Der wunderbare Massenselbstmord

„Am allerwichtigsten in diesem Leben ist der Tod, und auch der ist nicht wirklich wichtig“, heißt es gleich zu Beginn dieses unerwartet lustigen Romans von Arto Paasilinna.

Zwei Männer treffen sich zufällig in einer einsamen Scheune: Direktor Onni Rellonen und Oberst Kemppainen. Eigentlich wollten sie sich gerade umbringen, der eine mit einem Strick, der andere mit einer Pistole, aber das geht nun natürlich nicht mehr. Stattdessen reden sie miteinander, lange und ausführlich. So viel, wie sie vermutlich schon seit Jahren mit niemandem mehr geredet haben. Und sie fassen einen Plan: Schließlich gibt es jede Menge Lebensmüde in Finnland – warum sich nicht organisieren, gemeinsam reden, etwas unternehmen und am Ende gemeinsam sterben?

Anders als die eigentlich tragische Ausgangssituation vermuten lässt, entwickelt sich der Roman zu einer makaber-witzigen Butterfahrt in den Tod. Dabei sind die Suizidgefährdeten durch halb Europa unterwegs und finden immer neue Möglichkeiten, ihren Selbstmord noch ein klein wenig aufzuschieben. Denn obwohl alle genug traurige Geschichten erlebt haben, so erkennen sie auf einmal: Es gibt noch viel traurigere Geschichten, es gibt jede Menge Gleichgesinnte – und mit denen bekommen sie plötzlich wieder Lust auf das Leben.

Der Roman ist urkomisch, die Situation ist herrlich skurril! Es sind nicht die Menschen oder ihre Lebensmüdigkeit, über die sich Finnlands populärster Autor lustig macht, es ist die Absurdität des Lebens selbst. Denn sobald man über die Tragik lachen kann, bringt sie einen nicht mehr um. Ein Roadbook für neue Lebenslust.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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18 Antworten zu Der wunderbare Massenselbstmord

  1. Susanne Haun schreibt:

    Das hört sich mehr als urkomisch an, Petra, ich schreibe das Buch mal gleich auf meine Wunschliste ….
    LG Susanne

  2. Susanne Haun schreibt:

    Ohhhhh …. ich freue mich doppelt!
    Das Buch gibt es ungekürzt vorgelesen von Jürgen von der Lippe bei audible ….

  3. haushundhirschblog schreibt:

    Klasse!!
    „Butterfahrt in den Tod“ ist allerdings auch eine wunderbare Formulierung!
    Danke für Deine lustmachende Besprechung!
    Herzlich, mb

  4. IngridW schreibt:

    Hallo Petra, ich habe vor längerer Zeit „Im Jenseits ist die Hölle los“ von Arto Paasilinna gelesen. Dieser Roman hatte einen ähnlich rasanten Einstieg wie „Der wunderbare Massenselbstmord“, nämlich den Satz „Mein Tod kam für mich völlig überraschend“. Das Buch war recht amüsant, hatte dann aber doch so seine Längen. Die von Dir vorgestellten Titel kenne ich nicht. Schönes Wochenende, Ingrid

  5. irrewirre schreibt:

    Ich kenne das Buch nicht, aber das Hörspiel vom WDR und das war großartig. Weil ich das so toll fand, habe ich auch „Adams Pech die Welt zu retten“ gelesen, das ich leider nur teilweise gut fand. Aber irgendwo hier müsste auch davon noch die Hörspielversion rumstehen….

  6. Jarg schreibt:

    Ich liebe dieses Buch! Es ist zwar schon einige Jahre her, dass ich es gelesen habe, aber die absurde Gesichte ist so aberwitzig gut geschrieben, dass sie mir noch gut erinnerlich ist. Für mich eines der besten Bücher von ihm – gerade, weil es sich über die Absurdität des menschlichen Lebens lustig macht und ihm so eine neue Leichtigkeit abzugewinnen vermag ….!

  7. Lakritze schreibt:

    Hach, ich kann Dir bei beiden Büchern von P. nur zustimmen. Seit dem »Massenselbstmord« weiß ich auch, daß bei Hannover ein guter Wein wachsen soll. ,)

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