Sommer statt Frierling

Strahlender Sonnenschein, ein leichter Wind, Temperaturen bis 30 Grad – nachdem wir in Deutschland bei Regen und neun Grad gestartet sind, komme ich mir seit Samstag vor, als sei ich vom deutschen „Frierling“ direkt im Sommer gelandet. Herrlich! Kaum hatten wir unser Mietauto abgeholt, fuhren wir auch gleich ans Meer nach Porto Rafti, wo wir zu Abend aßen und den Anblick genossen.

Vom Flughafen direkt ans Meer, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Vom Flughafen direkt ans Meer, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Zusätzlich zum obligatorischen Katzenbesuch bekamen wir bei Tisch auch Besuch von einem Schwan. Er schaukelte gemütlich vor uns, das Stückchen Brot, das ich ihm zuwarf, hat er höflichkeitshalber beachtet und unter Wasser zerbröselt. Vermutlich kann er kein Brot mehr sehen. Wir jedenfalls waren gleich in bester Ferienstimmung.

Besuch vom Salzwasserschwan, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Besuch vom Salzwasserschwan, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Bevor wir wie üblich nach Kalamata weiterfuhren, haben wir ein bisschen Station in Athen gemacht. In den letzten Jahren waren wir nämlich meist gleich durchgefahren, sodass ich nun sehr gespannt war, wie es dort inzwischen aussehen würde.

Freie Bahn in Athen, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Freie Bahn in Athen, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Schon auf der Fahrt Richtung Innenstadt alles sehr angenehm, relativ freie Straßen, vielleicht sind einige bereits in den Osterurlaub gefahren? Ostern ist hier ja erst am kommenden Wochenende. Wir hatten vor, durch einen meiner Lieblingsstadtteile, die Pláka, zu spazieren und uns das neue Akropolismuseum anzusehen.

Typisch Pláka. Foto: © Petra Gust-Kazakos

Typisch Pláka. Foto: © Petra Gust-Kazakos

Was macht man in der Pláka als gute Touristin? Man kauft etwas – support local economy! – in meinem Falle Sandalen, zwei Paar für jeweils 19 Euro (Wahnsinnspreis!) aus einer schier unglaublichen Auswahl.

Da fällt die Wahl schwer, eines von vielen Sandalengeschäften in der Pláka. Foto: © Petra Gust-Kazakos

Da fällt die Wahl schwer, eines von vielen Sandalengeschäften in der Pláka. Foto: © Petra Gust-Kazakos

Ich liebe diese Sandalen, sie sind ganz schlicht, am Anfang ist das Leder noch etwas hart, aber nach einer Weile wird es butterweich. Außerdem halten sie jahrelang. Nach dem erfolgreichen Einkauf tranken wir frischen Orangensaft und verspeisten Mezedakia, dann spazierten wir weiter in Richtung des neuen Akropolismuseums, wo wir durch zwei Straßen kamen, die bzw. deren Straßenschilder man als Literaturfreundin natürlich dringend knipsen muss: Die Shelley- und die Byronstraße.

Foto: © Petra Gust-Kazakos

Foto: © Petra Gust-Kazakos

Foto: © Petra Gust-Kazakos

Foto: © Petra Gust-Kazakos

Und dann das Museum – bereits von außen wirkt das hochmoderne Gebäude überaus beeindruckend. Das liegt unter anderem daran, dass es wirklich riesig ist!

Beeindruckender Koloss, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Beeindruckender Koloss, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Schon der Weg zum Eingang ist ein Erlebnis, denn Glasplatten im Boden zeigen einem, dass man in Athen wirklich auf Geschichte wandelt. Durch das Glas sieht man die Reste früherer Häuser, zum Teil aus dem 5. vorchristlichen Jahrhundert. Eine sehr große, von einem Geländer umgebene Glasfläche lenkt nochmals gezielt die Aufmerksamkeit darauf.

Freie Sicht auf die Antike, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Freie Sicht auf die Antike, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Das Innere das Museums ist natürlich sowieso sehenswert, sowohl architektonisch – u. a. wird die Idee mit den Glasplatten und dem Blick auf antike Behausungen auch hier weitergespielt – als eben auch wegen der vielen kleinen bis sehr großen Fragmente aus den verschiedenen Tempeln. Im 3. Stock gibt es einen großartigen Rundgang, nach außen ein Panoramablick über Athen, wie man ihn selten genießen kann, nach innen der Blick auf die Verzierungen des Parthenon, vor allem auf die Lücken. Denn der fleißige Lord Elgin konnte die Figuren etc. ja gar nicht schnell genug klauen.

Die fehlenden Stücke lassen sich im British Museum bewundern, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Die fehlenden Stücke lassen sich im British Museum bewundern, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Sehr interessant ist auch der kleine Film, der zeigt, wie der Parthenon im Laufe der Jahrhunderte weniger und weniger wurde. Erst durch die Christen, die im 6. Jahrhundert daraus eine Kirche machten, dann unter den Osmanen, wo er zur Moschee umgewandelt wurde und schließlich durch eine Explosion im 17. Jahrhundert, als man dort ein Munitionslager eingerichtet hatte (was für eine idiotische Idee). Also, falls ihr nach Athen kommt, seht euch auf jeden Fall dieses Museum an, es lohnt sich sehr!

Ich fand es übrigens auffallend sauber in Athen und sehr relaxed. Von den Bildern, die uns die Medien in den letzten Monaten präsentierten, habe ich in der Wirklichkeit nichts wiedergefunden.

Alles ruhig: der Syntagma-Platz und das Parlament, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Alles ruhig: der Syntagma-Platz und das Parlament, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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13 Antworten zu Sommer statt Frierling

  1. B.ee schreibt:

    Liebe Petra,
    das klingt gut, hat uns doch der Frierling hier weiter im Griff. Angeblich sollten es heute 19 Grad werden, ich wollte meinen Balkon neu einpflanzen, aber bisher ist es mir zu kalt da draußen und ich sitze hier mit wärmendem Tee…vll werde ich später mit Schaul noch ein wenig pflanzen gehen. Seufz.
    Ich war auch über die „anderen“ Bilder Athens überrascht. Nach den Medienberichten der letzten Zeit…
    Eine wunderschöne Zeit Euch noch!
    B.ee

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Vielen Dank, liebe B. ee! 19 Grad, uff, immerhin 10 Grad mehr als am Samstag – vielleicht geht es ja nun wirklich aufwärts?
      Mir geht es wie dir, was die „anderen“ Bilder betrifft, und es war mir wichtig, sie euch zu zeigen. Griechenland, Athen sind nach wie vor wunderschöne Reiseziele, das ging in dem Krisentrubel etwas unter. Liebe Grüße : )

  2. leopoldsleselampe schreibt:

    Hallo Petra, ein sehr guter Beitrag, danke. Das es eine Shelley-Straße gibt, finde ich spannend, weil es Shelley – im Gegensatz zu Byron – gar nicht bis Griechenland geschafft hat. Mit neidischen Grüßen aus „Frierling-Land“. Leo

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Das stimmt, lieber Leo. Was Shelley mit Byron (und weiten Teilen der europäischen Intelligenz jener Zeiten) gemeinsam hatte, war seine Sympathie für den griechischen Freiheitskampf. Er schrieb sogar ein Versdrama mit dem Titel „Hellas“, um Geld für die gute Sache zusammenzubringen, mehr darüber findest du auch hier http://en.m.wikipedia.org/wiki/Hellas_(poem). Vielleicht ist das der Grund, dass man eine Straße nach ihm benannte. Schön fand ich auch, dass kurz zuvor bei dir ein sehr interessanter Beitrag zu Shelley und Byron zu lesen war : )

  3. Susanne Haun schreibt:

    Ich wünsche euch noch weiter so viele tolle Eindrücke wie auf den Fotos, Petra, die Zehsandalen gefallen mir besonders gut!
    Liebe Grüße und einen schönen Urlaub von Susanne

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Vielen Dank, liebe Susanne : ) Ich fand sooo viele Modelle schön, leider (oder vielleicht zum Glück) gab es nicht alle in meiner Größe, aber wenigstens meine beiden Lieblingsmodelle : )

  4. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Noch ein Nachtrag zu Byron: Südöstlich der Athener City gibt es sogar eine ganze Gemeinde mit eigenem Bürgermeister, die nach ihm benannt ist (Vyronas, 60.000 Einwohner).

  5. dasgrauesofa schreibt:

    Liebe Petra,
    vielen Dank für Deinen tollen Beitrag und die schönen Bilder. Die stimmen schon richtig auf Sommer und auf Urlaub ein. Ich fand ja deinen Museumsbericht mit den Fotos besonders spannend, wie interessant und anregend doch immer wieder Museen gestaltet sind. Ich wünsche Dir noch ganz schöne Urlaubstage – und uns noch viele weitere schöne Berichte.
    Liebe Grüße, Claudia

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Vielen Dank, liebe Claudia, ich freue mich, dass dir der Beitrag gefällt : ) Und bestimmt folgen noch ein paar sommerliche Reiseschnipsel in den nächsten Tagen. Liebe Grüße!

  6. Bücherphilosophin schreibt:

    Was für ein schöner Bericht! Als wäre ich selbst in Athen gewesen 🙂 Ich wünsche Dir weiterhin eine schöne Reise. LG, Katarina 🙂

  7. Lakritze schreibt:

    Oh, herrlich! Aber nach den letzten Tagen hier kann ich Deinen Bericht recht entspannt lesen. Wenn auch von Sandalen noch nicht die Rede sein kann — der Kühling ist vorbei. Weiterhin schöne Ferien!

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Herzlichen Dank, liebe Lakritze! Schön, zu lesen, dass es nun wärmer wird, so bekomme ich dann vielleicht keinen allzu großen Temperaturschock, wenn ich nach Hause komme ; )

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