Small World

Ein echter Pageturner! Auch stilistisch gefiel mir Small World von Martin Suter wesentlich besser als sein Lila, Lila. Vielleicht weil der Autor so gut zum Thema Alzheimer recherchiert hat und sein eher schlichter Stil hier besser passt als bei einem Roman über eine unglückliche Liebe.

Die Villa der reichen Elvira Senn, die mit ihren fast 80 Jahren noch immer die Geschicke des Koch-Konzerns leitet, brennt lichterloh. Schuld ist Konrad Lang, der auf die Villa aufpassen sollte, und versehentlich den Brand ausgelöst hat. Elviras ausführende Hand, Schöller, denkt, dass dies eine gute Gelegenheit wäre, den lästigen alten Säufer endlich loszuwerden, den Elvira schon seit Jahren unterstützt. Wider Erwarten hilft Elvira Konrad weiterhin, finanziert ihm eine kleine Wohnung, zahlt seine Rechnungen für Kleidung und in Restaurants, will ihn sich aber ansonsten vom Leib halten.

Der mittellose Konrad und Elviras Sohn Thomas wuchsen miteinander auf. Konrad besuchte die gleichen teuren Schulen und Kurse wie Thomas, sie verbrachten ihre Urlaube miteinander und waren befreundet. Doch Thomas sorgte immer dafür, dass die Kreise, in denen sie sich bewegten, darüber unterrichtet waren, dass Konrad nur dank der Großzügigkeit seiner Mutter in den Genuss dieser Privilegien kam. Damit bleibt Konrad der echte Zugang zur Elite verschlossen, er wird geduldet wie ein treuer Hund – mehr nicht.

Jetzt ist Konrad Mitte sechzig und hat wenig aus seinem Leben gemacht. Dazu kommt, dass er immer schusseliger wird. Die ersten Anzeichen von Alzheimer machen sich bemerkbar. Wenn Konrad alles vergessen könnte, wäre Elvira das sehr recht, doch ausgerechnet Erinnerungen aus frühester Kindheit stehen Konrad noch immer klar vor Augen. Erinnerungen, die sie immer stärker beunruhigen.

Die Beschreibung, wie jemand an Alzheimer erkrankt, welche Möglichkeiten bestehen und wie zwei Menschen alles tun, damit Konrad sich erinnert bzw. alles vergisst, ist ausgezeichnet ausgeführt und spannend zu lesen. Empfehlenswert!

Rezension erstmals erschienen im „Virtuellen literarischen Salon“.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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7 Antworten zu Small World

  1. buchpost schreibt:

    Wow, dein Blog wird sogar im Urlaub bestückt, Hut ab🙂 Ich erinnere mich, „Small World“ hat mir gut gefallen, ebenso „The dark side of the moon“, die anderen Bücher ließen dann ziemlich nach. Noch wunderschöne Tage! Anna

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Danke dir, liebe Anna : ) Ja, es ist ganz praktisch, wir haben hier ja auch WLAN etc., dann lohnt es sich, die Laptops mitzunehmen. Außerdem kann man was arbeiten oder einfach nur nett surfen, twittern etc : ) Liebe Grüße!

  2. dasgrauesofa schreibt:

    „Small World“ hat mir auch sehr gut gefallen, zum einen eben wegen der sehr einfühlsam beschriebenen Krankheit, zum anderen aber auch wegen der spannenden Geschichte. Den Roman habe ich wirklich als ganz tolle Geschichte in Erinnerung. Und eine Verfilmung gibt es auch, die den Betrachter sehr mit Konrad mitfühlen lässt (mit Gérard Depardieu als Konrad Lang).
    Viele erholsame Grüße nach Griechenland, Claudia

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Claudia, ja, dieser Roman von Suter hat mich auch am meisten berührt. Die anderen waren gut, spannend, unterhaltsam, aber dieser hier ging tiefer. Den Film würde ich mir auch noch gern gelegentlich ansehen. Liebe Grüße!

  3. flattersatz schreibt:

    mir hat der roman seinerzeit auch gut gefallen, ich fand nur das ende etwas arg konstruiert…

  4. Lakritze schreibt:

    Hm, das ging mir bislang mit jedem Suter so: am Ende wirkte es, als habe er sich sehr beeilen müssen. Small world habe ich noch nicht gelesen.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Aha? Schlecht fand ich eigentlich nur einen Roman von ihm, bei den anderen ist mir eine besonders Eile am Ende nicht aufgefallen, interessant, muss vielleicht noch mal ein paar Enden dahingehend lesen : )

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