Der Historiker

Diesen wirklich dicken Schmöker von Elizabeth Kostova habe ich sehr gern gelesen und empfehle ihn allen, die intelligent gemachte Vampir-Geschichten mögen, er ist auf jeden Fall einer meiner Favoriten des Genres.

Die Autorin hat gründlich recherchiert und webt aus den umfangreichen Quellen und der Forschungsliteratur rund um Vlad III., der den sprechenden Beinamen „der Pfähler“ trägt, einen spannenden, wenn auch etwas komplizierten Plot. Allerdings kann man ihm leicht folgen, obwohl er auf mehreren unterschiedlichen Zeitebenen spielt und es außer der namenlosen Erzählerin auch noch deren Vater als Erzähler gibt, dessen Doktorvater sowie jede Menge Nebenfiguren, die entweder selbst das Ihre zu der Geschichte erzählend beitragen oder auf weitere Quellen wie Briefe und Dokumente verweisen.

Die Geschichte entwickelt sich aus der Perspektive der jungen Erzählerin, die in der Bibliothek ihres Vaters auf ein altes Buch und mehrere Briefe stößt, die ihre Neugier wecken. Sie ist als äußerst wohlbehütetes Kind im Hause ihres Vaters, einem Historiker namens Paul, aufgewachsen, ihre Mutter gilt als tot. Als sie ihren Vater darauf anspricht, erzählt dieser ihr widerstrebend und nur häppchenweise von seinen Forschungen zu Vlad III., der die historische Vorlage zu Bram Stokers Dracula ist. Aber er ist nicht der Einzige, der sich für dieses ungewöhnliche Gebiet der Geschichte interessiert. Faszinierend und glaubhaft wird geschildert, wie mehrere, im Grunde nüchterne Geschichtswissenschaftler in den Sog der Vampirforschung geraten und ganz konkret während ihrer Nachforschungen bedroht werden. Sie alle eint der Fund eines Buches und die Befürchtung, dass mehr als nur ein Körnchen an der Legende um Dracula wahr sein könnte.

Dabei reisen sie alle kreuz und quer durch Europa: England, Frankreich, die Türkei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien – immer auf der Suche nach weiteren Informationen und dem echten Grab von Vlad Tepes. Bei den Reisebeschreibungen fallen besonders die ausgezeichneten Beobachtungen von Land und Leuten positiv auf, man hat das Gefühl, dass da wirklich gründlich recherchiert wurde. Auch sprachlich ist der Wälzer sehr gelungen. Außerdem ist er spannend, ohne in Gruselkitsch abzugleiten. Carpe noctem!

Erstmals erschienen im „Virtuellen literarischen Salon“.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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12 Antworten zu Der Historiker

  1. Klausbernd schreibt:

    Ich finde das sehr informativ, was du schreibst und fein zu lesen, aber mir ist es peinlich, dass plötzlich mein Like-it immer gleich doppelt erscheint – aber du hast es verdient.
    Liebe Grüße vom Meer und noch einen angenehmen Abend
    Klausbernd

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Danke, lieber Klausbernd : ) Vielleicht ist es nur ein Darstellungsfehler? Bei mir erscheint dein Like einfach oder gar nicht … hmmmm.
      Hach, du Glücklicher, am Meer zu leben, dahin nach einem schönen Urlaub wieder zurückzukehren – home, sweet home! Liebe Grüße & einen gemütlichen Abend auch dir!

  2. elfboxbuecher schreibt:

    Ich habe „der Historiker“ vor längerem als Hörbuch gelauscht. Noch besser als das hat mir „Fiebertraum“ von George R.R. Martin gefallen. Vielleicht magst du dir mal die Hörprobe anhören http://www.audible.de/pd/B004V0ACZS
    Herzliche Grüsse
    Claudia Fanara

  3. Harald schreibt:

    Überaus lesenswerte, spannende und wohlrecherchierte Geschichte um den berühmten „Blutsauger“, die sich wohltuend von der zeitgenössischen „Vampir-Grütze“ abhebt. Meine Rezension dazu – übrigens eine der ersten im Biblionomicon – findet sich hier: http://biblionomicon.blogspot.de/2007/09/wie-umberto-eco-unsterblichen-bei-der.html

    Viele Grüße und vielen Dank für Deine Eindrücke,
    Harald

  4. Gregor schreibt:

    Bist du eigentlich ne Maschine? Wer kann denn so schnell lesen?
    Oder sind das alles 100 Seiten Bücher?
    LG

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Nein, lieber Gregor, das sind Buch-Tipps aus dem „Virtuellen literarischen Salon“, die ich aufs Blog und in euer Bewusstsein hieven wollte. Ready mades sozusagen ; ) Ich lese zwar sehr schnell, aber sooo schnell nun auch wieder nicht.

  5. buzzaldrinsblog schreibt:

    „Der Historiker“ ist eigenlich nicht mein Genre, habe das Buch aber vor einigen Jahren auch förmlich verschlungen und sehr gerne gelesen.
    Ich finde es toll, liebe Petra, dass du mit deinen momentanen Besprechungen einige Erinnerungen an längst gelesene Bücher wieder hervorholst bei mir. 🙂

  6. buchstabenchaos schreibt:

    „Der Historiker“ ist wirklich ein tolles Buch, ich habe ihn förmlich verschlungen. Aber jetzt mal ganz allgemein: danke für deine tollen Blogposts, ich war jetzt mal so dreist und hab‘ dir einen Link gesetzt! Schönen Adventssonntag wünsche ich dir!
    Christine

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Das freut mich, liebe Christine, danke dir! Ich wünsche dir auch einen schönen, gemütlichen Adventssonntag. Hier ist jetzt auch der Schnee angekommen, das gefällt mir sehr : ) Liebe Grüße!

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