Geschichte einer Liebe

Gerade las ich Angela Steideles wunderbares Buch Geschichte einer Liebe über die Beziehung zwischen Adele Schopenhauer (1797-1849) und Sibylle Mertens, geb. Schaaffhausen (1797-1857) zu Ende. Darauf gekommen bin ich über die Rezension auf Syn-ästhetisch – ein toller Buch-Tipp, den ich gern weitergebe!

Schon für sich genommen waren die beiden Frauen hochinteressante Persönlichkeiten. Adele war die Tochter der damals sehr beliebten Schriftstellerin Johanna Schopenhauer und die Schwester des Philosophen Arthur Schopenhauer, stand in regem und engem Kontakt mit Goethe und war lange Zeit verliebt in dessen spätere Schwiegertochter Ottilie. Vor allem aber war sie eine hoch gebildete Frau, die später bekannt werden sollte für ihre Scherenschnitte, als Autorin und als Literaturagentin, nämlich für Annette von Droste Hülshoff. Leider wurde sie auch bald wieder vergessen. Gleiches gilt für Sibylle Mertens, die zu ihrer Zeit als Privatgelehrte in hoher Achtung als Altertumskundlerin und Antikensammlerin stand, im Laufe ihres Lebens zwei Salons führte, ungewöhnlich für ihre Zeit sehr demokratisch gesinnt und darin auch aktiv war, eng befreundet mit den Schriftstellerinnen Annette von Droste-Hülshoff und Anna Jameson war, unglücklich verheiratet, sechs Kinder hatte, die ihr später das Leben noch sehr schwer machen sollten, und doch eigentlich Frauen liebte.

Erst 1869, so erfuhr ich in diesem Buch, wurde der Begriff „Homosexualität“ geprägt. Zur Zeit der Liebesbeziehung zwischen Adele und Sibylle stand die Liebe unter Frauen nicht unter Strafe – im Gegensatz zur Liebe unter Männern – sondern wurde entweder nicht ernst genommen oder gleich zur Verrücktheit erklärt. Angela Steidele beschreibt die Schwierigkeiten, die gebildete Frauen in der Gesellschaft hatten zu einer Zeit, als Frauen juristisch ziemlich miserabel gestellt waren, sowie natürlich die speziellen Probleme, die sich aus ihrer sexuellen Neigung ergaben. Und zwar sowohl gesellschaftlich als auch, besonders im Falle der Sibylle Mertens, von Seiten der Familie. Das Ganze ist dermaßen mitreißend geschrieben, das Leben der beiden Frauen so spannend erzählt, dass dieses Buch für mich der reinste Pageturner war, den ich kaum aus der Hand legen mochte (eine Beschreibung, die man ja üblicherweise eher für Krimis oder Thriller verwendet). Ich bin begeistert!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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5 Antworten zu Geschichte einer Liebe

  1. Susanne Haun schreibt:

    Liebe Petra,
    ich habe es gleich auf meine Wunschliste gesetzt.
    Zur Zeit lese ich Exit von Philip Roth und bin auch ganz begeistert. Davor habe ich deinen Tip von Max Frisch verschlungen. Der Mensch lebt im Holozän. Sehr beeindruckend diese Buchcollage.
    Einen schönen Freitag Abend wünscht dir Susanne

  2. buchpost schreibt:

    Danke für die wirklich ansteckende Besprechung, kommt gleich auf die Liste. Schönes Wochenende. Anna

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