Zeitungsfrühstück, Folge 64

Heute, meine Lieben, gibt es am Zeitungsfrühstückbüffet Häppchen aus dem Zeitmagazin, dem Wissens- und dem Reiseteil sowie aus dem Feuilleton der aktuellen Zeit-Ausgabe vom 21.03.2013, angereichert mit ein paar Zitaten aus meinem Buch, an dem ich aktuell arbeite. Bon ap‘!

Foto: (c) Gerda Kazakou

Foto: (c) Gerda Kazakou

Der Tradition des Zeitungsfrühstück entsprechend beginnen wir mit der Kolumne von Harald Martenstein. Obwohl ich die wieder sehr amüsant geschrieben fand, konnte ich ihm nur teilweise folgen, da mir einige der Erwähnten (Frei.Wild) entweder kein Begriff sind oder ich noch nie Musik von ihnen hörte (Sido, Bushido, Frei.Wild), zumindest nicht bewusst. Aber die Kolumne ist auch ohne dieses Metawissen empfehlenswert. Die Seite „Heiter bis glücklich“ empfiehlt aus dem gleichnamigen Blog einen Paris-Reiseführer von Miroslav Sasek aus den 1950er Jahren, der vielleicht nicht die alleraktuellsten Geheimtipps beinhaltet, aber schon von außen sehr hübsch anzusehen ist.

Weiter geht es mit dem Wissensteil, wo es um gute Nachrichten und schlechte Einschätzungen geht. Vielleicht kennt ihr das auch? Je älter man wird, desto öfter denkt man im Stile der Großeltern: „Früher war alles besser“. Meist bezieht sich das auf zu viel Bürokratie oder Administrationskram, auf überflüssige Remakes von fantastischen Filmen und derley mehr. In ihrem Artikel „Leider gut“ gehen Christoph Drösser und Martin Spiewak unseren pessimistischen Gefühlen über den Zustand der Welt nach. Denn eigentlich geht es uns, zumindest in den besser entwickelten Industrienationen, so gut wie nie zuvor. Leider ist der Artikel noch nicht online, aber dafür lohnt sich ein Spaziergang zum nächsten Kiosk. Auch für den Artikel „Alles so sauber“ von Dirk Asendorf, der über die deutlich verbesserten Umweltverhältnisse im Ruhrgebiet berichtet. Sehr interessant!

Im Reiseteil gibt es einen feinen Beitrag von Renate Just über den Dichter Jean Paul und eine Spurensuche in seiner Heimat Oberfranken unter dem Titel „Wo die Fantasie wohnt“. Darin ist auch zu erfahren, dass Jean Paul produktiver als Goethe und Thomas Mann zusammen war.

Am besten im Feuilleton gefiel mir der Artikel „Alle finden Lesen toll“ von Thomas E. Schmidt. Leider nicht online. Darin berichtet der Autor von einer Imagekampagne der Agentur Zum Goldenen Hirschen für das Buch. Man wird also künftig auf 13 Plakaten Menschen mit Schildern sehen, auf denen steht „Ich habe einen Vampir geheiratet“ oder „Ich war ein Serienkiller“. Well. Haha. Hm. Wie der Autor sehr richtig feststellt, hat das Buch an sich – oder das Lesen – eigentlich kein Imageproblem. Sondern vielmehr „die literarische Kultur im klassischen Sinn“. Denn wofür macht diese Kampagne denn nun eigentlich Werbung, für Shakespeare und Goethe ja offenbar nicht, sondern für Genres, die eh weggehen wie geschnitten Brot. Ist das nötig? Wie Schmidt ebenfalls sehr richtig schreibt, werden Menschen, die sowieso lesen, von der Kampagne nicht angesprochen, es gehe den Werbern auch nicht darum, eine Bildungskampagne zu fahren oder ‚Versäumnisse der Bildungspolitik auszubügeln‘. Das ist natürlich erfrischend ehrlich, aber es erfrischt die Leselust doch nur dort, wo sie keiner Erfrischung bedarf. Dazu ein paar Zitate aus meinem Buch, an dem ich aktuell arbeite:

„Während Bibliotope für gewöhnliche Leser in ausreichender Zahl vorhanden sind (insbesondere durch den Online-Buchhandel und die Zunahme der Buchhandelsketten), muss der Viel-Leser um die seinen fürchten (unabhängige und Spezial-Buchhandlungen, wohlsortierte Antiquariate et al.). Da der gewöhnliche Leser in Deutschland bereits seit längerem als schützenswerte Art anerkannt ist, sind spezielle Institutionen und Organisationen zur Arterhaltung und Förderung der Population entstanden. Etwa das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) oder die Stiftung Lesen. Auch als Gegenstand der Forschung erfreut sich der gewöhnliche Leser zunehmender Beliebtheit.“

Auch bei der Kampagne geht es ja nur um Leute, die glauben, zu wenig Zeit zum Lesen zu haben. Also ist der Titel „Alle finden Lesen toll“ nur dahingehend richtig, dass möglicherweise tatsächlich viele Leute das Lesen eine prima Sache finden, theoretisch, aber sieht man sich zum Beispiel die Studie „Lesen in Deutschland 2008“ der Stiftung Lesen, die vom BMBF gefördert wurde, an, so gibt es nicht ganz so viel Grund zum Jubeln. „In Deutschland liest jeder Vierte niemals ein Buch“, heißt es auf der Webseite zur Studie.

„‘Lesen in Deutschland 2008‘ zufolge prägen 6 ‚Lese-Typen‘ die deutsche Leselandschaft: Zu den ‚Leseabstinenten‘ zählen 25 Prozent – für sie ist Lesen mühevoll. 24 Prozent haben als ‚Lesefreunde‘ eine hohe emotionale Wertschätzung des Lese-Erlebnisses. 20 Prozent sind ‚informationsaffine‘ Leser. 12 Prozent zählen zu den sowohl Computern als auch einem ‚schön gestalteten Buch‘ gegenüber aufgeschlossenen ‚Vielmediennutzern‘ – 11 Prozent ziehen als ‚elektronikaffine Mediennutzern‘, Computer gegenüber Büchern vor. 8 Prozent sind ‚Medienabstinente‘: Sie halten alle Medien für ‚Ballast‘.“ [Quelle: „Lesen in Deutschland 2008“, online unter http://www.stiftunglesen.de/lesen-in-deutschland-2008.]

„25 Prozent ‚Leseabstinente‘ und acht Prozent ‚Medienabstinente‘ sind alarmierend hohe Zahlen für ein Land, das sich so viele Gedanken um die Ergebnisse der PISA-Studien macht. Noch besorgniserregender im Blick auf die Viel-Leser ist folgende Anmerkung:

‚Der Vergleich mit den Vorgängerstudien der Stiftung Lesen 1992 und 2000 zeigt, dass der ‚harte Kern´ der Viel-Leser von mehr als 50 Büchern pro Jahr mit rund 3 Prozent stets gleich bleibt.‘ [Ebd.]

Rund DREI Prozent lesen mehr als 50 Bücher im Jahr! Und obwohl der ‚harte Kern‘ gleich bleibt, ist offenbar keinem daran gelegen, diese Zahl zu erhöhen. Diese extreme Seltenheit des Viel-Lesers macht ihn zu einer gefährdeten Art, ohne irgendwelche Folgen für seinen Artenschutz zu zeitigen.“

Über eine Kampagne zur Imageverbesserung von Viel-Lesern würde ich mich jedenfalls mehr freuen. Denn Viel-Leser haben kein besonders gutes Image:

Mens sana in corpore sano – für den corpore sano wird eine Menge getan. Gesunde Ernährung, Verzicht auf Alkohol, Zigaretten und Fleisch und sportliche Betätigung führen bei vielen gewiss zu Wohlbefinden. Womöglich sogar zu höherer Population. Allerdings scheint die Konzentration auf das leibliche Wohl in höherem Ansehen zu stehen als die auf das geistige.“

„Lesen, das hat etwas Faules, fast Dekadentes. Jemand, der auf der Couch liegt, ein Glas Rotwein und Spezereien nahebei, versunken in ein Buch und verloren für die Welt. Realitätsfern, alltagsuntauglich, ein Träumer, ein Besserwisser, ein Klugscheißer, eine Intelligenzbestie – eine Leseratte eben.

Aber wieso eigentlich Ratte? Schon das Wort ist abwertend. Im Grunde handelt es sich um eine Beschimpfung, obwohl das vielen beim Gebrauch dieses Worts gar nicht bewusst ist. Manche Leser bezeichnen sich sogar selbst als Leseratte. Aber wieso Ratten und keine sympathischeren Tiere, zum Beispiel Katzen, Mäuse oder – was nahe läge – Buchfinken? […]

Eher löst heute ein Pit-Bull zärtliche Gefühle aus. Ratten aber stehen im Verdacht, Krankheiten zu übertragen. Wie viel Misstrauen schwingt bei einer Gesellschaft mit, die ihre Leser, vor allem ihre Viel-Leser, als Leseratten bezeichnet? Welche Krankheiten fürchtet sie, könnten übertragen werden? Die Liebe zu Büchern, zu Wissen und Wissensvermehrung? Zu erfundenen Geschichten und Menschen, die sich damit befassen? Das Sich-der-Wirklichkeit-Entziehen oder die selbständige Suche nach Wahrheiten?“

Euch noch einen schönen Sonntag, meine Lieben!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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22 Antworten zu Zeitungsfrühstück, Folge 64

  1. ramblingbrother schreibt:

    Ich bin der Meinung, dass in „Leseratte“ der gute Ruf der Ratte wiederhergestellt wird. Auch Menschen übertragen Krankheiten. Katzen sind mordlüstige Viecher, wenn man sie lässt. Buchfinken, ok. Ich könnte mir aber auch Leseamsel gut vorstellen. Die Amsel ist in unseren Breiten auf dem Rückzug, nein, das klingt zu euphemistisch, sie stirbt aus. Diese Angst muss die Ratte nicht haben, aber die Leseratte ….. Alles nicht so einfach, das

    Liebe Grüße

    Achim

  2. buchstabenchaos schreibt:

    Ich wünschte, die Gattung „Leseratte“ würde sich tatsächlich so vermehren wie ihr animalischer Namenspatron. Oder zumindest ein kleines bisschen mehr, nur 3 % sind ja wahrlich ausbaufähig. Aber ich muss sagen, ich bin schon sehr gespannt auf den nächsten Teil von der Zeit-Serie, mal sehen, was heute noch so alles besser ist als früher. Mein Eindruck ist bei vielen Dingen eben nicht so, aber gerade deshalb finde ich die Idee toll. Oft deprimiert mich Zeitung lesen nämlich sehr, es wird wirklich Zeit, dass es auch etwas positives zu berichten gibt!
    Einen schönen Sonntag wünsche ich dir noch!
    Christine

  3. Dina schreibt:

    Vielen Dank für’s Vorlesen, liebe Petra! Herzliche Grüße zu dir von der Küste Norfolks.
    Dina

  4. Interessante Zitate über die „Leseratten“ und „Anti-Bibliophilen“, danke fürs Vorstellen, liebe Petra. Leseratten finde ich eigentlich ganz passend, schließlich fressen wir uns manchmal in Geschichten nahezu hinein… Auch klingt „Ratte“ eher nach ernstzunehmendem Gegenüber mit scharfem Gebiss als etwas Verniedlichendes wie Lesespatz…
    Gerade war ich am Flughafen – dort gab es an den Bahngleisen riesige Plakatwerbung (ca. 8 Großflächen) mit Werbung für ein Buch. Natürlich von einem Promi. Und die Werbebotschaft war ungefähr so reichhaltig wie die für einen Burger. Schade, dass die Wenigleser sich viel zu gerne auf solche Promi-Bücher stürzen… LG Mila

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Da ist was dran, liebe Mila, also an dem ernst zu nehmenden Gegenüber mit Biss, das gefällt mir. Dennoch kennen wir die Ratte auch als Schimpfwort für besonders unliebsame Leute … Woher der Ausdruck wohl ursprünglich stammen mag?
      Ja, wer natürlich auf riesigen Plakatwänden beworben wird, noch dazu als Promi, wird von seinen Büchern sicher fleißig verkaufen … Wenn das Buch was taugt, spricht ja nichts dagegen, aber es tut mir auch um all die anderen großartigen Bücher leid, die nicht auf diese Weise beworben und entsprechend weniger gelesen werden. Liebe Grüße!

  5. dasgrauesofa schreibt:

    Vielen Dank für Dein ZEITungsfrühstück. Es sieht so aus, als müsste ich mir die ZEIT dann doch noch kaufen, denn der Artikel von Schmidt liest sich ja in Deiner Zusammenfassung sehr interessant.
    Und bei Deinen Anmerkungen zum Thema „Lesen“ bin ich gleich ganz hellhörig geworden. Vielleicht ist die Latte mit den 50 Büchern pro Jahr ein wenig hochgehängt, um Vielleser zu sein. Wer beruflich nicht viel mit dem Lesen zu tun hat, schafft das möglicherweise schon zeitlich nicht (ich weiß nicht, ob ich, berufliches Lesen mal ausgenommen, auf 50 Bücher im Jahr komme). Was aber richtig erschreckend ist, ist die hohe Zahl der Buch- und Medienabstinenten bzw. -verweigerer. Und erschreckend ist in dem Zusammenhang auch, dass viele Menschen, selbst die, die ein bisschen lesen, Sprache überhaupt nicht (mehr) als Werkzeug verstehen, um Subtexte, mithin Stimmungen und Manipulationen, zu vermitteln. Da ist dann die Frage nach dem mündigen Bürger nicht weit.
    Einen schönen Artikel zu diesem Thema, den Du bestimmt schon kennst, ist schon 2009 in der Zeit erschienen (http://www.zeit.de/2009/47/DOS-Der-deutsche-Leser). In dem Artikel werden Schulbuchverlage vorgestellt, die nicht nur Pippi Langstrumpf für die Grundschüler, sondern auch die die Klassiker für die Gymnasisten so kürzen, dass sie den Schülern überhaupt noch zuzumuten sind. Und dann wird Stefan Jansen vorgestellt, Präsident der privaten Zeppelin-Universität am Bodensee, zu dessen Bildungskonzept es durchaus gehört, längere wissenschaftlich-philosophische Texte IM ORIGINAL zu lesen und zu vergleichen. Seine Begründung: Gerade Manager sind mit sich wiersprechenden Zahlen konfrontiert, sie müssen sich hier zurechtfinden und Entscheidungen unter Unsicherheit treffen: „Studenten müssen deshalb lernen, Widersprüche zu überbrücken.“ Ja, wir brauchen mehr solcher Menschen, die die Bedeutung des Lesens und des Umgangs mit der Sprache kennen und entsprechende Lobbyarbeit (endlich mal in positivem Sinne!) betreiben.
    Das ist ja mal ein großes und wichtiges Thema!
    Viele Grüße, Claudia

    PS: ZU dem Spruch „Früher war alles besser“, meint der Kabarettist Jochen Malsheimer (ich hoffe, ich kriege es jetzt einigermaßen hin, aber seine unnachahmliche Intonation kommt hier natürlich nicht raus): „Ja, früher! Früher war einfach früher.“

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Claudia, hab herzlichen Dank für deinen ausführlichen und sehr interessanten Kommentar. Dass man Bücher für Kinder bearbeitet, mag ja noch angehen, aber für ältere Schülerinnen und Schüler, die bereits auf eine weiterführende Schule gehen? Das finde ich höchst bedauerlich! Ich glaube kaum, dass man heutigen Schülerinnen und Schüler weniger zumuten kann und finde diese Art der „Entmündigung“ geradezu grotesk. Wenn man den Leuten alles meint „erleichtern“ zu müssen, weil man ihnen nichts mehr zutraut, muss man sich eigentlich nicht wundern, dass die Motivation sinkt.
      Den Kabarettisten kenne ich leider nicht, aber der Spruch ist gut ; )
      Liebe Grüße!

  6. buchpost schreibt:

    Vielen Dank an Claudia für den Hinweis auf den ZEIT-Artikel, der leider nichts an Aktualität verloren hat. Es ist tatsächlich so, dass ehemalige Hauptschüler, die den Realschulabschluss erwerben wollen, schon anfangen zu stöhnen, wenn ich ihnen zwei normal bedruckte Seiten zum Lesen zumute. Und vor zehn Jahren war ich so leichtsinnig und habe mit Fachoberschülern, die nach diesem Abschluss studieren dürfen, „Nathan der Weise“ gelesen. Es war für uns alle entsetzlich, denn die meisten haben die Sprache nicht mehr verstanden. Viele verstehen schlichteste Texte nicht mehr und die Diskussionen laufen anders als gedacht, wenn Schüler darauf bestehen, dass es in „Nachts schlafen die Ratten doch“ von Wolfgang Borchert vermutlich um eine Missbrauchserfahrung gehe und Nadolny in „Die Entdeckung der Langsamkeit“ nur „rumsülze“. Und ich bin ganz und gar kein Freund der bearbeiteten und vereinfachten Schullektüren – außer vielleicht für extrem schwache Leserinnen und Leser, denn gerade das Besondere an einem Buch wird so eingedampft und es unterscheidet sich in nichts mehr von all den anderen eingedampften Büchern. – Umso schöner, dass es euch und eure Blogs gibt! In diesem Sinne eine wunderschöne Woche. Anna

    • Da kann die Schule nicht mehr auffangen, was früh verpasst worden ist, leider. Ich habe gerade über eine Studie von Snowden, 2001, gelesen, die den Zusammenhang zwischen der mentalen Beweglichkeit am Ende des Lebens und den frühen verbalen Fähigkeiten untersuchte. Den ganzen mental Beweglichen wurde besonders viel vorgelesen. Das simple Fazit der Forscher: „Lesen Sie Ihrem Kind vor, lesen Sie ihrem Kind vor; und wenn Sie fertig gelesen haben: Lesen Sie Ihrem Kind wieder vor.“

      • buchpost schreibt:

        Hallo Mila, ein prima Zitat, das ich sofort unterschreiben würde. Ich frage immer in meinen Klassen, wem da früher noch vorgelesen wurde, die Antworten sind ernüchternd. Und das Ganze hat natürlich Folgen: Die Jugendlichen, die heute ungern oder gar nicht mehr lesen, werden in den seltensten Fällen später ihren eigenen Kindern mal vorlesen. Man kann ja nur das weitergeben, an dem man selbst Freude hat. Viele Grüße, Anna

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Anna, das ist ja wirklich sehr schade, dass zwei Seiten schon als anstrengend empfunden werden. Aber auch komisch, die Leute lesen doch sicher im Internet den ein oder anderen Text – oder vielleicht nur die kurzen? Oder sie überfliegen Längeres nur? Ob man die Schülerinnen und Schüler wieder aufs Lesen trainieren kann – also, von Gedrucktem? Liebe Grüße!

      • buchpost schreibt:

        Hallo Petra, auch wenn ich natürlich nicht alle über einen Kamm scheren darf, scheint es schon so zu sein, dass viele freiwillig nur kurze Texte lesen oder Texte zu Themen, die sie interessieren und die sprachlich eher schlicht sind. Trainieren ließe sich die Lesekompetenz sicherlich, aber das müsste a) ohne Notendruck geschehen und b) vor allem rechtzeitig passieren. Wenn die Jugendlichen mit 16 oder 17 zu uns in die Berufsschule kommen, ist das oft schon zu spät. Man kann gar nicht früh genug damit beginnen, den Kindern Freude und Spaß an Sprache, Worten und Texten zu vermitteln. Und da wären wir u. a. wieder bei dem, was Mila geschrieben hat. Viele Grüße!

      • Petra Gust-Kazakos schreibt:

        Ohne Notendruck scheint mir hier ein gutes Stichwort zu sein, liebe Anna. Vor einiger Zeit las ich „Wie ein Roman“ von Daniel Pennac, der sich auch mit dem Thema befasst – vielleicht wäre das was für dich? https://phileablog.wordpress.com/2012/04/30/von-leselust-und-lesefrust/ Ob’s dann in der Praxis auxh so gut klappt, wie bei ihm, ist natürlich nicht sicher.

  7. buchpost schreibt:

    Liebe Petra, anscheinend sollte das Wort „Ratte“ die kritiklose Gier veranschaulichen, mit der die Leser alles wahllos in sich hineinschlangen. Diese Polemik scheint mir eine gewisse Angst vor Viellesern auszudrücken. Aber ich mag Ratten auch kein bisschen … ein anderer Begriff wäre gut. Wir könnten ja mal sammeln, der Buchfink wurde erwähnt, die Leseamsel, ich hätte noch den Lesespecht im Angebot 🙂

  8. leopoldsleselampe schreibt:

    Hallo Petra, ein spannender Artikel.
    Was den Punkt „früher war alles Besser“ betrifft: In meiner Dachbodenaktion habe ich etliche alte Zeitungen entdeckt, Die Artikel unterscheiden sich von heutigen oft nur durch das Datum. Mir fehlt noch der Zugang, wie ich daraus Beiträge für meinen Blog machen kann, wird aber auf jeden Fall ein spannendes Projekt.

    Bei der Leseumfrage hat mich die Phantasielosigkeit der Antwort „Lesen sei mühevoll“ erschreckt. Jeder liest irgendetwas, was ihm nicht mühevoll ist. Mit so einer Antwort entscheidet man sich dafür, das halb leere Glas zu sehen. Das halb volle wäre: Selbst dann liest man Gebrauchsanweisungen, Beipackzettel, CD-Cover, „Instructions“ für Online-Spiele. Alles das ist Lesen, Wenn man das offen bekennt, dann ist das Buch „nur“ die Weiterentwicklung. Optimistische Grüße. Leo

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Lieber Leo,
      das mit den alten Zeitungen finde ich ja interessant! Da wäre ich sehr gespannt, wie du das präsentieren würdest … vielleicht nur die Schlagzeilen – alt und neu, ohne zu sagen, welche alt und welche neu sind?
      Diese Umfrage ist schon schräg. Man könnte ja auch sagen, Sport sei mühevoll, kochen auch, leben sowieso … Am besten gleich aufgeben, wo doch alles sooooo anstrengend ist ; )

  9. entdeckeengland schreibt:

    Liebe Petra, erstmal herzlichen Dank fuers Vorlesen aus der ZEIT. Die ZEIT ist eine der wenigen Dinge, die ich vermisse, seit ich aus Deutschland weggezogen bin (und Online lesen ist einfach nicht das Gleiche). Deine Statistiken und auch die Kommentare zur deutschen Leselust sind schon sehr bedenklich. Das ist hier in England leider auch nicht anders. Wenn man hier mit seinem 1-jaehrigen Kind zur Entwicklungsuntersuchung geht, bekommt man einen Beutel mit Kinderbuechern geschenkt und Flyer, die darauf hinweisen, wie wichtig es fuer das Sprachtraining aber auch das lesen und schreiben lernen ist, dass Kinder so frueh wie moeglich mit Buechern in Beruehrung kommen. Dass sich die Qualitaet der Buchlaeden mit dem Mainstream entwickelt, ist auch schade. Die Buchlaeden in meiner alten Heimat gehoeren mittlerweile alle zu grossen Ketten, dort hat man Schwierigkeiten, einen Goethe oder Fontane zu finden – das ist schon ein Armutszeugnis. Andererseits sollten wir auch nicht solche Buecher verdammen, die sich nur aufgrund von Sensationslust verkaufen, Vielleicht entdecken einige Leser, die wenig Beruehrung zu Buechern haben, erst dadurch ihre Leselust? Ich denke, besonders in der Schule ist es wichtig, jungen Leuten nicht nur die Klassiker vorzustellen, sondern auch eine gute Mischung aus populaeren und kontroversen Buechern. Auch Goethes Werther war damals sehr umstritten, die jungen Leute liebten ihn, aber die aeltere Generation hielt das Buch fuer gefaehrlich, so dass der Vertrieb in Leipzig sogar verboten wurde. Wenn wir einen literarischen Dialog mit jungen Menschen aufbauen wollen, duerfen wir die neue Medienentwicklung nicht ignorieren. Wir sollten sie nutzen, um Leselust zu verbreiten. Liebe Gruesse aus London, Peggy

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Peggy,
      hab herzlichen Dank für deinen ausführlichen Kommentar! Ich sehe das eigentlich ähnlich wie du: Gern darf es eine Mischung sein, nur Klassiker wäre genauso einseitig wie nur Zeitgenössisches. Auch den aktiven Umgang mit verschiedenen Gattungen und Textsorten halte ich für überaus wichtig für die eigene Schreib- und Lesekompetenz. Und das Lesen im Internet oder mit E-Book-Readern ist genauso wichtig wie der Umgang mit papiernen Lesestoffen. Ich denke, dass vor allem die Eltern gefordert sind: Sehen die Kinder Mummy und Daddy nur vor der Glotze und gibt es keine wohlgefüllten Bücherregale, so werden aus den Kindern zunächst mal keine großen Bücherwürmchen werden, fürchte ich. Da kann die Schule dann auch nicht mehr viel tun. Leselust verbreiten können wir alle – bei unseren Kindern, Freundeskindern oder Patenkindern, Nachbarskindern etc.
      Liebe Grüße
      Petra

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