Königin der Troubadoure

Régine Pernoud ist eigentlich Historikerin, doch ihr Buch Königin der Troubadoure. Eleonore von Aquitanien liest sich wie ein Roman. Es gibt übrigens auch einen sehr gut recherchierten Roman über Eleonore von Tanja Kinkel, Die Löwin von Aquitanien, der allerdings gelegentlich ins Kitschige abgleitet. Aber da mich die Hauptfigur sehr fasziniert, habe ich auch den Roman gern gelesen.

Dass sich die Biographie so zügig liest, liegt sicher an der wirklich spannenden Lebensgeschichte Eleonores von Aquitanien. Sie war zunächst mit König Ludwig VII verheiratet, trennte sich dann aber von ihm, um sich dem zehn Jahre jüngeren Heinrich Plantagenet zuzuwenden, dem späteren König von England. An seiner Seite zog sie in den Kreuzzug, sie war die Mutter von so berühmten und sagenumwobenen Persönlichkeiten wie Richard Löwenherz und Johann Ohne Land. Sie war am französischen Hof die Königin der schönen Künste und übte diese Rolle, neben einer sehr politischen, auch an der Seite Heinrichs aus. Als sie sich gegen ihren Sohn Richard stellte, wurde sie von ihm sechzehn Jahre lang gefangen gesetzt. Aber auch das konnte sie nicht brechen oder ihre Aktivitäten völlig beschneiden.

Ihr Sarkophag in Fontevrault, oder besser gesagt, die Figur darauf, mit der er geschmückt ist, finde ich auch sehr passend, denn sie hält ein Buch in der Hand. Ihr Gatte Heinrich bzw. sein Gisant liegt nebenan und es sieht aus, als hätten sich die Eheleute gerade zu Bett gelegt und Eleonore lese noch ein bisschen vor dem Schlafen.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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15 Antworten zu Königin der Troubadoure

  1. Klausbernd schreibt:

    Hi, liebe Petra,
    erinnere ich mich recht, dann hat Eleonora von Aquitanien den ersten Liebeshof gegründet, eine Kulturinstitution für Ritter, um den letzten Schliff in der Liebeskunst zu bekommen. Es wurde höhere und niedere Minne dort gepflegt.
    Ganz liebe Grüße aus dem frühlingshaften Cley von
    Dina und mir
    Klausbernd

  2. IngridW schreibt:

    Liebe Petra, ich habe beide Bücher ebenso gern gelesen wie Du. Eleonore von Aquitanien war in der Tat eine sehr ungewöhnliche und beeindruckende Frau. Herzliche Grüße, Ingrid

  3. Du hast recht, das sieht wirklich so aus, als lese sie noch ein bißchen im Jenseits. Was für eine schöne Vorstellung… Und jetzt sollte ich mich wirklich mal kundig machen über die gute Eleonora… LG Mila

  4. Rabin schreibt:

    Die Löwin von Aquitanien war mein erstes Buch von Tanja Kinkel und zeitgleich auch mein erster Kontakt mit Eleonora. Schon allein deswegen trauer ich ihm immer noch nach (Stichwort verleihen), auch wenn ich mich an den Inhalt nicht mehr in allen Details erinnere.

  5. kormoranflug schreibt:

    Ja solche Frauen fehlen in der Politik oder hinter den freudlos agierenden Politikern…. ein tolles Vorbild: Eleonore v. A.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ja, ein tolles Vorbild, das ist wahr! Ich denke, solche Frauen gab und gibt es noch immer – vielleicht lernt man manche erst im Rückblick über die Historiker näher kennen (und schätzen). Liebe Grüße!

  6. leopoldsleselampe schreibt:

    Hallo, das ist jetzt ein wenig Off-Topic. Ich finde Deine Einschätzung von Tanja Kinkels Roman interessant. Ich kenne ihn zwar nicht, aber ich habe „Die Schatten von La Rochelle“ gelesen. Und auch das fand ich ein wenig kitschig. Grüße Leo

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ja, den kenne ich auch, lieber Leo – und dann noch den über Byron und die Liebe zu seiner Halbschwester Augusta, wie hieß er doch gleich, „Wahnsinn, der das Herz zerreißt“ oder so ähnlich. Und auch da war es so: tolles Thema, gut recherchiert, aber ziemlich kitschig. Dennoch, sie erzählt gut und da die Geschichten so interessant sind, hab ich die Romane alle gern gelesen. Liebe Grüße!

  7. Lakritze schreibt:

    Oh, dieser Grabstein hätte mich auch begeistert. Seit 800 Jahren in Ruhe lesen — wie schön! (Und danke für den Tip — Eleonore muß auch auf die, naja, immer länger werdende Liste …)

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