Kafka am Strand

Dieses Buch von Haruki Murakami legte mir einst ein Freund sehr ans Herz, ein ausgezeichneter Tipp und ein gut gewähltes Geschenk! Ein fabelhafter, oder besser: märchenhafter Roman, prall gefüllt mit einer außergewöhnlichen Mischung von Elementen aus Entwicklungsroman, Thriller, Mystery, Märchen, dabei durchaus nicht abgefahren oder „aus der Welt“.

Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven und von mehreren Ebenen aus erzählt. Da ist zunächst der 15Jährige Kafka Tamura aus Tokio, der von zu Hause weglaufen will. Nach und nach erfährt man von der lieblosen häuslichen Atmosphäre, davon, dass seine Mutter mit seiner Schwester schon vor langer Zeit den Vater verlassen hat, und von der beängstigenden Prophezeiung, Kafka werde seinen Vater töten und mit seiner Mutter und seiner Schwester schlafen. Kommt euch bekannt vor? Mir auch, aber hier wird nicht einfach eine Ödipus-Story auf modern nacherzählt, dies ist nur eines von zahlreichen Elementen aus den europäischen Mythen, die gekonnt mit japanischer Mythologie verwoben werden.

Als nächstes erfährt der Leser in Form eines Berichts von einer eigenartigen Begebenheit im Wald des Reisschalenhügels. Dorthin ging während des Krieges eine Lehrerin mit ihren 16 Schülern, die plötzlich alle bewusstlos wurden. Nach und nach erwachen sie, bis auf einen Jungen, der mehrere Wochen in dem eigenartigen Wachkoma verbringt und danach nicht mehr er selbst ist.

Der dritte Handlungsstrang erzählt von Nakata, der als Kind einen Unfall hatte und seither „schwach im Kopf“ geblieben ist. Seit diesem Unfall hat er die Fähigkeit, mit Katzen zu sprechen und arbeitet gelegentlich als Katzensucher für Leute, denen ihre Katze verloren gegangen ist. Auch Nakata hat eine Mission zu erfüllen, dabei trifft er auf den einfach gestrickten Fernfahrer Hoshino, der Nakata bei seinem großen Abenteuer begleitet, sich um ihn kümmert und so ein neues Leben für sich entdeckt.

Alle drei Personen zieht es in die gleiche Richtung, zu einer außergewöhnlichen Privatbibliothek, der Komura-Bibliothek in Takamatsu, wo sich ihre Schicksale kreuzen werden.

Ein wundervoller Schmöker für anspruchsvolle Leser mit Hang zum Ungewöhnlichen.

Erstmals erschienen im „Virtuellen literarischen Salon“.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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6 Antworten zu Kafka am Strand

  1. Auch bei mir gehört dieses Werk zu den Lieblingen, ganz allgemein und auch von Murakami im Besonderen. so verwundert es mich kaum, dass es auch dir so große Freude bereitet hat. Als Geschenk empfinde ich es durchaus als mutig, weil es eben doch speziell ist, vllt. Spezieller als andere Werke von Murakami, denn ich empfand es als noch märchenhafter als sein sonstiges Werk. Liebe Grüße und einen guten Rutsch!

  2. irrewirre schreibt:

    Das Buch steht immer noch auf meiner „Muss ich mal lesen“-Liste, vor allem nachdem ich vor einiger Zeit „Gefährliche Geliebte“ gelesen habe. Ich fand es in der Uni auf einem Tisch für Buchgeschenke. Ein Volltreffer! „Kafka am Strand“ ist ja kein unbekannter Titel, aber jetzt hast du mich wirklich neugierig gemacht und er wandert auf der Liste weiter nach oben.

  3. laura schreibt:

    „Kafka am Strand“ war damals mein Murakami-Erstling. Zum Glück bin ich dem Autoren treu geblieben, auch wenn ich in diesem Roman manches ziemlich mysteriös fand… Ich hab mir vorgenommen, ihn einfach mit mehr Murakami-Vorwissen nochmal zu lesen 🙂 Es freut mich, in dir eine weitere Murakami-Liebhaberin zu wissen! LG Laura

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ja, liebe Laura, der Roman ist wirklich sehr mysteriös, unheimlich fantasievoll. Wenn man ansonsten eher keine Bücher in dieser Richtung liest, kommt einem das vermutlich ziemlich „abgefahren“ vor. Ich freue mich aber, dass dich das nicht abgeschreckt hat : ) Ich hatte zuvor nur die „Gefährliche Geliebte“ gelesen, die ich verglichen mit diesem Roman sehr realistisch fand. Manchmal lese ich wirklich gern solche Romane, die die Grenzen überschreiten, so gefielen mir auch „PanAroma“ oder „Ein Gott der Frechheit“ sehr. Liebe Grüße!

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