Ediths Tagebuch

Bei diesem Roman von Patricia Highsmith fängt alles ganz harmonisch an: Edith zieht mit ihrem Mann Brett aufs Land in ein hübsches Haus. Alles läuft bestens, nur ihr Sohn Cliffie entwickelt sich nicht ganz so, wie seine intellektuellen und liebevollen Eltern sich das erhofft haben. Mit der Zeit entwickeln sich auch verschiedene andere Dinge in eine unerwünschte Richtung. Edith fühlt sich verpflichtet, den bettlägerigen Onkel ihres Mannes zu versorgen, ihr Mann empfindet plötzlich mehr für eine andere – nach und nach zerbricht die heile Welt. Nur in Ediths Tagebuch, da wird das Leben immer schöner: Ihr Sohn besucht eine gute Schule, lernt eine wunderbare junge Frau kennen, führt ein mustergültiges, erfolgreiches Leben, das Leben, das sich seine Mutter für ihn erträumt hat. Die Realität und Ediths Scheinwelt entfernen sich immer weiter voneinander, bis Edith schließlich daran zerbricht.

Da Patricia Highsmith die Geschichte emotionslos erzählt, weckt sie erst recht die Gefühle der Leserinnen und Leser. Und da wir die Geschichte aus Ediths Perspektive sehen, verstehen wir zunächst nicht, warum es so problematisch sein kann, sich der Wirklichkeit zu entziehen. Das Buch ist ausgezeichnet geschrieben und die Entwicklung der Hauptfigur so nachvollziehbar, dass man lange nicht merkt, wohin das Ganze steuert. Ein Entwicklungsroman der anderen Art, sehr empfehlenswert!

Erstmals erschienen im „Virtuellen literarischen Salon“.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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2 Antworten zu Ediths Tagebuch

  1. Magister Somnus schreibt:

    Grandioses Buch, mein Lieblingswerk von Frau Highsmith

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