Leseplätzchen, Folge 29

Autorinnen und Autoren, Bloggerinnen und Blogger, Verlegerinnen und Verleger, Leserinnen und Leser – sie alle haben etwas gemeinsam: bestimmte Orte, an denen sie besonders gern lesen. Die Serie Leseplätzchen ist eine virtuelle Reise zu diesen Lieblingsleseorten.

Heute sind wir bei den Leseplätzchen von Katja zu Gast, die gemeinsam mit Laura das schöne Kunst- und Literaturblog aboutsomething führt. Lauras Leseplätzchen habe ich euch kürzlich präsentiert. Sehen wir also, wo Katja am liebsten liest.

Lesen am See

Katja sagt über ihr Freiluft-Leseplätzchen: „Im Sommer lese ich am liebsten draußen – am See außerhalb von Berlin, so wie hier auf diesem Foto. Das war wirklich schön. Hier hab ich Jonathan Franzens Freiheit zu Ende gelesen und konnte inspiriert durch die Stille und Natur auch schön über eben diese nachdenken … Auch in Parks, auf der Wiese und auf Bänken lese ich sehr gern, nur dass in Berlin leider irgendwie nie ein Park in meiner Nähe ist. Dann muss ich mir mein Leseplätzchen erst suchen …“

Lesen auf der Couch

„Im Winter lese ich am liebsten zu Hause in meiner Sofaecke oder im Bett. Hier schreibe ich auch meine Artikel und Buchbesprechungen auf meinem Netbook. Ich lese immer parallel zwei Bücher – eines zu Hause, abends vor dem Schlafen gehen und eines tagsüber, wenn ich unterwegs bin in der U-Bahn und während ich auf diese warte. Zwischendurch stöbere ich auch gern in Gedichtbänden –wie letzthin in den Worten Sylvia Plaths – wunderschön. Ich liebe es auch zu beobachten, welche Bücher die anderen neben mir lesen. Zwischen anderen Lesern fühle ich mich wohl. In Berlin wird sehr viel in der U-Bahn gelesen – zwischen Tablet, Kindle und dickem Schmöker findet sich da alles, sogar Mütter lesen ihren Kindern Geschichten vor – egal wie voll die Bahn auch ist. Das ist so schön! Einmal stellte ich fest, dass eine junge Frau mir gegenüber dasselbe Buch las wie ich, nur auf Englisch. Das Buch war John Boyne Der Junge im gestreiften Pyjama. Das fand ich schön.“

„Ich lese sehr vielseitig, was auch der Blick in mein Bücherregal zeigt. Deutsche und internationale Literatur. Ich kaufe sehr gern 2nd-Hand-Bücher, vor allem auf Flohmärkten – dort stöbere ich immer nach Büchern von meiner Liste noch zu lesender Klassiker. Manch ein großes Werk konnte ich im Studium nie lesen, weil die Zeit fehlte oder ich eben grad ein anderes Seminar besuchen musste – jetzt kann ich das endlich nachholen. Derzeit sind das die russischen Autoren. Oft tausche ich auch Bücher mit Laura, wir empfehlen uns gegenseitig Gelesenes, was wir nicht unbedingt selbst kaufen möchten, oder lesen auch parallel für den Blog dasselbe Buch. Dabei sortiere ich genau aus, was ich lese und wann ich es lese. Manchmal findet mich aber auch ein Buch oder läuft mir über den Weg – das klingt jetzt seltsam, aber ich habe einmal eine völlig intakte Biographie über Brigitte Reimann aus unserem Hauspappmüll gefischt – sie ist eines meiner Lieblingsbücher geworden und sie wollte einfach zu mir. Diesen Sommer bin ich auf dem Weg zur Arbeit über ein Häufchen abzugebender Bücher in einem Hauseingang gestolpert und habe mir glücklich zwei Bücher mitgenommen. Welch schöne Idee, Bücher zu verschenken …“

„Lesen ist für mich Reise, Entspannung, Erkenntnisgewinn, In-mich-Gehen, Weltaneignung, Erfahrung, Zufriedenheit, Spannung, Glück und ein großes mich-vom-Alltag-wegträumen. Diese Erfahrungen mit Laura auf unserem Blog jetzt gemeinsam zu teilen, ist wirklich schön. Die Liebe zu Büchern und das Interesse an der Kunst verbindet uns von Anbeginn unserer Freundschaft. Es ist schön, zu sehen, dass dies auch andere Wortliebhaber da draußen interessiert, denen es ähnlich sieht. In der eigenen kleinen Buchwelt bekommt man das nicht immer so mit, daher ist der Wunsch nach Vernetzung und Kontaktknüpfung nun groß. Here we are!“

Herzlichen Dank für die Fotos und deine Gedanken dazu, liebe Katja! Mir geht es ähnlich, wenn ich in der Bahn jemanden sehe, der ein Buch liest, das ich gerade lese oder schon gelesen habe, kann ich mich kaum beherrschen, die Person anzusprechen ; ) Und was das Vernetzen angeht, hoffe ich, mit den Leseplätzchen einen kleinen Teil dazu beizutragen. Lieben Dank fürs Mitmachen!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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26 Antworten zu Leseplätzchen, Folge 29

  1. Susanne Haun schreibt:

    Das sind schöne Gedanken!
    Die Natur ist wirklich der beste Ort um gerade auch Jonathan Franzens Freiheit zu lesen. Ich fand das Buch sehr faszinierend und obwohl ich es schon vor einem halten Jahr las, habe ich es noch gut im Kopf.
    Das ist nicht bei allen Büchern so.
    Einen schönen Freitag wünscht euch Susanne

  2. Mila schreibt:

    Schönes Seefoto! So grandios dramatisch mit dem Wolkenhimmel. Manch ein Bücherzwilling steht auch in meinem Regal. Witzigerweise auch Monniers Aufzeichnungen, nachdem ich bei Druckschrift davon gelesen hatte. Ich gehe in anderen Wohnungen immer ans Bücherregal und sehe mir an, was dieses über den Bewohner/ die Bewohnerin aussagt. Über die Jahre kommt da eine schöne Lebens-Lese-Mischung zusammen. Und wenn dann noch zwei Menschen zusammen ziehen und ein Regal miteinander teilen…
    In der Bahn lese ich gerne in anderen Büchern, aber die Leute gucken dann schon mal sehr pikiert…

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Das ist ja witzig, liebe Mila, ich habe mir auch gleich nach Lesen des Beitrags bei Ingrid die Aufzeichnungen besorgt : ) Und wie du liebe ich es ebenfalls, in anderer Leute Regale zu stöbern. Kennst du zufällig „Ex Libris“ von Anne Fadiman? Ein wunderbares Büchlein, darin wird u. a. auch die Problematik der Vereinigung zweier Bibliotheken behandelt (https://phileablog.wordpress.com/2012/07/15/ex-libris/). Überhaupt ein ganz und gar empfehlenswertes Buch! Liebe Grüße!

      • Mila schreibt:

        Bei der Rezension war ich im Urlaub. Gut dass du mich drauf aufmerksam gemacht hast. Klingt sehr lustig. (Und jetzt will ich schon wieder zwei Bücher mehr haben. Wenn die Bloggerei noch länger geht, werde ich arm…)

      • Petra Gust-Kazakos schreibt:

        Man kommt auf immer weitere Bücher, so verbinden nicht nur wir uns, sondern auch unsere Bibliotheken vernetzen wir durch das Bloggen.

  3. “ (…) – sie ist eines meiner Lieblingsbücher geworden und sie wollte einfach zu mir“ – ach, wie wortschön geschrieben, gedacht, empfunden, erlebt. Ja, manchmal suchen wir nicht ein Buch, es findet uns!

    Lesegrüße von Karin

  4. Frau Blau schreibt:

    das gefällt mir sehr und lässt Erinnerungen hochsteigen, an Berlin, die U-Bahn, neugierig schauend, was die anderen lesen und mich dann wieder in meins versenken, aber auch ans radeln in einen der vielen Parks, ein schattiges Plätzchen finden und dort auf der Decke lesen und zwischenzeitlich das bunte Treiben betrachten …
    jetzt, auf dem Berg, lese ich im Sommer gerne auf der Decke unterm Pflaumenbaum, im Winter auf der Couch oder im Bett …

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Im Sommer unterm Pflaumenbaum – das klingt schön! Auch wenn man sich das gerade bei den aktuellen Temperaturen kaum vorstellen kann, liebe Frau Blau : ) Hättest du auch Lust, hier deine Leseplätzchen vorzustellen? Sie klingen alle gut … Liebe Grüße!

  5. Dina schreibt:

    Herrlich, ein wunderbarer Leseplatz im Freien, am Meer. Dort würde ich auch gerne im Sommer mit einem feinem Buch verweilen. Mein bevorzugter Leseplatz draußen im Sommer ist in der Hängematte unter die alten Apfelbäume im Klausbernds Garten, dort hängen die Buchfeen auch oft rum und ab. 🙂 und im Winter vorm Kamin.
    Herzliche Grüße an dich und ein schönes Wochenende von uns 4 in Dublin
    Dina, Klausbernd
    Siri und Selma

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Oh, liebe Dina, deine Leseplätzchen klingen auch ganz wunderbar! Möchtest du sie auch mal hier vorstellen? Ich würde mich freuen!
      Ganz liebe Grüße an dich, Klausbernd & die Buchfeen, die in Irland bestimmt ein paar „Verwandte“ getroffen haben : )

      • Dina schreibt:

        Ja, das stimmt, Siri und Selma waren entzückt über die viele Begegnungen. Ich wusste gar nicht, dass so viele Leprechauns hier unterwegs sind… 🙂
        Herzlichen Dank für die Einladung, die nehme ich gerne an! Die Hängematte kann ich erst im Sommer abbilden, aber demnächst kann es feine Kaminbilder geben.
        Herzliche Grüße an dich vom Dubliner Flughafen
        Hanne, Siri und Selma
        Klausbernd wollen wir nicht vergessen, er ist bereits über den Wolken auf dem Weg nach London und North Norfolk.
        Feines Wochenende!

      • Petra Gust-Kazakos schreibt:

        Oh, fein, Dinas Leseplätzchen – ich freu mich drauf! Guten Flug & noch ein wunderschönes Wochenende, liebe Dina!

  6. aboutsomething schreibt:

    Liebe Petra – vielen Dank, dass Laura und ich an deinen „Leseplätzchen“ teilnehmen durften. Das ist eine so schöne Idee. Ui -und jetzt ist mein Bücherregal im Internet – da wird es mächtig stolz sein =) Wenn ich mein See-Foto betrachte, werde ich ganz wehmütig – auch wenn es besonders schön ist, im nebelverhangenen Herbst eingekuschelt auf dem Sofa zu lesen und gedanklich auf Reisen zu gehen. Der November ist mein Monat, nicht nur weil ich auch darin geboren wurde … Die @boutsomething-Katja

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Katja, ich freue mich auch sehr, dass ich euch hier mit euren Leseplätzchen präsentieren durfte. Ich mag den November eigentlich gern, heute Morgen war alles ganz nebelverhangen, das hat so was Verwunschenes. Und die Kälte lässt sich ja eingekuschelt auf dem Sofa ganz gut ertragen ; ) Liebe Grüße!

  7. Gregor schreibt:

    Ich habe mal versucht draußen in der Natur zu lesen und habe festgestellt dass ich die ganzen Geräusche hasse und lieber irgendwo unter der Erde wäre, wo man gar nichts hört 🙂
    Und da ist mein Lese- und Arbeitszimmer schon am besten.

    Liebe Grüße

  8. haushundhirschblog schreibt:

    „Ich sehe was, was du nicht siehst“
    Liebe Katja, liebe Petra,
    auch dies ist wieder eine feines Leseplätzchen! Und natürlich war neben der beschriebenen Auswahl der Orte, an denen gelesen wird, auch hier wieder besonders schön, einen Blick auf das Bücherregal werfen zu dürfen! Ich entdeckte gleich mehrere Bücher, die auch in meinem Regal beheimatet sind .. vielleicht sind wir ja nicht nur beide im November geboren, sondern eventuell auch in einem ähnlichen Alter … 😉
    Vielen Dank, liebe Petra!
    Das ist eine wunderbare Reihe!
    Herzlich, mb
    (Hoffe, es geht Dir wieder etwas besser …)

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Vielen Dank, liebe mb! Ich mag die Serie auch sehr : )
      Mir geht es etwas besser, Gott sei Dank! Am Montag kann ich hoffentlich wieder arbeiten gehen. Und wie ist es bei dir? Werd schnell wieder gesund! Liebe Grüße an dich & dm!

  9. wortmeer schreibt:

    Hach, wie schön, anderen Lesern quasi über die Schulter zu schauen… Wunderbar.

  10. buchstabenchaos schreibt:

    Die Leseplätzchen-Serie ist wirklich eine tolle Idee. Immer, wenn ich jemanden zum ersten mal zuhause besuche ist das interessanteste an der Wohnung: das Bücherregal und eben auch schöne Leseplätze.

  11. wederwill schreibt:

    und wieder einmal bin ich bei deinen Leseplätzchen hängengeblieben…. manchmal ergibt sich dann sogar noch ein Blick in das Bücherregal und ich lege meinen Kopf schief, um zu gucken, welche Bücher aufgereiht sind…. irgendwann sende ich dir auch eins von meinem Leseplatz, bis jetzt hapert es immer daran, dass er nie so aufgeräumt ist, dass ich ihn fotografieren könnte…
    einen schönen Samstagabend wünscht Dir
    Marlis

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