Was macht die Kunst?

Was zuweilen bei aller Betonung Karlsruhes als Technologieregion oder Sitz der höchsten bundesdeutschen Gerichte unter den Tisch fällt, ist die Kunst. Karlsruhe mag für ambitionierte ITler oder Juristen interessant sein, es ist aber auch eine Stadt der Kunst (oder der Künste). Mit Kunstakademie, ZKM, der Hochschule für Gestaltung, der Hochschule für Musik und den vielen Autorinnen und Autoren, die in und um Karlsruhe aktiv sind, darf man gewiss zu Recht behaupten: Karlsruhe hat mehr als Recht und IT zu bieten.

Was die Kunst macht, war gestern, am 19. Januar, wieder beim Galerienrundgang zu besichtigen. Alle Karlsruher Galerien abzuklappern, ist kaum zu schaffen, daher konzentrierten wir uns auf vier, die wir gemeinsam mit Freunden, selbst Künstler, besuchten.

Unsere erste Station war WEINGRÜLL, wo Stephanie Kiewitts Ausstellung fotografischer Arbeiten namens „GYM“ eröffnet wurde. Fotos in Schwarzweiß und Farbe von Fitnessmaschinen und Menschen, die daran – wie nennt man das eigentlich? – turnen, sporteln, arbeiten. Da ich gerade Rückenkrafttraining mache, um meine Bandscheibenprobleme nachhaltig loszuwerden, befielen mich bei den Motiven gemischte Gefühle: die unbestreitbare Ästhetik der Sportgeräte und der sportlichen Menschen einerseits (übrigens keine Kraftprotze) und die etwas unangenehme Erinnerung an die für mich neue Pflicht andererseits.

Unsere zweite Station war die Galerie Meyer Riegger, wo eine Ausstellung von Werken des Künstlers Daniel Roth eröffnet wurde. Reduziertes, Narratives, das sich mir allerdings vom bloßen Ansehen selten erschloss. Interessant die amorphen Präparate, Felle über unbestimmten Formen, die insgesamt keine Tiere ergaben, wie man das gewohnt ist. Auch eine Arbeit mit kleinen Kartenausschnitten, Inseln, sprach mich besonders an.

Die dritte Station war das V8, einst von Studenten und Absolventen der Karlsruher Kunstakademie gegründet, also keine Galerie im klassischen Sinne, sondern eine Plattform von „Produzenten für Produzenten“. Hier eine unglaubliche Vielfalt und damit sehr gute Einblicke darein, was die Kunst bzw. die Künstlerinnen und Künstler gerade machen. Für mich sehr interessant, was nicht zuletzt eben der Vielfalt geschuldet war – großes Angebot, mehr Möglichkeiten etwas zu finden, das einen persönlich anspricht oder dem eigenen Geschmack entspricht. Besonders gefielen mir etliche Zeichnungen, abstrakt zwar, aber ansprechend, offenbar etwas in mir ergreifend. Auch Reduziertes sprach mich an, in diesem Falle etwa der schlichte Zettel mit zwei untereinander stehenden Worten: „REAKTION“ und „KREATION“.

Die vierte Station war für mich das Highlight unseres konzentrierten Galerienrundgangs: die Eröffnung der Ausstellung „Auf der dunklen Seite des Mondes“ von Skafte Kuhn in der Galerie Kadel Willborn. Wie ich weiteren Ausstellungskatalogen zum Künstler entnehmen konnte, fließen in seine Arbeiten häufig musikalische Elemente ein – sei es als Inspirationsquelle oder als interpretierender Ausdruck in seinen Arbeiten. Schon der Ansatz gefiel mir und das Pink-Floyd-Album „The Dark Side oft he Moon“ hat ja schon viele inspiriert (beispielsweise den Schriftsteller Martin Suter zu seinem Roman Die dunkle Seite des Mondes). Es kommt selten vor, dass mir tatsächlich alle Arbeiten, die im Rahmen einer Ausstellung gezeigt werden, gefallen. Hier aber war es so, der kleine bemalte Zweig an der Wand ebenso wie der Betonwasserfall, der sich über die Treppe ergoss, das mit schwarzem Stoff bespannte, vieleckige, raumgreifende Objekt und besonders seine Zeichnungen, die zum Beispiel durch Faltungen halb plastisch wurden.

Einen der Ausstellungskataloge, vom Format her eine Art Mappe mit einzelnen, etwa DIN-A-4-großen Abbildungen verschiedener Arbeiten, die Skafte Kuhn in Göttingen unter dem Titel „Am Morgen nach dem Sturm“ ausgestellt hat, kaufte ich mir. Und wollte ihn gern vom Künstler signieren lassen, wobei ich mir einer gewissen Peinlichkeit und mädchenhaften Putzigkeit durchaus bewusst war. Aber das Signierenlassen von Katalogen hat bei meinem Liebsten und mir Tradition. Wenn wir uns schon – teils aus Platz-, teils aus finanziellen Gründen, nicht alle Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler, die uns gefallen, kaufen können, dann wenigstens ihre Signaturen „sammeln“. Über unseren Künstlerfreund, der glücklicherweise mit Skafte Kuhn befreundet ist, ließ ich also groupiehaft um eine Signatur bitten, was dann unter allerley Lächeln und Lachen der Umstehenden erledigt wurde : )

Beim Galerienrundgang 2013 in der Galerie Kadel Willborn vor einer Arbeit von Skafte Kuhn. Foto: © Petra Gust-Kazakos

Beim Galerienrundgang 2013 in der Galerie Kadel Willborn vor einer Arbeit von Skafte Kuhn. Foto: © Petra Gust-Kazakos

Die Ausstellungen sind natürlich auch alle noch nach dem Galerienrundgang zu besehen – falls ihr in der Nähe seid, Zeit habt und wissen wollt, was die Kunst macht.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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11 Antworten zu Was macht die Kunst?

  1. … die Fotografie mit dir und deinem sympathischen Lächeln ist bildschön!

    Liebe Grüße von Karin, die immer wieder gern bei dir mitliest

  2. Susanne Haun schreibt:

    Karlsruhe hört sich sehr interessant an!
    Ich nehme mir ja schon ewig vor, mir mal die Art Karlsruhe anzuschauen!
    Danke für den Überblick, Petra und einen schönen Abend sendet dir Susanne

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Susanne, eigentlich ist Karlsruhe eine sehr hübsche Stadt, nur wird sie noch für die nächsten Jahre eine von vielen Baustellen entstellte sein, da man sich hier darauf kapriziert hat, ein U-Bähnle zu bauen, U-Strab genannt. Aber die Möglichkeiten, sich hochinteressante Ausstellungen anzusehen, sind nach wie vor sehr gut. Falls du es schaffst zur Art, lass es mich rechtzeitig wissen! Liebe Grüße!

      • Susanne Haun schreibt:

        Liebe Petra, ja, das mache ich auf jeden Fall.
        In Berlin wird ja auch gerade die sogenannte Kanzlerbahn gebaut, verbunden ist es mit der Unterbrechung meiner Haus- und Hof U-Bahn der Linie 6 …. ich habe Fotos von der Riesenbaustelle Unter den Linden gemacht, die ich demnächst im Blog mal zeigen möchte.
        Liebe Grüße sendet Susanne

      • Petra Gust-Kazakos schreibt:

        Uff, das ist lästig, liebe Susanne. Bei uns im Haus wird demnächst eine Wohnung renoviert (die unter uns), da haben wir sogar im Hause ne Baustelle ; )

      • Susanne Haun schreibt:

        Renovierungen im Haus sind ja richtig lästig, Petra, da ist es dann vorbei mit dem ruhigen Schlaf….Einen schönen Tag dir von Susanne

  3. buchstabenchaos schreibt:

    Oh, das hört sich toll an und erinnert mich daran, dass ich unbedingt auch mal wieder ein paar Ausstellungen besuchen sollte! 🙂 Besonders Skafte Kuhn hört sich interessant an, nur schade, dass man online nicht so viel zu sehen bekommt, Karlsruhe ist von mir aus leider ein bisschen weit. Und: was das Signaturen sammeln angeht: vollkommen verständlich, mache ich auch so wenn sich irgendwo die Gelegenheit ergibt.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ah, das ist ja beruhigend, also das mit dem Signaturensammeln, liebe Buchstabenchaos : ) Ja, stimmt, von dir aus ist’s weit bis hierher, das ist schade. Aber sicher gibt’s bei dir auch immer mal wieder was zu sehen? Liebe Grüße!

  4. tanjaernst schreibt:

    liebe Petra, danke Dir für viel Information in schönster Form! Ja, Karlsruhe ist unzweifelhaft auf dem Vormarsch… auch dieses Jahr auf der Messe wieder deutlich zu spüren… liebe grüße t

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Vielen Dank für deinen Kommentar & willkommen hier, liebe Tanja! Warst du auch auf der Art Karlsruhe? Die war ja riesig diesmal, vier Hallen, ich war ziemlich erschlagen danach ; ) Aber natürlich auch viele großartige Sachen dabei. Nur für mich wohl zu viel auf einmal. Liebe Grüße!

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