Das Oscar-Wilde-Album

Wer wie ich ein großer Fan von Oscar Wilde ist, sollte sich Das Oscar-Wilde-Album nicht entgehen lassen. Der Enkel des grandiosen Oscar Wilde, Merlin Holland, hat dieses Album in jahrelanger Suche zusammengestellt. Entstanden ist eine schöne Hommage an den größten irischen Autor Englands, den Inbegriff des Dandys und die Personifikation des geistreichen Witzes.

Wie Merlin Holland in seiner Einleitung schreibt, wurden die Familienalben von Mitarbeitern des Sheriffs verkauft, kurz bevor Wilde wegen des Vorwurfs der Homosexualität vor Gericht stand. „Aber der Untergang der Bände gehört zu unserer Familiengeschichte. Es musste so kommen; sein Sturz hatte die Unvermeidlichkeit einer griechischen Tragödie, und für mich war er der Auftakt zu einer spannenden Entdeckungsreise, die mittlerweile dreißig Jahre währt“, schreibt Holland.

Das Album ist eine wunderbare Mischung aus Fotos, Karikaturen, Plakaten, Zeitungsausschnitten und Text. Wilde wusste sich in Szene zu setzen, wie man an den Fotos sehen kann. Tragisch, dass ihm die Fotos (und vieles mehr) verlorengingen, auch wenn ihn das vielleicht weniger geschmerzt haben mag als der Verrat und Verlust seines Geliebten oder die Zerstörung seines Rufs und seiner Karriere.

Während Wilde im Zuchthaus in Reading inhaftiert war, schrieb er einen Brief an seinen einstigen Geliebten, der später unter dem Titel „De profundis“ veröffentlicht wurde. Hier kann man ihn auf Deutsch lesen. Wunderschön ist auch seine „Ballad of Reading Gaol“, die man hier (auf Englisch) nachlesen kann. Berühmt daraus sind die Zeilen „For each man kills the thing he loves, / Yet each man does not die.”

Nach seiner Haft lebte Oscar Wilde unter dem Namen Sebastian Melmoth (nach dem Roman Melmoth the Wanderer seines Großonkels Charles Robert Maturin) fern von England und starb verarmt am 30. November 1900 im Pariser „Hotel d’ Alsace“. Sein Grabmal wurde jahrelang von Lippenstiftküssen seiner Fans geschmückt, leider ist das Küssen seines inzwischen renovierten Grabs verboten.

Falls ihr mehr von und über Oscar Wilde lesen möchtet, empfehle ich euch die hervorragende Biographie von Richard Ellmann sowie die kritische Ausgabe der Werke Oscar Wildes, herausgegeben von Isobel Murray.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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18 Antworten zu Das Oscar-Wilde-Album

  1. Karo schreibt:

    Puh, im Netz leider schon ziemlich vergriffen, das gute Teil 😦

  2. Susanne Haun schreibt:

    Liebe Petra,
    ich habe gerade vor kurzem den Wilm Oscar Wilde mit Stephen Fry und Jude Law auf DVD gelesen.
    Sie hat mich sehr beeindruckt diese DVD.
    Ich wünsche dir einen schönen Abend, Susanne

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ja, liebe Susanne, der Film ist wirklich gut – und Stephen Fry als Oscar Wilde genial besetzt. Vor Jahren titelte dazu die inzwischen leider eingegangene Zeitung „Die Woche“: „Born to be Wilde“ – fand ich auch klasse ; ) Hab einen gemütlichen Abend, liebe Susanne!

  3. Lakritze schreibt:

    Jetzt habe ich einen Ohrwurm; was müssen die auch das Küssen verbieten …
    Und ein Buch für die Liste. (Oh, die vermaledeite Liste!)

  4. B.ee schreibt:

    Ist direkt auf meine Buchliste für den nächsten Büchereibesuch gewandert. Danke für die Entdeckung!

  5. Sofasophia schreibt:

    schöne hommage auch hier, in deinem artikel … 🙂
    was für ein schicksal, denk ich grad. wilde ist mir nicht sehr vertraut, seit der schule habe ich ihn aus den augen verloren, sozusagen. doch das könnte sich durchaus ändern!

  6. buchpost schreibt:

    Dank deiner Empfehlung fiel mir das Buch in einer Buchhandlung auf, ansonsten wäre ich wohl achtlos dran vorbei gelaufen. Und dann noch ein super Schnäppchenpreis, da musste ich einfach zugreifen. Ich habe Wilde auch als sehr interessant in Erinnerung, müsste mal wieder aufgefrischt werden… Anna

  7. Pingback: Merlin Holland: Das Oscar-Wilde Album (OA 1997) – buchpost

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