A Short History of Tractors in Ukrainian

Marina Lewyckas Roman scheint alle Zutaten einer platten Komödie zu besitzen, ist aber überraschend dramatisch und bewegend.

Nadja und ihre Schwester Vera sind erschüttert: Ihr 84jähriger Vater will die vollbusige und nicht mal halb so alte Ukrainerin Valentina (36) heiraten. Natürlich versucht Valentina auf diesem Wege, eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis in England zu bekommen – der Vater aber ist verliebt, schreibt seiner Valentina romantische Gedichte, lässt sich ausnehmen wie eine Weihnachtgans und will partout nicht auf die Warnungen seiner Töchter hören. Selbst, als Valentinas Gier immer maßloser wird und sie ihn zu misshandeln beginnt, lässt er sich immer wieder von ihren gelegentlichen Freundlichkeiten einlullen oder von ihren Drohungen einschüchtern.

Nadja und Vera haben sich eigentlich nach dem Tode ihrer Mutter völlig zerstritten, aber die Ausnahmesituation schweißt sie zusammen. In vielen Telefonaten erörtern sie die Lage und wollen vor allem Valentina wieder loswerden, die immer mehr zur Alptraumfrau wird. Nadja versucht außerdem, Geheimnisse aus der Vergangenheit ihrer Familie aufzudecken und ganz nebenbei erfährt man auch noch allerhand über die Geschichte des Traktors. Denn darüber schreibt der Pappa ein Buch und bei jedem Besuch seiner Tochter liest er ihr und ihrem Mann ein neues Kapitel daraus vor.

Der Roman ist sehr skurril, durchaus witzig, aber auch ziemlich tragisch. Alles in allem: mehr als nur unterhaltsam.

Erstmals erschienen im „Virtuellen literarischen Salon“.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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15 Antworten zu A Short History of Tractors in Ukrainian

  1. Petra schreibt:

    Um dieses Buch schleiche ich schon sehr lange sehr unschlüssig herum Z.B. wegen Klischeeverdachts), du bist „schuld“, wenn ich’s jetzt tatsächlich lese. Danke!

  2. buchstabenchaos schreibt:

    Hört sich toll an, ich hatte das Buch auch schon öfters in der Hand, nächstes mal muss ich es dann wirklich mal mitnehmen! Danke für deine Rezension!

  3. Susanne Haun schreibt:

    Ich habe vorher noch nichts von dem Roman gehört, aber jetzt wandert er auf meine Amazon Wunschliste…
    Die Liste ist mein Regal mit ungelesenen Büchern für das ich zu hause keinen Platz habe

  4. caterina schreibt:

    Ich habe das Buch vor einigen Jahren gelesen, und es hat mich über die Maßen verärgert. Ich habe die Geschichte als unsäglich platt und die Charaktere als lächerlich und stereotyp empfunden. Eine große Enttäuschung für mich, zumal angesichts der enthusiastischen Stimmen, die es damals zu diesem Roman gab.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Tja – de gustibus et coloribus … Da sind wir offenbar nicht einer Meinung. Der Roman scheint zu polarisieren.

      • caterina schreibt:

        Findest du? Ich meine mich zu erinnern, dass das Buch damals hochgelobt und einstimmig als wahnsinnig unterhaltsam bezeichnet wurde.
        Aber wie dem auch sei, wir haben ja schon neulich festgestellt: Es ist gut, wenn man nicht immer einer Meinung ist und jedes Buch seine Leser findet :).

  5. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Ich hab die Rezensionen damals nicht alle verfolgt, ich las das Buch sogar, soweit ich mich erinnere, ohne zuvor etwas darüber gelesen zu haben. Ein Kauf in der Flughafenbuchhandlung, mein Lesestoff war alle, der Titel machte mich neugierig. Interessant, dass er so einhellig gerühmt wurde? Immerhin hat er insofern polarisiert, als wir uns nicht einig sind ; ) Aber das ist ja nicht schlimm. Die Zutaten fand ich auch platt, die Ausführung allerdings gar nicht.

  6. buechermaniac schreibt:

    Ich habe den Roman auch vor einigen Jahren gelesen und mir hat er gefallen, auch wenn natürlich einige Klischees darin behandelt werden. Wie du selber sagst, erfährt man einiges über Traktoren und das war wohl mit ein Grund, dass ich das Buch in die Hände genommen habe. Ich wurde zur Traktorexpertin 😉 und das ist wichtig, denn mein Liebster ist, als Bauernsohn aufgewachsen, natürlich ein Traktorenfan. Marina Lewycka schreibt ganz allgemein sehr spezielle Romane. Das letzte Buch, das ich von ihr gelesen habe, war „Das Leben kleben“. Wenn ich die beiden Bücher vergleiche, gefällt mir „Kurze Geschichte über den Traktor auf Ukrainisch“ um einiges besser.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Gut zu wissen, liebe Büchermaniac, dann lasse ich den Roman aus. Finde ich ja putzig, dass dir der andere Roman wirklich wegen der Traktoren etwas gebracht hat : ) Ich habe damit ja normalerweise selten zu tun.

  7. flattersatz schreibt:

    der roman hat, soweit ich das beurteilen kann, sehr unterschiedliche reaktionen hervorgerufen. mir selbst hat er seinerzeit gut gefallen, es gibt aber auch eine menge leute, die ihn zu plakativ, klischeehaft empfanden. das gilt ja auch für ihre anderen romane, den mit den erdbeerpflückern und den pattex-roman, den ich auch garnicht so schlecht fand. auf jeden fall schreibt sie witzig und unterhaltsam, greift dabei aber trotzdem wichtige themen auf. also: ich mag sie.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Witzig und unterhaltsam, ja, das passt, lieber Flattersatz – wobei ich, wie gesagt, den Traktorroman zwischendurch sogar ziemlich dramatisch fand. Ich würde die Autorin jetzt nicht unter Genieverdacht stellen wollen, aber auf jeden Fall bot sie mir gute Unterhaltung.

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