Ein Koffer voller Träume

Dieser Roman von Kate Alcott hat leider einen etwas kitschigen Titel abbekommen. Im Original heißt er ganz einfach und passend The Dressmaker – und darum geht es auch. Unter anderem. Der Roman ist leicht, aber nicht seicht und eigentlich auch nicht kitschig. Vermutlich eher für Frauen als für Männer geeignet. Ich habe ihn jedenfalls gern und in einem Rutsch gelesen.

Die Handlung beginnt 1912 in Cherbourg. Die junge Tess ist als Dienstmädchen angestellt und träumt von einer Karriere als Modedesignerin. Sie ist durchaus begabt und beschließt, ihre Stelle aufzugeben und das nächste Schiff nach New York zu nehmen, um dort ihr Glück zu versuchen. Dann folgt eine etwas konstruierte Szene: Sie schafft es nämlich auf die Schnelle, eine Stelle bei der Modedesignerin Lady Lucile Duff Gordon zu bekommen, deren Schneiderin die Reise abgesagt hat. Und das kurz vor der Modenschau von Lady Luciles Salon in New York. Gemeinsam mit Lady Lucile besteigt Tess das Schiff – es ist unglücklicherweise die Titanic. Das Schicksal des Schiffs ist ja hinlänglich bekannt und ich fürchtete nun Kitsch wie in jenem gleichnamigen Film, doch das erspart uns die kluge Autorin, die übrigens auch als Journalistin arbeitet und sehr gut recherchiert hat.

Der Untergang steht weniger im Mittelpunkt als die sich anschließende Untersuchung, warum so wenige Menschen das Unglück überlebt haben und wieso in gewissen Rettungsbooten nur 12 Menschen saßen, obwohl sie für 40 ausgerichtet waren. Dabei spielen die Modedesignerin und ihr Mann eine unglückliche Rolle. Doch Lucile schafft es immer wieder, Tess für sich einzunehmen. Die junge Frau will schließlich Karriere machen und mag ihre Arbeitsgeberin trotz ihrer Charakterschwächen und Launen.

Natürlich gibt es auch eine oder zwei Liebesgeschichten: Bereits auf dem Schiff lernt Tess zwei gleichermaßen attraktive Männer kennen. Der eine ist sehr reich und bereits vor seiner dritten Scheidung. Der andere ist arm, hat allerdings Talente, die es ihm in Amerika möglich machen werden, seinen eigenen Weg zu gehen. Doch ausgerechnet er hält Tess immer wieder vor Augen, in welch schlechter Gesellschaft sie sich in der vorgeblich guten der Duff Gordons befindet.

Sicher ist der Roman ein bisschen vorhersehbar. Mir gefielen besonders die historischen Beschreibungen der Untersuchung oder auch der aktuellen Umstände (Suffragettenmarsch, Modeszene etc.). Mein Fazit: Ein prima Schmöker für gemütliche Winterabende auf dem Sofa.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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2 Antworten zu Ein Koffer voller Träume

  1. Klausbernd schreibt:

    Es ist erstaunlich, wie viele Romane auf den Untergang der Titanic Bezug nehmen und natürlich auch, wie viele Mythen sich darum rankeln. Ich habe vor kurzem „Choral am Ende der Reise“ von Fosnes Hansen zum gleichen Thema gelesen. Das ist vielleicht die Männerversion 😉 Auf jeden Fall werde ich mir „The Dressmaker“ mal genauer betrachten.
    Danke für deinen Hinweis
    Klausbernd

  2. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Das ist wahr, lieber Klausbernd! Dieser Roman hier ist sicher nicht gerade eine Männerversion, er ist schon eher romantisch … Aber lass dich nicht abhalten! Auch ganz gut gefiel mir der Zeitreisenroman „Im Strom der Zeit“ von Jack Finney. Die Titanic spielte auch hier eine wichtige Rolle. Dessen Vorgänger, „Time and again“, war allerdings noch besser und enthält überdies viele wunderbare alte Fotos aus New York. Liebe Grüße!

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