Die Entbehrlichen

Eine ausgezeichnete Entdeckung war für mich dieser Roman von Ninni Holmqvist. Er spielt in nicht allzu ferner Zukunft und die Autorin greift unheimlich raffiniert ein Thema auf, das mir in letzter Zeit ein bisschen in der Luft zu liegen scheint. Das hat vermutlich was mit den Diskussionen um die finanzielle Entlastung von Familien und die Belastung der Kinderlosen zu tun, den Diskussionen über den Egoismus kinderloser Paare und die lobenswerten Bemühungen kinderreicher Familien, die für den Fortbestand unserer Art und unserer Rente sorgen. Unabhängig davon, dass ein großer Teil der Kinderlosen vielleicht gar keine echte „Wahl“ hat.

Die zukünftige Gesellschaft jedenfalls hat das Problem auf ihre Weise gelöst und die Frage, wer was wert ist, mehr als beantwortet. Frauen und Männer, die keine Kinder, keinen Partner und keinen gemeinnützigen Job haben, sind „Entbehrliche“ und werden ab 50 (Männer ab 60) in eine Institution verbracht, wo es ihnen an nichts fehlt. Außer mit der Zeit an einigen Organen, die sie den „Benötigten“ spenden müssen. Und natürlich an Freiheit, denn sie dürfen die Institution nie wieder verlassen und müssen für wissenschaftliche Experimente zur Verfügung stehen, um wenigstens so noch sinnvoll für die Gesellschaft zu sein. Die „Endspende“, bei der lebenswichtige Organe entnommen werden, beschließt ihren Aufenthalt mit dem Tod.

Das Ganze klingt zunächst einmal unwahrscheinlich und skurril, wird aber so trocken, anschaulich und werblich beschrieben, dass man zuweilen sogar die Insassen um ihr Luxusleben ein Stück weit beneiden könnte, wären da nicht die unangenehmen Randbedingungen. Ähnlich empfindet auch die Hauptfigur Dorrit Wegner, bis eines Tages das Unmögliche passiert: Sie wird schwanger. Ist dies das Ende des Alptraums?

Ein beklemmender Roman. Was seine Bedeutung betrifft, so ist er in eine Reihe zu stellen mit Bradburys Fahrenheit 451, Orwells 1984 oder auch Huxleys Schöne neue Welt.

Erstmals erschienen im „Virtuellen literarischen Salon“.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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5 Antworten zu Die Entbehrlichen

  1. Du hast aber viel gelesen über die Feiertage, liebe Petra. Dieses Buch klingt sehr beklemmend und spannend. Danke für den Tipp. Dann auf weitere Entdeckungen durch dich. LG Mila

  2. Hallo nochmal, dieses Buch habe ich hier noch ungelesen liegen. Vielleicht bin ich sogar über dich darüber gestolpert, ich weiß es gar nicht mehr. Dein erneutes ins Gedächtnis rufen, lies mich nun glatt suchen und stöbern und ganz nach oben auf den Lesestapel räumen. Danke dafür!

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