Flug der Pelikane

Benjamin Lebert machte vor gut zehn Jahren mit seinem ersten Roman Crazy von sich reden. Danach habe ich nichts mehr von ihm gelesen und war nun neugierig, wie er sich als Schriftsteller entwickelt haben mochte. Sehr gut, würde ich sagen. Der kleine (keine 200 Seiten) Roman ist spannend geschrieben, im Stil zwar manchmal ein bisschen naiv, sodass ich mich anfangs an seinen Jugendroman Crazy erinnert fühlte, aber gestört hat mich das nicht. Der Stil passt außerdem zu der Figur des Ich-Erzählers, der eine sehr aufgeschlossene Sicht auf die Welt und die Menschen, die er liebt und bewundert, braucht, um Jimmys Geschichte ernst zu nehmen.

Zur Story: Der junge Anton beschließt aus Liebeskummer, seinen Onkel Jimmy, der eigentlich ganz anders heißt und auch nicht sein Onkel, sondern ein früherer Liebhaber seiner Mutter ist, in New York zu besuchen. Er will etwas anderes sehen, etwas anderes erleben. Zunächst passiert nicht allzu viel. Da er in Jimmys Imbiss fleißig mitarbeitet, bekommt er kaum etwas von New York zu sehen. Immer wieder kleine Einsprengsel über die Gefängnisinsel Alcatraz. Und dann fügt sich alles zusammen: Im Jahre 1962 sind drei Männer aus Alcatraz geflohen. Sie wurden nie wieder gesehen und gelten als tot. Aber Jimmy ist davon überzeugt, dass sie es geschafft haben. Jahrelang hat er Material über die drei und ihren legendären Ausbruch gesammelt. Und jedes Jahr, so glaubt er, treffen sie sich an einem bestimmten Ort in New York. Und das seit 30 Jahren. Anton gerät immer mehr in den Sog dieser abenteuerlichen Geschichte und beginnt, auf eigene Faust die Sache zu verfolgen.

Sehr schöne Räuberpistole, gut komponiert und empfehlenswert.

Erstmals erschienen im „Virtuellen literarischen Salon“.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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