Zeitungsfrühstück, Folge 58

Willkommen zum Zeitungsfrühstück! Euch erwarten diverse Häppchen meiner persönlichen Highlights aus dem Zeitmagazin sowie dem Reiseteil und dem Feuilleton der Zeit. Und so kurz vorm Fest gibt es auch ein paar Buch-Tipps – ob sie euch die Geschenkewahl erleichtern oder erschweren werden, vermag ich indes nicht zu sagen ; )

Foto: (c) Gerda Kazakou

Foto: (c) Gerda Kazakou

Das Zeitmagazin hat sich in der aktuellen Ausgabe (Nr. 50 vom 6.12.2012) dem Thema Konkurrenz verschrieben. Dazu eine Frage: Welches Medium würde euch spontan einfallen, wenn es um die Konkurrenz der Zeit geht? Bei mir war es der Spiegel, auch deswegen, weil man hier wie dort gern kleine Spitzen gegen das jeweils andere Medium findet. Überraschenderweise aber wird die Süddeutsche ins Feld gerückt. Allerdings mag die Leserstruktur ähnlich sein und beide haben ein beliebtes Magazin. Und, nun ja, wenn man sich seine Feinde aussuchen kann, dann natürlich lieber welche, die man besonders respektiert, denn Respekt zeigt sich bei jeder Erwähnung, von liebevoll bis leicht ironisch.

So widmet sich denn auch Harald Martenstein in seiner Kolumne seinem Konkurrenten Axel Hacke, der ebenfalls Kolumnen für die SZ verfasst. Gute Idee: Hacke antwortet am Ende (kurz) auf Martensteins scheinbare Lobeshymne und demaskiert die dezenten Angriffe. Die „Deutschlandkarte“ visualisiert Konkurrenten innerhalb Deutschlands und Christoph Niemann illustriert einen Plan Richtung Sinn des Lebens. Wie der Hinweis im Kleingedruckten besagt, gibt es auch im SZ-Magazin eine Doppelseite zu diesem Thema. Amüsant auch die „Facebook-Schlacht“ zwischen Zeitmagazin und SZ-Magazin. Aber wir sehen an den diversen konzertierten Aktionen, dass es sich um eine eher freundliche Konkurrenz zwischen den beiden Magazinen zu handeln scheint. Respektable Konkurrenten werten einen vielleicht selbst mehr auf, als jene, denen man wenig Achtung entgegenbringt.

Im Reiseteil gab es zwei Artikel, die ich besonders „zeitgemäß“ fand: „Analog am Strand“ ist ein Interview mit Louise Gillespie-Smith, die als Digital Detox Coach Menschen im Urlaub in der Karibik dabei unterstützt, ohne technische Geräte klarzukommen. In unserem letzten Urlaub in der Normandie haben wir ja so gut wie gar nicht unsere Eifone genutzt und hatten nicht einmal unsere Laptops dabei. Ganz ohne professionelle digitale Entgiftung fiel uns das kein Bisschen schwer. Im anderen Beitrag „Herausgeputzt fürs Wochenende“ von Susann Sitzler geht es um das Angebot des Hotels Ellington in Berlin, dort zu wohnen, während das Personal vom Hotel die (Berliner) Wohnung putzt – wer will, kann auch gleich das Auto waschen lassen. Famose Idee, wie ich finde! Spart den samstäglichen Hausputz und gibt Muße fürs Flanieren durch die eigene Stadt. Allerdings eher etwas für den größeren Geldbeutel.

Der Schwerpunkt des Feuilletons liegt diesmal auf Computerspielen. Ich spiele noch ganz gern Mahjong am Rechner, aber das war es schon. Einst liebte ich Tetris, das ich abwechselnd mit meinem Liebsten an seinem Rechner spielte, und ich denke noch heute voll Stolz daran, dass ich die Erste war, die einen „Overflow“ erreichte. Damals nämlich zählte das Spiel, wenn man die 32768-Punkte-Grenze überschritt, wieder rückwärts herunter. Minuszahlen waren also das, was wir beide erreichen wollten. Danach versenkte ich mich viele Stunden und Wochenenden in Computerspiele, bei denen man Verkehrswege und Städte anlegte (Railroad Tycoon?). Überhaupt gefielen mir Spiele, bei denen es ums Gründen von Städten, Hotels oder gar Zivilisationen ging. Baller- oder Abenteuerspiele reizten mich dagegen nie. Ich war genervt, als man bei einem dieser Zivilisationsgründungsspielchen (ich kenne nicht mal die korrekte Bezeichnung dafür) plötzlich doch zu kämpfen hatte, nämlich gegen andere Zivilisationen. Das war das Ende meiner Spielerkarriere.

Im Artikel „Ort und Örtchen“ bespricht Adam Soboczynski das neue Werk von Peter Handke sowie seinen Briefwechsel mit Siegfried Unseld. Da der lesenswerte Artikel noch nicht online ist, hier der Link zu einer Besprechung bei der Durchleserin, die Handkes Versuch über den Stillen Ort bereits gelesen hat.

Dann gibt es noch ein schwaches Interview mit Jude Law, der in der neuen Anna-Karenina-Verfilmung den Karenin gibt. Moritz von Uslar stellt darin Fragen, die ich bestenfalls in einem Frauenmagazin oder einem Tratschblatt erwartet hätte. Dennoch witzig zu lesen, weil der Schauspieler cool, hintersinnig-witzig und vernünftig antwortet.

Da die Buchempfehlungen der Zeit-Mitarbeiter für den Weihnachtseinkauf nicht online sind, empfehle ich euch einfach selbst welche, die ich 2012 las – eingeordnet in die Rubriken, die sich die Zeit überlegt hat:

Leicht zu lesenHudson River Bracketed / Ein altes Haus am Hudson River von Edith Wharton und Die süße Einsamkeit von Irène Némirovsky

Für fortgeschrittene Leser The Sense of an Ending von Julian Barnes

Für politisch interessierte LeserDer Hase mit den Bernsteinaugen von Edmund de Waal

Ein Buch, dessen Bilder und Ausstattung gefallen Marcel Proust. Sein Leben in Bildern und Dokumenten von Mireille Naturel

Auch für junge LeserAbstract City. Mein Leben unterm Strich von Christoph Niemann

WiederentdecktDie drei Bücher von Helene Hanff: 84, Charing Cross Road. Eine Freundschaft in Briefen, Die Herzogin der Bloomsbury Street. Eine Amerikanerin in London und Briefe aus New York. New Yorker Geschichten

Und noch ein paar von mir erfundenen Rubriken:

Für Anglistinnen The Marriage Plot von Jeffrey Eugenides

Für Proust-FansMonsieur Proust von Céleste Albaret und Marcel Proust’s Search for Lost Time: A Reader’s Guide to The Remembrance of Things Past von Patrick Alexander

Für Küchentheroretiker Fein gehackt und grob gewürfelt. Der Pedant in der Küche von Julian Barnes

Für Müßiggänger und FlaneureErmunterung zum Genuß von Franz Hessel undFlaneur in Paris von Guillaume Apollinaire

Für SammlerSammlerwelten von Caroline Clifton-Mogg

Für KunstinteressierteMontparnasse und Montmartre: Künstler und Literaten in Paris zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Dan Franck und Der Mona Lisa Schwindel von Deborah Dixon

Für Fans kürzerer FormenEin Protest gegen die Sonne von Steven Millhauser , Alles von Allen und Tschechow in Sondrio von Aldo Buzzi

Für SesselreisendeDoktor Oldales geographisches Lexikon von John Oldale

Für Biographie-FansDie Wörter von Jean-Paul Sartre und Susan Sontag. Geist und Glamour von Daniel Schreiber

Euch noch einen gemütlichen Sonntag!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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8 Antworten zu Zeitungsfrühstück, Folge 58

  1. Susanne Haun schreibt:

    Danke für die vielen Hinweise und einen schönen 2.Advent!

  2. Tsts. Ich bin ja ziemlich entsetzt – nicht über deine Buchvorschläge, die sich, soweit ich sie noch nicht kenne – klasse anhören. Nein, weil Jude Law Karenin spielt. Immerhin habe ich ihn im Trainler gar nicht erkannt. Nun, ich werde mich überraschen lassen… (Kira Knightley als Anna Karenina haut mich tatsächlich auch nicht um…) LG Mila

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      : ) Jude Law habe ich eigentlich schon als guten Schauspieler erlebt. In jungen Jahren war er ja im „talentierten Mr. Ripley“ zu sehen, später, wieder in einer Nebenrolle, aber ganz anderer Art, gefiel er mir in „Gattaca“ sehr gut. Ich hatte das Gefühl, dass ihm sein Aussehen möglicherweise im Weg war. Als Karenin, inzwischen ist er ja selbst an die Vierzig, kann ich ihn mir jedenfalls besser vorstellen denn als den jugendlichen Liebhaber. Die Zeit dieser Rollen ist ja nun langsam für ihn – man möchte fast sagen zum Glück, vorbei. Allerdings hätte ich mir eine andere Schauspielerin für die Anna gewünscht. Aber da sind sicher Erwägungen im Spiel gewesen, die mit zugkräftigen Namen, die die Kinokassen füllen etc. zu tun haben. Immerhin haben sie nicht Scarlett Johannson genommen ; ) Die könnte allerdings mal die „Madame Bovary“ spielen … Man müsste sich allerdings beeilen, die Damen werden ja auch nicht jünger. Liebe Grüße!

  3. Frau Blau schreibt:

    aufgrund deiner Proustbegeisterung habe ich soeben entschieden, dass er nun bald auch zu mir kommen soll … bin gespannt!
    danke für deine vielen, vielen Tipps und diesen feinen Artikel
    herzliche Grüße Ulli

  4. durchleser schreibt:

    eine wundervolle Idee, die Kategorien der Buchempfehlungen aus der „Zeit“ zu übernehmen! Einfach grandios! Ja und vielen Dank für die Verlinkung zu Durchlesers Empfehlungen, das ehrt mich sehr! Literarische Grüsse aus Paris sendet Durchleserin!

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