Die Ringe des Saturn

Dieses Buch von W. G. Sebald hat mich von der ersten Zeile an hingerissen: Sprachlich wunderbar, voller Poesie, dabei höchst informativ, wenngleich die Informationen, die man erhält, oft nur über verschlungene Pfade etwas mit der englischen Wallfahrt zu tun haben, auf die sich der Erzähler begibt.

Reisebericht, Geschichtsbuch, persönliche Wallfahrt zu Orten einstiger Bedeutung, ein Buch voller Erinnerungen, eigener und fremder, die sich um die eigentliche Erzählung von der Wanderung des Erzählers legen. Er führt uns durch die zuweilen triste Schönheit von East Anglia, erzählt von den Orten, die er besucht, lässt deren Geschichte als beliebte Reiseziele vor unserem geistigen Auge erstehen, aber er erzählt auch von ihrem Verfall, ihrem Rückfall in die Bedeutungslosigkeit.

Dies nicht nur in der Art eines Reiseführers, sondern indem er seine Reise mit den Biographien der erstaunlichsten Menschen und geschichtlichen Ereignisse verknüpft – erstaunlich insofern, als man sich zunächst nicht erklären kann, was beispielsweise der Schriftsteller Joseph Conrad (Heart of Darkness), der Seidenhandel oder der Opiumkrieg mit Orten im Nordosten Englands zu tun haben könnten. Aber alles fügt sich zu einem kunstvollen Reisebericht, der weit mehr bietet, als die poetische Beschreibung einer Wanderung. Die Weite der Landschaft, der Fokus auf Details, das nah Herangehen und der große Überblick, Persönliches und Historisches, Wunderliches und Verwerfliches, die Schönheit des Verfalls und die Ungerechtigkeit der Geschichte verbunden zu einem einzigartigen Buch. Mit diesem Buch nahm ich Sebald endgültig und für alle Zeiten auf in den Olymp meiner Lieblingsautoren.

Erstmals erschienen im „Virtuellen literarischen Salon“.

Kleiner Nachtrag: Auf dem wunderbaren Blog Sichten und Ordnen gibt es einen Beitrag über eine Art persönliche Sebald-Wallfahrt, die mir sehr gefallen hat. Auch Klausbernd berichtet in seinem Blog von einem Besuch des Ortes Wertach. Gibt man als Suchbegriff Sebald bei ihm ein, finden sich etliche interessante Artikel über ihn auf seinem Blog.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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10 Antworten zu Die Ringe des Saturn

  1. mrscoffee schreibt:

    Liebe Philea,
    dankeschön für die interessanten Links. Ich habe die Ringe des Saturn vor einigen Jahren gelesen und war ebenfalls begeistert. Alles Gute für 2013!
    Viele Grüße mrscoffee

  2. Magister Somnus schreibt:

    Liebe Philea,
    an dieser Stelle möchte ich dir für die interessanten Beiträge in 2012 danken. Dir persönlich wünsche ich ein gesundes neues Jahr und Glück auf deinen Wegen. Den Herrn Seebald habe ich über seine Vorlesungen über Literatur und Luftkrieg kennen und schätzen gelernt. Ich liebe die Melancholie, die seine Werke durchzieht.
    Herzliche Grüße aus Berlin

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Lieber Magister Somnus, hab herzlichen Dank für deine netten Worte und guten Wünsche! Ich hoffe, 2013 wird für dich ein richtig gutes Jahr mit vielen schönen Erlebnissen und Begegnungen.
      Hattest du Vorlesungen bei Sebald besucht? Das war bestimmt sehr interessant und beeindruckend! Liebe Grüße!

      • Magister Somnus schreibt:

        Liebe Philea,
        dir auch (verspätet) eine gutes Jahr 2013, mit vielen interessanten Büchern.
        Nein die Vorlesungen habe ich nicht besucht, ich bin auf Seebald durch die Nachrufe in den Feuilletons aufmerksam geworden. Ihm verdanke ich die Entdeckung Gert Ledigs, ein Tip falls dir unbekannt.
        Herzliche Grüße aus der märkischen Schweiz
        Georg

  3. Klausbernd schreibt:

    Danke liebe Philea, dass du die Artikel zu Sebald auf meinem Blog erwähnt hast. Ja, ich fühle mich Sebald auch aus äußerlichen Gründen verbunden, da er ja in meiner Nähe lebte und schrieb und der Coast Path, auf dem er wandert, geht an meinem Haus vorbei. Ich bewunderte an „Die Ringe des Saturn“, wie Sebald so viel Wissen in diesen Roman verpackt hat, ohne dass er unleserlich wurde.
    Vielen Dank für deine Rezension
    Klausbernd
    Ich verlinke dich bei meinem Sebald auch.

  4. Pingback: W.G. Sebald « kbvollmarblog

  5. Sofasophia schreibt:

    wieder da und online 🙂

    auf ein gutes neues (blog)jahr und alles liebe für dich und deine lieben!
    herzlich, soso

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