Dinner im Heimweh-Restaurant

Dieser Roman von Anne Tyler hat mich ganz entfernt an die Korrekturen von Franzen erinnert. Vielleicht weil wir es auch hier mit einem Roman über eine zerrüttete Familie zu tun haben, in der es wieder einmal die Mutter ist, die trotz aller Irr- und Wirrnisse unbedingt an dem Konstrukt „Familie“ festhält. Permanent versucht sie, so etwas wie Zusammenhalt herzustellen, unter anderem durch die jährlichen Familientreffen im Restaurant ihres Sohnes, dem „Heimweh-Restaurant“. Aber natürlich endet jedes Dinner im Desaster und mindestens ein Familienmitglied verlässt erbost den Tisch.

Pearl, die Mutter, versucht ihre Familie durchzubringen, nachdem ihr Mann Beck eines Tages beschlossen hat, von einer seiner Außendiensttouren nicht mehr zu seiner Familie zurückzukehren. Diesen Beschluss kann Pearl ihren drei Kindern Cody, Ezra und Jenny überraschend lange vorenthalten. Der Vater war ja schon vorher kaum zu Hause, so richtig vermissen tut ihn dann auch niemand, als er endgültig wegbleibt. Die beiden Jungs leben in einer ständigen Rivalität, die allerdings Cody weitaus mehr als Ezra empfindet. Er steigert sich so sehr in diesen Konkurrenzkampf hinein, dass er versucht, seinem Bruder dessen große Liebe auszuspannen. Und Jenny wird aufgrund ständiger Missverständnisse von ihrer Mutter für eine raffinierte Schlampe gehalten. Doch nichts liegt ihr ferner …

Insgesamt ein lesenswerter Familienroman.

Im aktuellen Zeitmagazin findet sich ein lesenswertes Interview mit Anne Tyler, die übrigens sehr selten Interviews gibt – heutzutage sehr ungewöhnlich für einen Bestsellerautorin.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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8 Antworten zu Dinner im Heimweh-Restaurant

  1. buzzaldrinsblog schreibt:

    Deinen Vergleich mit Franzen, der Anne Tyler ja auch selbst empfiehlt, empfinde ich als sehr treffend. Ich lese sie gerne. Das von dir angesprochene Buch kenne ich bereits, im vergangenen Jahr habe ich „Abschied für Anfänger“ gelesen – eine sehr schöne Lektüre. Im aktuellen ZEIT Magazin gibt es wohl ein Interview mit ihr, aber das kennst du dann wahrscheinlich schon. 🙂

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ich habe bisher noch nichts weiter von ihr gelesen, aber das Interview im Zeitmagazin hat mir richtig Lust dazu gemacht – hab ich vorhin zum Kaffee genossen, statt Kuchen ; ) Im Beitrag oben der Link führt auch zu diesem Interview.

      • buzzaldrinsblog schreibt:

        Oh sorry, da hätte ich mir meinen Hinweis ja auch verkneifen können. 😉 „Abschied für Anfänger“ ist ein tolles Buch, das ich dir nur empfehlen kann. Ich schätze Anne Tyler für ihre ruhigen und unaufgeregten Bücher. Das Interview mit ihr werde ich auch noch lesen, bisher habe ich nur einen Blick hineingeworfen.

      • Petra Gust-Kazakos schreibt:

        Danke für den Tipp, kommt auf die Liste : )

  2. B.ee schreibt:

    Bis eben kannte ich Anne Tyler nicht. ich habe mir jetzt mal zwei Leseproben auf meinen Kindle runtergeladen, nachdem ich das Interview gelesen habe. Leider gab es das rezensierte Buch nicht als Leseprobe. Dafür aber „Verlorene Stunden“ und „Abschied für Anfänger“.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Hm, das „Dinner“ ist schon ein bisschen älter, vielleicht gibt’s deswegen keine Leseprobe mehr. Aber „Abschied“ scheint ja auch gut zu sein, wie Mara (weiter oben) meinte … praktisch, so ein Kindle : )

      • B.ee schreibt:

        Ja, der Kindle ist mir – nach einer doch langen Phase, in der wir stritten, ich ihn in eine Schublade sperrte, weil er verantwortlich für Yule-Streitigkeiten war, er dann sauer auf mich und so weiter war – sehr ans Herz gewachsen. Elijah – so sein werter Name – ist seitdem mein treuer Begleiter.
        Vll sollte ich ja erst einmal „Die Korrekturen“ lesen. Die stehen nämlich im Regal und gehören seit Jahren zu meinem SUB.

      • Petra Gust-Kazakos schreibt:

        Es ist eigentlich nicht übel, die zwei Romane hintereinander zu lesen, sofern man gleich zwei Familienromane hintereinander weg lesen möchte … Wie niedlich, einen Namen hat er auch : )

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