Eine Biographie zu Erik Satie

Aufmerksamen Bloggästen wird nicht entgangen sein, dass ich den französischen Komponisten Erik Satie sehr schätze. Vor einiger Zeit schrieb ich über mein Interesse an den „Trois morceaux en forme de poire“ (Drei Stücke in Birnenform) und in Honfleur war ich entzückt von den Maisons Satie. Nun habe ich eine kleine Biographie von Grete Wehmeyer über ihn gelesen, die mir sehr gut gefallen hat.

Meine „Satie-Sammlung“ – sehr klein, aber mir sehr lieb, Foto © Petra Gust-Kazakos

Meine „Satie-Sammlung“ – sehr klein, aber mir sehr lieb, Foto © Petra Gust-Kazakos

Die Biographie ist in der rororo-Reihe der Monographien erschienen und bietet bei aller Kompaktheit erfreulich erhellende Einblicke in Saties Leben und Schaffen. Dazu natürlich viele Fotos von ihm, seinen Zeitgenossen, von Aufführungen und Notenblättern, auch von Zeichnungen und Texten aus Saties Feder, denn – und das fand ich sehr interessant – viele seiner Kompositionen müssten eigentlich mit passendem Text und Bildern aufgeführt werden, was vermutlich selten bis gar nicht vorkommt. Doch, wie die Autorin anhand vieler Beispiele nachweist, bleiben bei gewöhnlichen Musikaufführungen eigentlich sein Witz, seine „ganzheitliche Denkweise“, die sich darin zeigt, dass er mehrere Künste in ein Gesamtkunstwerk integrierte (und eben nicht nur seine Komposition), eigentlich dem Publikum vorenthalten.

„Sports et divertissements“ nennt die Autorin als Beispiel, denn bei den zwanzig Stücken kommen zu den Noten auch Texte von Satie und Zeichnungen von Charles Martin. Überhaupt begann es wohl mit den Zeichnungen, zu denen Satie lauter kleine Geschichten erfand. So entstanden zwanzig Gedichte. „Dann komponierte er zu den Zeichnungen und Texten Musik, die tonmalerisch auf das Thema überhaupt wie auch minutiös auf die im Text erwähnten Einzelheiten eingeht. Das Einmalige dieser Stücke ist, daß Satie in vielen Fällen sein Notenbild so anlegt, daß es optisch den Hauptlinien der Zeichnung entspricht“, schreibt Grete Wehmeyer [Erik Satie, S. 79] – faszinierend, nicht wahr?

Seine Witz, seine Ironie zeigen sich sicher auch in der Komposition der „Vexations“, der „Quälereien“, die 840 mal wiederholt werden sollten (gewiss eine Quälerei), sowie in seiner Idee, seinen Kompositionen selbst erfundene Spielanweisungen beizugeben. Also statt „piano“ Anweisungen wie „mirifique e convenable“ (großartig und angemessen). Darunter kann man sich doch gut die von ihm gewünschte Spielweise vorstellen. Übrigens scheint die deutsche Übersetzung „Drei Stücke in Birnenform“ nicht den ganzen und von Satie gemeinten Sinn des französischen Originaltitels zu transportieren, wie die Autorin ausführt. Denn „poire“ kann auch „Dummkopf“ bedeutet, weswegen „en forme de poire“ richtiger zu übersetzen wäre mit „nach Art eines Dummkopfs“ [Erik Satie, S. 65f.].

Mag Satie auch nicht die „typische“ Komponisten-Laufbahn mit Erfolgen am Konservatorium absolviert haben, so ist er für mich dennoch ein großartiger, einfallsreicher und einflussreicher Künstler. Und wie ich nun dank der Biographie weiß, ein sehr vielseitiger noch dazu. Vielleicht war er seiner Zeit voraus, wie seine Idee zeigen mag, Musik zu komponieren, die nur im Hintergrund wahrgenommen werden sollte wie eine Tapete, die Musique d’ameublement. Wer beispielsweise gern chillige Musik hört, musikalische Klangtapeten, weiß nun, wo dies seinen Anfang genommen haben mag.

„Je suis venu au monde très jeune dans un temps très vieux“ (ich bin sehr jung in einer sehr alten Zeit auf die Welt gekommen), schrieb Satie unter eine von sich selbst gezeichnete Büste. Eine kluge Einschätzung. Wen wundert es da, dass seine Zeit ihn noch nicht genug zu würdigen wusste und er trotz seiner Produktivität und guten Kontakten in großer Armut lebte?

Mein Fazit zur Biographie: Ein sehr guter Einstieg für Satie-Fans und solche, die es werden wollen.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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