Zeitungsfrühstück, Folge 68

Willkommen zum Zeitungsfrühstück an diesem typisch trüb-wolkigen Tag dieses untypischen Frühlings, meine Lieben! Am Büffet heute wieder Häppchen aus dem Zeitmagazin, dem Reiseteil und dem Feuilleton der Zeit vom 23. Mai 2013.

Foto: (c) Gerda Kazakou

Foto: (c) Gerda Kazakou

In seiner Kolumne macht sich Harald Martenstein Gedanken über politisch korrekte und inkorrekte Wörter. In weiten Teilen ist das Zeitmagazin wieder ein Werbeblatt für Herstellerfirmen teurer Zeitmesser, es gibt ein Interview mit Egon Bahr, einen Beitrag über junge und ältere Mädchen und ihre Pferdeliebe sowie einen Beitrag über irgendeinen Menschen aus irgendeiner TV-Show, den ich nicht las, da ich die Show nicht kenne und mir auch keinen Fernseher kaufen werde, um diese Wissenslücke zu schließen. Also lieber weiter zum Reiseteil.

„Stachelrochen und Landschaftspornos“ heißt der Beitrag von Michael Allmaier, der sich im Selbstversuch 80 Stunden um die Welt zappte. Well, vielleicht wäre Reiseliteratur ja thematisch interessanter gewesen, auch um darüber dann einen Beitrag zu verfassen? Scheint noch nicht online zu sein. Egal. Auf jener Zeitungsseite fiel mir die störende Kopfzeile auf, die die Zeit seitenweise malträtiert: ein „TV-Special“ mit Informationen, die für TV-Fans möglicherweise interessant sind. Oder auch nicht. Wer will das schon wissen. Ich jedenfalls nicht.

Auf der ersten Seite des Feuilletons gibt es einen schönen Kommentar über die wohl sehr deutsche Phrase, nämlich „Hausaufgaben nicht gemacht?“, von Adam Soboczynkski. Leider nicht online. Seine Anmerkung, dass „Hausaufgaben in Deutschland dank seiner weit verbreiteten Halbtagsschulen einen besonderen Stellenwert“,besitzen, man den „Nachwuchs nachmittags zum Lernen“ überreden muss, weswegen „derlei mühsame Erziehungsanstrengung unweigerlich volkspsychologische Spuren“ hinterlassen musste, fand ich sehr putzig.

Ganz wunderbar gelungen ist Ijoma Mangolds Rezension „Bildungsbürger auf der Flucht“ zu Dan Browns neuestem Thriller Inferno. Ihn interessiert, „wie ein Roman beschaffen sein muss, der die Leute weltweit zu Leseratten mutieren lässt. Meine Vermutung bislang: Was sich gut verkauft, muss Trash sein. […] Meistens liegt man mit dieser Arbeitshypothese richtig.“  Da hat er wahrscheinlich meistens Recht. Mangold las nun also zum ersten Mal etwas von Dan Brown und kommt zu dem Urteil: „Ich habe mich von der ersten Seite an bestens amüsiert. Natürlich unter meinem Niveau, aber das ist eine Feststellung, kein Einwand.“ Das klingt doch ermutigend ; ) Außerdem hat er bei der Gelegenheit verstanden, warum Bücher dieser Art so dick sind: „In der Zeit, in der man eine Handke-Seite liest, hat man acht Dan-Brown-Seiten gelesen.“ Sehr interessant fand ich seine Beobachtung, dass der Kanon „in der Unterhaltungsliteratur Asyl“ erbeten und gefunden hätte. Dieses Motiv der Literatur als Thema der Literatur kenne ich zwar auch aus einigen sehr guten postmodernen Romanen, aber in der Tat ebenso aus prima Unterhaltungsromanen wie die Serie um die Literaturagentin Thursday Next. Die Idee Dan Browns jedenfalls fand Mangold eines Eco würdig. Auch mein Liebster meinte dazu „Eco für alle“. Das hat was. Man nehme: 1 spannende Idee – und dann nur noch spannende Unterhaltung, ohne die Leserschaft mit allzu viel Hintergrundwissen zu „plagen“.

Leider sind die beiden Vampir-Beiträge am Ende des Feuilletons noch nicht online … Euch, meine Lieben, noch ein wunderschönes Wochenende!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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10 Antworten zu Zeitungsfrühstück, Folge 68

  1. haushundhirschblog schreibt:

    Schön, hier wieder einen von Dir ausgewählten Blick in die ZEIT zu bekommen!
    Auf das Interview mit Egon Bahr bin ich sehr gespannt, werde ich sicher am Abend lesen, während dm dem „Finale“ folgen wird. Die Rezension von Ijoma Mangold muss ich eigentlich auch unbedingt lesen, zwar nicht notwendig wegen Dan Brown, sondern eher, weil ich Mangolds Kritiken einfach immer sehr gerne lese .. und höre.
    Danke, liebe Petra,
    mb

  2. B.ee schreibt:

    Liebe Petra,
    hier im Regal tummeln sich auch zwei Dan Browns. „Illuminati“ und „Sakrileg“ – eines habe ich gelesen, fand es nett, das andere war dann irgendwie das gleiche in grün und ich habe es sein lassen. Ich weiß nicht mal so genau, welches der erste Band war. Dennoch: Brown mochte ich lieber als Eco. Ersteren habe ich wenigstens einmal zu Ende gelesen und mich darüber hinaus noch unterhalten gefühlt.
    Liebste Grüße,
    B.ee

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe B.ee, mir ging es so ähnlich wie dir mit Dan Brown, ich las erst den „Da Vinci Code“ und dann die „Illuminati“, der nach dem gleichen Muster gestrickt und nicht mehr so spannend schien. Interessanterweise fanden viele, die erst die „Illuminati“ gelesen haben, den Nachfolger dann nicht mehr so spannend. Nach der Rezension von Mangold habe ich jedenfalls Lust bekommen, das neue Buch zu lesen. Unterhaltend ist es ja : ) Eco mag ich allerdings auch, besonders „Der Name der Rose“. Dir noch einen wunderschönen Sonntag & liebste Grüße : )

  3. „Natürlich unter meinem Niveau“ – lesen wir so nicht ständig alle?! Sehr gelacht. Wie dir geht es mir auch mit diversen TV-Promis aus irgendwelchen D-Shows. Warum sollte mich interessieren, dass – sagen wir mal – Kati sich von – sagen wir mal – Uwe getrennt hat? * Namen wahllos austauschbar* Ich kenne weder besagte Kati noch besagten Uwe und möchte sie auch gar nicht kennenlernen. LG und schönen Sonntag noch, Mila

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ja, liebe Mila, die Rezension ist wirklich klasse : ) Erstaunlich schon, dass es so viele Menschen zu geben scheint, die sich für die Schicksale austauschbarer D-Promis interessieren. Na ja, wir müssen da ja zum Glück nicht mitmachen : ) Dir auch noch einen schönen Sonntag & liebe Grüße!

  4. dasgrauesofa schreibt:

    Ijoma Mangolds Rezension hat mir auch sehr gut gefallen. Ich bin jetzt zwar nicht sooo motiviert, dass ich Dan Brown sofort und auf der Stelle lesen muss, habe aber viele gute Kriterien an die Hand bekommen, was einen guten „Unterhaltungsroman“ ausmacht. Ansonsten war Mangolds Artikel fast das einzige Highlight in der ZEIT. Irgendwie erschreckt es mich immer wieder, wenn ich mir doch mal eine Ausgabe kaufe. Ich könnte über die ZEIT fast in das Wehklagen einstimmen, über das wir an dieser Stelle schon vor einiger Zeit schon einmal sinniert haben: „Früher war doch irgendwie…“
    Viele Grüße, Claudia

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ja, liebe Claudia, das war eine eher schwächere Ausgabe, aber es gibt auch immer wieder sehr gelungene oder auch nette Überraschungen, wie das Sonderheft zur Fotografie. Liebe Grüße!

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