Zeitungsfrühstück, Folge 62

Kaffee, Orangensaft, Berliner und dazu die Zeit – willkommen beim Zeitungsfrühstück! Am virtuellen Zeitungsfrühstücksbüffet serviere ich euch wieder meine persönlichen Highlights aus dem Reiseteil, dem Feuilleton und dem Zeitmagazin. Viel Spaß beim Naschen!

Foto: (c) Gerda Kazakou

Foto: (c) Gerda Kazakou

Harald Martenstein ist in seiner aktuellen Kolumne genervt vom EU-Richtlinien-Wahn, insbesondere der Richtlinie 1164/2011, die Beipackzettel für Torten vorschreiben will. Warum eigentlich nicht? Inzwischen sollen zu allen möglichen Lebensmitteln die Inhaltsstoffe ausgewiesen werden. Umgekehrt gab es noch keinen Aufschrei, wenn EU-Normen wieder reduziert wurden, etwa die Vermarktungsnormen für Obst und Gemüse, von denen es seit 1. Juli 2009 nur noch zehn statt 36 gibt. Allerdings handeln die Supermärkte weiterhin in einer Art hinterhereilendem Gehorsam, indem sie die Verbraucher bis zum Ladenschluss mit frisch und normiert wirkenden Lebensmitteln in vollen Regalen betüddeln. Wenn ich nachmittags um halb sechs zu meinem Bäcker ein paar Türen weiter gehe, ist die Auswahl an Brötchen, Brot und Kuchen sehr übersichtlich. Und so ist’s doch auch okay? Dann kaufe ich eben von dem, was noch da ist. Und vom gleichen Tag ist’s auf jeden Fall. Könnte das nicht generell ein gutes Modell sein? Dann müssten vielleicht weniger Lebensmittel weggeworfen werden …

Heike Fallers Beitrag „Über lustige Kleidungsstücke“ liest sich seltsam überflüssig. Darin geht’s um irgendeinen Typen, der bei irgendeiner Jauch-Schwatz-Sendung lila Socken trug. Ja, war Frau Faller denn letztes Jahr nicht in Bekleidungsgeschäften? Der hiesige Karstadt zeigte eine wahre Sockenparade von Falke und Boss in allen Farben, nicht nur revolutionäres Lila, auch knalliges Rot, Grün, Blau etc. Nach der Weiße-Socken-Phase haben deutsche Männer ja nun mühsam gelernt, dass nur schwarze Socken okay sind. Nun sollen sie plötzlich farbige tragen – das Abendland geht unter! Gähn.

Zum Reiseteil: Christof Siemes „Abenteuer in der Sandkiste“ über eine Reise mit seiner Familie auf Kamelen durch den Grand Erg Oriental in Tunesien beginnt überaus demokratisch. Anscheinend haben die Kinder Ferien gefordert, in denen Tiere vorkommen, Übernachtungen im Freien und dies in einer warmen, trockenen Region. Bei uns zu Hause entschieden meine Eltern, insbesondere mein Vater, wohin die nächste Reise führen sollte – und es waren immer tolle Ziele. Tiere, vor allem fliegende, spielten darin praktisch immer die Hauptrolle und auf Übernachtungen im Freien wurde gänzlich verzichtet. Wofür ich ewig dankbar sein werde.

In „Große Halle des Volkes“ von Christoph Bartmann über den Grand Central Terminal, der 100 wird, ist zu lesen, dass der New Yorker Bürgermeister die Gegend rund um den Bahnhof „städtebaulich aufrüsten“ wolle, da er die „Gefahr, dass Grand Central und das umliegende Viertel zum Denkmal einer eleganten, aber vergangenen Epoche herabsinken könnte“ bannen wolle. Und zwar durch „moderne Wohn- und Bürotürme“, die „die alten Geschäftshäuser mit ihren Säulen und Stuckaturen ersetzen“ sollten. Das Ganze solle dann lieber an Schanghai oder Dubai erinnern. Hilfe! Können die ihre Türme nicht woanders hin bauen? Haben sie in New York nicht schon genug schöne alte Bauwerke (die alte Penn Station) zugunsten neuer abgerissen? Macht nicht gerade das Nebeneinander von Alt und Neu den Charme Manhattans aus? Aber dazu gehört natürlich, dass man ein paar alte Gebäude stehen lässt.

Das Feuilleton beginnt mit dem Artikel „Leser, mach’s dir selbst!“ von Maximilian Probst und Kilian Trotier über Lesereingriffe in den Romanverlauf und die Leserbeobachtung durch E-Books. Das mag ganz interessant sein für Autoren, die nur nach dem Markt schielen. Natürlich auch für Verleger et al., die kräftig an den Früchten des Autors verdienen wollen. Und Autoren, die auf Züge aufspringen (Vampire, Erotik etc.), sind ja nun nichts Neues. Warum nicht, solange es gelesen wird. Aber ich denke nicht, dass sich damit prinzipiell eine neue Entwicklung einleitet, die „klassische“ Romane, also solche, die ein Schriftsteller von Anfang bis Ende selbst schreibt, ersetzen wird. Einen interessanten Beitrag dazu findet ihr auch auf dem Blog der Bücherphilosophin.

In seinem Artikel „Stilvoll verzweifelt“ findet Hanno von Rauterberg Alberto Giacometti überschätzt. Aha. Finde ich nicht. Und jetzt?

Euch, meine Lieben, wünsche ich noch einen gemütlichen Sonntag!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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8 Antworten zu Zeitungsfrühstück, Folge 62

  1. haushundhirschblog schreibt:

    Danke, liebe Petra!
    Den Artikel von Probst und Trotier las ich gestern bereits, und ich habe ganz ähnliche Gedanken dazu. Mal sehen, was die Bücherphilosophin dazu meint.
    Schön auch: Deine Gedanken zu Heike Fallers Beitrag. 🙂
    Liebe Grüße, mb

  2. Magister Somnus schreibt:

    Liebe Petra,
    „Kaffee, Orangensaft, Berliner“. Sind die schon zum Frühstück genießbar, die Berliner?
    Herzliche Grüße aus Berlin
    Georg

  3. Tanja schreibt:

    Hallo Petra,
    auch ich kann mit dieser Ent- und Weiterentwicklung nichts anfangen, (funktioniert wahrscheinlich nur mit bestimmten Genren) auch nicht in Zeiten neuer digitaler Medien, wie zum Beispiel mit der grandiosen Erfindung des e-books. Danke für deine Frühstück-News!

    Ach ja, und ich liebe Berliner – mit ganz viel leckerer Marmelade und einem Becher Kaffee. Am liebsten selbstgebacken. 🙂

    Liebe Grüße,
    Tanja

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Selbstgebacken – das klingt köstlich, liebe Tanja! Das würde mir auch schmecken : )
      Ja, genau, für bestimmte Genres könnte das eine interessante Spielart sein, mal sehen, wie sich das noch entwickelt.
      Liebe Grüße!

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