Statusangst

Dieses Buch von Alain de Botton wollte ich sofort lesen. Mein Liebster sah es wohl an meinem begehrlichen Blick und schenkte mir das Buch. Schön gebunden mit Lesebändchen, das ist der Vorteil gegenüber den günstigeren Taschenbuchausgaben. Und sie sind, so kommen wir auch schon zum Thema, in gewisser Weise Statussymbol unter Bücherwürmchen, besagt doch ihre Anwesenheit in der heimischen Bibliothek, dass man es einfach kaufen konnte, ohne auf eine günstigere Ausgabe warten zu müssen.

Um Status, Statussymbole und Statusangst geht es also in diesem wieder überaus intelligent und fesselnd geschriebenen Buch. Dazu definiert der Autor zunächst die Begriffe, versucht, die Ursachen zu ergründen, warum wir überhaupt versuchen, zu bekommen, was wir zu verdienen glauben oder was wir erreichen möchten. Aber auch, warum es für uns wichtig ist, in den Augen der anderen einen bestimmten Wert einzunehmen, und warum wir andere um ihre gesellschaftliche Stellung und deren Insignien beneiden.

Dann beleuchtet er die Thematik unter verschiedenen Aspekten: dem der Philosophie, der Kunst, der Politik, des Christentums und schließlich die Bedeutung von Status innerhalb der Bohème. Wobei man bei Letzteren ja meinen sollte, dass gerade Statusangst keine Rolle spielt beziehungsweise diese Lebensform sich gerade gegen die Statussymbole der Bourgeoisie wendet. Aber in sich vielleicht gerade darin wieder einen Status befördert, der in der Negation des gemeinhin Anerkannten liegt.

Wie dem auch sei, seine philosophischen, historischen, politischen etc. Betrachtungen sind jedenfalls erhellend. Dazu reich bebildert und mit vielen Geschichten aus dem Leben berühmter Persönlichkeiten veranschaulicht.

Nun halte ich mich zwar nicht für statusbewusster als die anderen Menschen in meinem Umfeld, aber jeder fragt sich irgendwann nach dem Sinn allen Strebens, wenn das Sein plötzlich nicht mehr die scheinbare Unendlichkeit besitzt, die man in der Jugend vorausgesetzt hat. Dass das letzte Hemd keine Taschen hat, ist ja bekannt. Umso wichtiger ist es, sich Geist und Seele mit Reichtümern zu füllen, denn vielleicht kann man diese inneren Werte mitnehmen. Wohin auch immer.

Erstmals erschienen im „Virtuellen literarischen Salon“.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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4 Antworten zu Statusangst

  1. snoopylife schreibt:

    Ich finde, Leben sollte einfach Spaß machen. Worin auch immer dieser Spaß für jeden Einzelnen von uns besteht. Wenn man dann noch von sich behaupten kann, nicht allzuvielen Mitmenschen geschadet zu haben, wenn man also mit sich im Reinen ist, das wäre wohl, was man landläufig als Glück bezeichnet.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Spaß im Leben zu haben und den Leuten möglichst nicht zu schaden, ist auf jeden Fall ein prima Ziel : ) Aber vieles, was Spaß macht, trägt zugleich zu Prestige, Status etc. bei, zumindest unter Menschen mit ähnlicher Interessenlage. Mir machen zum Beispiel Bücher „Spaß“, übrigens auch 2ndHand, und ich denke, dass unter Büchermenschen wohlgefüllte Regale (ob Edles in Leinen oder Leder oder eben auch ein Sammelsurium aus allem möglichen, also auch Taschenbücher und 2nd-Hand-Erworbenes) in gewisser Weise zu ihrem Status beitragen. Beabsichtigt oder nicht.

  2. Gregor schreibt:

    Kleine Frage: Wieso fügst du nicht ein Bild vom Cover ein?

    Grüße

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