The Go-Between

Dieser 1953 erstmals erschienene Roman war der erfolgreichste des englischen Schriftstellers Leslie Poles Hartley (1895-1972). Die Ausgangssituation erinnerte mich ein wenig an Abbitte, wo ebenfalls ein Kind zum Postillon d’amour zweier Menschen unterschiedlicher Stände wird und eine Tragödie auslöst. Aber da enden auch schon die Gemeinsamkeiten.

Leo Colston, ein Mann in den Sechzigern, stöbert in seinen Erinnerungen und denkt an die Zeit, als er mit 12 Jahren in einem Internat war, sich dort mit Marcus Maudsley anfreundet und von ihm für ein paar Sommerwochen in dessen Haus eingeladen wurde. Offensichtlich steht Marcus gesellschaftlich über Leo, die ganze Familie ist versammelt und erscheint dem Gast wie eine Horde lebenslustiger, reicher, amüsanter, ja gottgleicher Wesen. Sie führen ein Leben, das er noch nie kennengelernt hat, aber unbedingt faszinierend findet. Da Marcus erkrankt und ein paar Tage im Bett bleiben muss, streift Leo allein herum und wird von Marcus‘ Schwester Marian mit Botschaften zu einem der Pächter, Tom, gesandt. Hin und her fliegen die Briefe, und lange versteht Leo nicht, dass es in ihnen ganz und gar nicht um „Geschäftliches“ geht, wie die beiden behaupten. Marian ist ihm unter all den edlen Geschöpfen die schönste und liebste Göttin, ihren künftigen Verlobten Hugh, den Lord, verehrt er nicht nur, weil er ein kleiner Snob ist, den Pächter Tom mag er ebenfalls sehr. Leo will keinem von ihnen schaden, sich aber auch nicht ausnutzen lassen. Er lernt eine Menge über die Liebe, über standesgemäße Heiraten und über Gefühle, die sich davon nicht beeinflussen lassen. Da er mit niemandem über die unselige Konstellation sprechen kann, beschließt er, selbst Schicksal zu spielen.

Ein schöner, wehmütiger Roman.

Erstmals erschienen im „Virtuellen literarischen Salon“.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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6 Antworten zu The Go-Between

  1. Klausbernd schreibt:

    Danke für die kurz und bündige Rezension.
    Zumindest hier in Nord Norfolk geht es genauso zu, wie der Roman es beschreibt. Liebe über Klassengrenzen hinweg? Oh dear, we are not in a novel, aren`t we? Der Roman ist ein Lehrstück über engl. Klassengrenzen auch für den ausländischen Leser. You will be amazed, I promise.
    Liebe Grüße von der sonnig aber kalten Küste
    Klausbernd

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Lieber Klausbernd – ist das echt heute noch so im schönen Norfolk? Sieh mal an, das klingt für mich so lange her … Liebe Grüße aus dem seeeehr kalten Südwesten. Und am Wochenende soll es regnen, Schnee wäre mir lieber gewesen ; )

      • Klausbernd schreibt:

        Ja, liebe Petra, in der Tat ist es so. Die Engländer (in Norfolk) sind in Beziehung auf die Liebe über Klassengrenzen so pragmatisch wie strikt. Dem Prinzip erliegend, je älter der Mann, je törichter die Liebe, hatte ich mich vor Jahren in die Barfrau des Pubs am Ort verliebt. Daraufhin wurde ich von meiner Nachbarin zum Dinner geladen, bei dem sie mir freundlich erklärte, dass sie das gut verstehen könne, aber so etwas mache man hier nicht, da es eh nicht freudvoll ausgehen würde. Aber in zwei Wochen kämen zwei Freundinnen von ihr aus gutem Hause vorbei, beide Singles, es wäre ihr eine Freude mich dazu einzuladen.
        Das sagt doch alles, oder?
        Liebe Grüße vom kleinen Dorf am großen Meer
        Klausbernd

      • Petra Gust-Kazakos schreibt:

        Das ist ja eine Geschichte, lieber Klausbernd! Das würde doch Stoff für einen Roman abgeben : ) Erst, wenn es solche Grenzen gibt, kann man sie (schreibend) überschreiten und das Thema bleibt aktuell. Ich denke auch, dass derartige Grenzen noch in vielen Köpfen existieren, auch wenn man sich heute lieber liberal gibt …
        Liebe Grüße!

  2. Dina schreibt:

    Hartley kannte ich niicht, danke für den Hinweis, liebe Petra,
    jetzt hast du mich neugierig gemacht. 🙂
    Dank, dass du mich in deinem Bloroll aufgenommen hast. Ich habe dich jetzt auch aufgenommen, das war lange fällig, aber man kommt ja zu nichts… 🙂
    Habe ein feines Wochenende.
    Liebe Grüße
    DIna

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Das freut mich, liebe Dina, dass der Buch-Tipp dich neugierig gemacht hat. Ich kannte den Autor auch nicht, schön, dass er wieder aufgelegt wurde.
      Danke fürs Aufnehmen : ) Und auch dir ein ganz feines Wochenende & liebe Grüße!

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