Frankreich erfahren – auf dem Postrad

Vor einiger Zeit bekam ich ein Rezensionsexemplar angeboten, das gut zu Philea’s Blog passt: Frankreich erfahren. Eine Umrundung per Postrad von Thomas Bauer. Erschienen ist der Reisebericht im Drachenmond Verlag, auf dessen Seiten sich auch ein Trailer zum Buch findet.

Mich hat der Reisebericht interessiert, weil ich selbst schon ein paar Mal Frankreich bereist habe (und das auch weiterhin vorhabe, allerdings lieber gemütlich als sportlich) und weil es sich um ein ungewöhnliches Reisemobil handelt: ein dreieinhalb Meter langes gelbes Postrad nebst Anhänger fürs Gepäck. Wie kommt man denn auf so was? Tolle Idee! Und obwohl man damit natürlich nicht so schnell fahren kann wie mit einem schnittigen Rennrad, verlangt mir die sportliche Leistung des Autors eine Menge Respekt ab. Schließlich fuhr Thomas Bauer nicht nur gemütlich durch flache Gegenden, sondern auch ordentlich bergauf und bergab bei Wind und Wetter.

Thomas Bauer und sein ungewöhnliches Reisegefährt, Foto (c) Thomas Bauer

Thomas Bauer fühlt sich Frankreich seit Kindertagen eng verbunden, er lebte ein Jahr in Paris, wanderte einen Monat lang auf Jakobswegen durch Südfrankreich und hat Frankreich bisher über vierzig Mal besucht. Übrigens hat er schon vor seiner Frankreichtour eine Vorliebe für ungewöhnliche Gefährte gepflegt, denn er fuhr unter anderem mit einer Fahrradrikscha durch fünf asiatische Länder, per Hundeschlitten durch Nordostgrönland und folgte der Donau in einem Paddelboot zum Schwarzen Meer. Auch über diese und weitere Reisen hat er geschrieben.

Nun also eine Frankreichumrundung, die ihn unter anderem nach La Rochelle, Bordeaux, Lourdes, Carcassone, Agde, Marseille, Aix-en-Provence, Lyon, Straßburg, Reims, Rouen, Bayeux, Saint Nazaire und wieder zurück nach La Rochelle führte.

Frankreich, ein weniger exotisches Reiseziel, aber offenbar eines seiner Sehnsuchtsziele. Denn immer wieder spricht Thomas Bauer nicht nur über die Reise, die er gerade tut, sondern auch über frühere Aufenthalte und Erlebnisse. Man spürt in jeder Zeile, wie viel ihm Frankreich bedeutet. Sein Blick auf unsere Nachbarn ist liebevoll, der aufs eigene Land oft selbstironisch. Der Reisebericht handelt zudem nicht nur von den Freuden (Begegnungen, wunderbare Landschaften) und Schwierigkeiten (Pannen, Sonnenbrände etc.) seiner Frankreichumrundung, sondern enthält, wie nebenbei, auch viele Tipps zur Sprache (etwa, dass man in Aix-en-Provence besser „un crème“ als einen „café au lait“ bestellt, wenn man keine Touristenpreise bezahlen will) sowie geschichtliche, politische, kulturelle und – natürlich – kulinarische Hintergrundinformationen. Das liest sich, dank seines humorvollen Plaudertons, wesentlich angenehmer als ein Baedeker.

Fazit: Ein bei aller sportlichen Anstrengungen heiteres Buch, das viele unbekannte Seiten Frankreichs zeigt. Mir hat’s Spaß gemacht und Lust auf weitere Reisen nach Frankreich.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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8 Antworten zu Frankreich erfahren – auf dem Postrad

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  2. Rabin schreibt:

    Ist bestimmt ein schönes Erleben, wenn einem ein Verlag ein Buch anbietet. Und dann noch ein so schönes wie dieses. Ich bin zwar sehr am Zweifeln, ob ich mich mit dem Rad so gut halten würde. Aber eine Schwäche für Frankreich habe ich auch. 🙂

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ja, das war ein erfreuliches Angebot : ) Und Frankreich ist so herrlich vielfältig, ein schönes Reiseland. Der Reisebericht zeigte auch, welche Gegenden, die ich noch nicht so gut kenne, ich gern noch einmal bereisen möchte : )

  3. Offengestanden hier bei Dir, liebe Petra, persönlich bin ich weitaus mehr eine schwärmerische Italien-Freundin… Aber Deine Buchempfehlungen sind famos geschrieben!

    Ich wünsche Dir gute Besserung!!! Liebe Grüße von Karin

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Danke dir, liebe Karin : ) Vielleicht liegt es ja daran, dass für dich Italien näher liegt, für mich ist Frankreich um die Ecke – möglicherweise ist man dadurch schon ein bisschen vorgeprägt? Aber Italien würde ich auch gern ausführlich bereisen. Liebe Grüße!

  4. IngridW schreibt:

    Thomas Bauer scheint mir ein sehr unternehmungsfreudiger Mensch zu sein – und sehr phantasievoll, was die Auswahl seiner Reisegefährte angeht. Mich beeindruckt so was, wenngleich ich bei meinen künftigen Fahrten in die Bretagne doch lieber weiterhin das Auto benutze.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Das scheint mir auch so, liebe Ingrid. Und mir geht es wie dir, mir ist die gemütliche Art zu reisen auch lieber. Dennoch finde ich es immer wieder interessant, über völlig andere Arten von Reisen zu lesen, selbst wenn ich sie auf diese Weise niemals durchführen würde, möglicherweise auch nie in entlegene Weltgegenden kommen werde. Aber das ist für mich einer der Reize der Reiseliteratur, dass sie uns unbekannte Fernen näher bringt, während man selbst bequem zu Hause auf dem Sessel sitzt.

  5. Georg Mühlenkamp schreibt:

    Jaques Tati läßt grüßen

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