin, wenn die Autoren auf jeden Verriss so reagieren würden? Ich frage mich, wie es den professionellen Rezensenten geht, ob die auch mit so etwas zu kämpfen haben und womöglich üble Briefe erhalten? Aber ich denke, dass die meisten Autoren souverän genug sind, mit Kritik angemessen umgehen zu können.
      Ja, wie die „Zukunft der Literaturblogvernetzung“ aussieht, darauf bin ich auch sehr gespannt! Liebe Grüße!

  15. kbvollmarblog schreibt:

    Es ist gemein, aber leider habe ich reisend nicht so viel Zeit, ich kann nicht so ausführlich schreiben, wie es deinem Essay entspräche. Fast schäme ich mich, nur zu schreiben, es ist toll, aber das ist es in der Tat.
    Herzlichen Dank
    Klausbernd

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Lieber Klausbernd, aber das macht doch nichts, ich freue mich, dass du dir überhaupt die Zeit nehmen konntest, zu lesen und zu kommentieren. Herzlichen Dank dafür! Und vor allem eine gute Reise und wunderschöne Ferien : ) Liebe Grüße!

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