Dies ist kein Liebeslied

Obwohl dieser Roman von Karen Duve auf den ersten Blick viele Zutaten eines typischen Frauenromans besitzt, ist er deutlich besser, als viele Vertreter dieser Richtung. Schon Karen Duves Regenroman hatte mich vor einigen Jahren von ihrer Schreibkunst überzeugt.

In Dies ist kein Liebeslied werden sich wahrscheinlich viele Frauen, die wie die Hauptfigur in den frühen bis mittleren 60ern geboren sind, zumindest teilweise Situationen und Befindlichkeiten wiedererkennen. Es wird aber nicht das lustige Wiedererkennen aus der Generation Golf sein, denn dies ist kein lustiges Buch, sondern ein berührendes.

Erzählt wird die Geschichte von Anne, die in einem wirtschaftswunderlichen Haushalt in allerdings beengten Verhältnissen aufwächst. Drei Zimmer für fünf Personen. Doch da der Vater selten zu Hause ist, und wenn, dann meist draußen und oft depressiv, und sie selbst sich eher als Unperson empfindet, ist es doch nicht ganz so eng. Sogar ein Hund passt noch mit hinein.

Anne verbringt ihr Leben in erster Linie damit, unglücklich zu sein und sich dabei auch noch zu verachten. Dabei besteht eigentlich kein Grund dazu. Doch sie selbst hält sich immer mehr für einen einzigen Fehler. Das manifestiert sich ihrer Ansicht nach in ihrem Körper, 117 Kilos Lebendgewicht. Doch wie viele Frauen fühlte sie sich schon fett und elend, als sie noch ein Teenager ist und 65 Kilos wiegt – bei knapp 1,80 m eigentlich nicht zu viel. Doch angeregt von den Fotos unterernährter Models in Zeitschriften oder im Kino macht sie eine Diät nach der anderen und wird dadurch wirklich dick.

Da sie sich selbst für wertlos und nicht liebenswert hält, vergeudet sie sich ständig an schwache Typen, die an ihr vermutlich die starke Schulter suchen, die sie selbst gut gebrauchen könnte. Eine jämmerlich Beziehung nach der anderen vergeht. Und dabei liebt sie immer nur Einen. Und den will sie ein letztes Mal sehen. Auf dem Weg im Flugzeug nach London lässt sie ihr Leben Revue passieren und wir leiden mit ihr dem ersehnten Treffen entgegen.

Erstmals erschienen im „Virtuellen literarischen Salon“.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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2 Antworten zu Dies ist kein Liebeslied

  1. muetzenfalterin schreibt:

    Wie hatte ich mich seinerzeit auf diesen Roman gefreut; entdeckt hatte ich Karen Duve mit ihrem kongenialen Erzählband „Keine Ahnung“, das war genau das, was ich lesen wollte, dieser Ton, diese Art von Geschichten, ganz besonders natürlich ein stilles Haus im tiefen Schnee (wenn ich den Titel richtig erinnere), dann kam der Regenroman, der mir nicht so gefiel, wie dieser Erzählband, aber gut, ich wollte ihr noch eine Chance geben und dann kam Dies ist kein Liebeslied und ich dachte, wenn sie schon diesen Titel wählt, der ja stark an This is not a love song von Pil erinnert, dann wird das Buch wohl auch wieder ein bisschen Punk sein, war es aber nicht. Danach habe ich kein Buch mehr von ihr gelesen.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Kicher, nee, Punk darf man bei diesem Buch nicht erwarten, da hast du vollkommen Recht. Insofern könnte man dem Roman tatsächlich seinen Titel zum Vorwurf machen. Aber wer weiß, wer den ausgewählt hat, oft ist es der Verlag, nicht die Person, die das Buch geschrieben hat. Ich mag jedenfalls ihren Stil.

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