Das weiße Abendkleid

Dieser Roman von Victoria Wolff aus dem Jahre 1938 wurde vor einigen Jahren wieder neu aufgelegt. Das verbindende Element der einzelnen Episoden ist ein besonderes Kleid, das das Leben seiner Trägerinnen verändert. Der Reigen beginnt im Paris der ausgehenden 1930er Jahre mit der Schauspielerin Anne Lund, die bei dem berühmten Pariser Schneider Partout ein Abendkleid aus weißer Seide mit dem Namen „la joie tremblante“ kauft. Und „zitternde Freude“ befällt sie auch beim Gedanken daran, dieses Kleid zu tragen Doch zuvor stibitzt es sich das Modell Sonja, nur für einen einzigen Abend, und erlebt am eigenen Leibe, was dieses Kleid bewirken kann. Als nächstes verändert sich das Leben Annes, dann das ihrer Schwester Maria und schließlich das des Zimmermädchens Ilka. Was nun recht märchenhaft klingt und auch so daher kommt, ist tatsächlich spielerisch-leichte Unterhaltung.

Die Autorin wurde 1903 in Heilbronn als Tochter eines jüdischen Lederfabrikanten geboren, schrieb nach ihrem Abitur für mehrere Zeitungen und Modemagazine und heiratete einen Dr. Wolf. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten und dem Publikationsverbot emigrierte sie 1933 mit ihren beiden Kindern in die Schweiz und 1941 weiter in die USA. Einige Jahre nach der Scheidung von ihrem ersten Mann heiratete sie erneut einen Dr. Wolff – diesmal einen mit zwei f. Sie veröffentlichte zwischen 1932 und 1970 mehrere Romane, auch Kurzgeschichten und Essays, und starb 1992 in Los Angeles. Die englische Übersetzung des Romans Das weiße Abendkleid war übrigens ihre Eintrittskarte in die Traumfabrik. Auf dem Roman basiert der Film „Tales of Manhattan“ mit Rita Hayworth und Charles Laughton und Victoria Wolff schrieb mehrere erfolgreiche Drehbücher für die 20th Century Fox und MGM.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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14 Antworten zu Das weiße Abendkleid

  1. Britta Jürgs schreibt:

    Mir gefallen vor allem der leicht ironische Tonfall des Buches und die Parisbeschreibungen. Aber als Verlegerin dieses wiederentdeckten Romans und als Fan der Literatur der 1920er/30er Jahre bin ich natürlich parteiisch…

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ich freue mich, dass die Verlegerin selbst sich meldet! Ich mag Romane aus dieser Zeit auch, fand allerdings den Ton z. B. bei Keun oder Baum ironischer, aber das ist ja kein Qualitätsmangel. Bei meiner Suche auf weiteren Informationen zu der Autorin habe ich leider – außer dem erwähnten Film – keine weiteren finden können, für die Victoria Wolff das Drehbuch geschrieben hat. Das hätte mich auch interessiert – vielleicht wissen Sie mehr dazu? Und ich würde mich sehr freuen, wenn Sie etwas darüber sagen könnten, was der Anlass war, dass Sie den Roman bzw. seine Autorin „wiederentdeckt“ haben und beschlossen, ihn und weitere neu aufzulegen?

      • Britta Jürgs schreibt:

        Auf Victoria Wolff wurde ich durch die Literaturwissenschaftlerin Anke Heimberg aufmerksam, die über sie arbeitete und dann auch ein Porträt über sie für mein Buch über Künstlerinnen und Schriftstellerinnen der Neuen Sachlichkeit, „Leider hab ich’s Fliegen ganz verlernt“, schrieb (und dann später das Nachwort zum „Weißen Abendkleid“). Beim „Weißen Abendkleid“ packten mich Sätze wie diese: „Der Frühling lag ihr in Armen und Beinen. Sie summte vor sich hin, machte große Schritte und war überzeugt, dass die Welt gut und schön sei. Dieser Ansicht war sie nicht immer. Weltanschauungen hängen meistens vom Wetter ab.“ Das Buch von 1938, geschrieben von einer nach Ascona emigrierten jüdischen Schriftstellerin, kommt leicht daher, aber es gibt sowohl hier wie auch in „Die Welt ist blau“ von 1933 immer wieder die ernsten Untertöne. Und ich mag darin nicht nur die Verknüpfung der Biografien ganz unterschiedlicher Frauen durch das Abendkleid, das die Besitzerin wechselt, sondern auch diese für die Literatur der 1920er Jahre typische Mischung aus E und U, sei es bei Victoria Wolff, bei Vicki Baum oder Lili Grün.
        Über die Drehbücher weiß ich nicht viel – da wurden ja oft nur einzelne Elemente vverwendet, die Autorin oft gar nicht mehr genannt. In den Tales of Manhattan wurde ja auch aus dem Abendkleid ein Frack …

      • Petra Gust-Kazakos schreibt:

        Vielen Dank für Ihren Kommentar, liebe Frau Jürgs. Die Mischung aus E und U gefällt mir auch sehr gut. Gerade lese ich Chestertons „Verteidigung des Unsinns, der Kriminalromane, der Demut und anderer missachteter Dinge“, darin verteidigt er u. a. auch den Schundroman und die Posse und wirft den Kritikern vor, allzu leichtfertig bestimmte Genres von vorneherein als unter ihrer Würde zu betrachten … Könnte man einigen Kritikern glatt aufs Paradekissen sticken.
        Das Buch über die Künstlerinnen und Schriftstellerinnen der neuen Sachlichkeit klingt für mich sehr interessant, muss ich mir merken. Überhaupt finde ich das Ziel ihres Verlags, „die Weltkarte im Kopf um herausragende Frauen in Kunst und Literatur“ zu erweitern, überaus spannend und wichtig, fallen doch den meisten Menschen, sollten sie auf die Schnelle herausragende Künstlerinnen und Künstler aufzählen, vermutlich vor allem Männer ein (in allen Künsten) …

    • Philipp Elph schreibt:

      Warum auch nicht, preist doch jeder Aalverkäufer seine Ware auf dem Fischmarkt an. Da darf die Verlegerin des Buches wohl auch parteiisch sein!

      • Petra Gust-Kazakos schreibt:

        Wäre ja auch sehr schade, wenn eine Verlegerin oder ein Verleger nicht Partei für ihre oder seine Bücher ergriffe : ) Allerdings habe ich auch gar nichts Negatives ausdrücken wollen – ich hoffe, das kam nicht so an? Da ich nur Bücher empfehle und nicht verreiße, drückt ja schon die Besprechung an sich aus, dass ich das Buch für lesenswert halte.

        • Philipp Elph schreibt:

          (Ich wollte nur sagen, dass auch ich es richtig finde, dass und wie sich Britta Jürgs gemeldet hat!)

  2. Ich bewundere ja immer die fleißigen, unermüdlichen, freiwilligen und nicht honorierten Rezensentinnen. Warum? Weil das richtig zeitaufwendige Zeit ist, in der ich so viel Neues lesen kann.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Danke dir & herzlich willkommen! Das Gute am Freiwilligen, Unbezahlten ist die Unabhängigkeit. Es gibt keine Verpflichtung, wann und ob etwas zu tun ist oder dass ein Buch besprochen werden muss (z. B. weil es ein Rezensionsexemplar war), sondern ich kann ganz meinen Interessen und Entdeckungen folgen und sie mit anderen teilen. Und natürlich freut es mich sehr, wenn andere ebenfalls Freude daran haben.

      • Was hab ich denn da nun wieder für ein Chaos angerichtet? Ich konnte mich partout an kein weißes Abendkleid erinnern. Mein Kommentar war als Reaktion auf „Ordnung im Salon“ gedacht. 🙂 Ja, ich bin Euch Freiwilligen dankbar für Eure unabhängige Arbeit. Den bezahlten traue ich nicht mehr über den Weg, seit einer der durch verschiedene Medien bekannten mal ein Buch in einer Radiosendung hochgelobt und dasselbe in einer Zeitung verrissen hat. Beides ist im Internet noch nachzulesen. Und von beiden Auftraggebern hat er kassiert. Geld verdirbt eben den Charakter. 😉

  3. Zeitaufwendige ARBEIT natürlich …

  4. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Das mit dem verirrten Kommentar ist ja lustig! Macht aber nichts. Weniger lustig scheint mir der von dir geschilderte Fall, schade, so verliert man doch an Glaubwürdigkeit und zeigt Meinungslosigkeit. Zwei Eigenschaften, die gerade beim Bloggen sehr wichtig sind. Hoffentlich ein Einzelfall … Du meintest, man könne im Netz etwas dazu finden? Was wäre denn da ein guter Suchbegriff?

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