Zeitungsfrühstück, Folge 70

Herzlich willkommen zum Zeitungsfrühstück, meine Lieben! Heute findet ihr am Zeitungsfrühstücksbüffet meine Highlight-Häppchen aus dem Zeitmagazin, dem Reiseteil und dem Feuilleton sowie aus dem Wissens- und Chancenteil der Zeit vom 11. Juli 2013. Bon ap‘!

Foto: (c) Gerda Kazakou

Foto: (c) Gerda Kazakou

Asche in die Schweiz!

Harald Martenstein sinniert gewohnt launig über mögliche Umwege, falls  man die Asche seiner Ahnen in einer Urne auf einem Kaminsims aufbewahren will. Was in Deutschland nur über Umwege möglich ist. Dann nämlich gewinnt die Asche in der Schweiz wieder ihre wörtliche Bedeutung (ohne die mitgedachte pekuniäre) zurück. Interessant auch sein Gedanke zu CDs mit den Namen der Aschehinterziehern.

Mut zur Lücke

Auf den ersten Blick scheint die Füllung von Seiten mit „99 Fragen an Frank Castorf“, die dieser gar nicht beantwortet, merkwürdig sinnfrei. Auf den zweiten aber sind die Assoziationen, die sich so zwischen den Zeilen beim Lesen ergeben, und das Ungesagte aber doch eine ganz lustige Abrechung Moritz von Uslars mit dem „Interview-Absage-König“.

Die Mauern nach der Mauer

Dies ist das Thema der Fotografien von Kai Wiedenhöfer und dem dazugehörenden Artikel von Ulrich Ladurner. Die Mauer (man ist fast versucht, ein TM daneben zu setzen) ist zwar schon lange gefallen, trennende Mauern aber gibt es nach wie vor in vielen Teilen der Welt.

Liebes Tagebuch, heute regnet es schon den vierten Tag

Solche Sätze im Reisetagebuch müssen nicht mehr nur betrüben. Schließlich gibt es nun eine Gut-Wetter-Versicherung für Norderney und Borkum, bei der man bei weniger als drei Stunden Sonne 40 Prozent der Kosten für die Folgenacht zurückbekommt.

Seufz, früher nahmen wir einfach unter anderem auch einen Regenmantel und Gummistiefel mit nach Norderney und gingen bei Regen spazieren. Zumal es nie ununterbrochen oder gar tagelang hintereinander regnete. Dazu bläst der Wind über den Nordseeinseln die Wolken vielleicht zu schnell wieder fort. Das Interview von Anne Lemhöfer mit dem Wetterversicherer Stefan Merker ist leider noch nicht online, wie so viele nette Artikel aus dem Reiseteil, daher nun weiter zum Feuilleton, wo leider auch vieles noch nicht online ist.

Zwangsernährung im Fastenmonat

Der Beitrag „Am eigenen Leib“ von Andrea Böhm hat mich ganz schön mitgenommen. Darin geht es um den US-Rapper Mos Def, der sich bei einer versuchten Zwangsernährung filmen lässt und nach einer Minute abbricht, was sonst zwei Stunden dauert. Besonders grausam der letzte Satz „Während des Fastenmonats Ramadan, der nun beginnt, soll die Zwangsernährung [in Guantánamo] erst nach Sonnenuntergang durchgeführt werden.“ Mir fehlen die Worte.

Geht’s ein bisschen schneller,

liebe Zeit, beim Online-Stellen der Artikel? Es gibt nämlich einen sehr witzigen von Hanno Rauterberg über den Künstler Piero Manzoni. Das ist der, der kleine Dosen mit Künstlerkot verkaufen wollte. Wollte damals keiner haben, heute bringen die Dinger sechsstellige Summen. Das kann man nun für bek(n)ackt halten, aber Rauterbergs Artikel „Der letzte wahre Avantgardist“ über den Künstler und eine aktuelle Ausstellung im Frankfurter Staedel machen große Lust, sich selbige anzusehen. Besonders gefiel mir sein „Sockel der Welt“, der Beschreibung nach wohl einfach ein riesiger Würfel, auf dem umgekehrt in Bronze die Worte „Socle du Monde“ stehen – grandiose Idee : )

Als Ausgleich zum online fehlenden Beitrag über Manzoni hier der Link zu einem Beitrag über den von mir sehr verehrten Kurt Schwitters.

Wenn Milchmädchen rechnen

In der Zeit finden sich immer wieder tolle Grafiken. Diesmal gibt es eine im Wissensteil mit dem Titel „Gute Reise?“. Natürlich noch nicht online, deshalb erkläre ich kurz, worum es geht: Man versucht in einem Vergleich von einer Reise per Auto, Zug und Flugzeug zu illustrieren, welches Verkehrsmittel eher geeignet ist, in der persönlichen Ökobilanz grüne Zahlen zu schreiben. Die Route: Hamburg-Paris. Personae: eine vierköpfige Familie. Berechnet wurden Energieverbrauch und Abgasausstoß. In der Grafik kommt die Autofahrt dabei am grünsten weg. Doch wenn man genau hinschaut, wurden da Äpfel mit Birnen verglichen. Beim Auto nämlich wird von einer „Vollbesetzung“ (die vierköpfige Familie) ausgegangen, bei Zug und Flugzeug unerklärlicherweise von einer mittleren Auslastung.

So geht das aber nicht! Wir befinden uns, wie mir neulich in einem Interview Prof. Dr.-Ing. Christoph Hupfer, Studiendekan des relativ neuen Studiengangs Verkehrssystemmanagement an der Fakultät für Informationsmanagement und Medien in Karlsruhe, bestätigte, eigentlich in der Zeit eines Paradigmenwechsels. Nämlich vom Individualverkehr in Richtung Öffentlicher Verkehr. Die Grafik in der Zeit dagegen scheint das Banner des „heiligen Blechles“ weiter hochhalten zu wollen. Und das, obwohl sich unter jüngeren Menschen inzwischen das Auto als Statussymbol überlebt hat (siehe dazu z. B. hier) und alternative Konzepte wie Car-Sharing regen Zulauf erhalten. Das Fazit steht in der Zeit leider im Kleingedruckten ganz unten: „Die Bahn ist das ökologischste Transportmittel für die Reise. Voll besetzt ist sie unschlagbar.“ Die schöne Grafik spiegelt dieses Fazit leider so gar nicht wider.

Die Guten kommen weiter?

Der Artikel „Die Macht des Gebens“ (nicht online) von Christian Heinrich befasst sich mit dem Buch Geben und Nehmen. Erfolgreich sein zum Vorteil aller des 32-jährigen Professors Adam Grant. Zunächst macht er Hoffnung: Es seien mitnichten immer die „Nehmenden“, also die, die versuchen, mehr zu bekommen als zu geben, die Ellbogenkarrieristen, die tatsächlich Karriere machen. Auch die „Vergleichenden“, zu denen die meisten gehören und die eine Gegenleistung für ihr Geben wollen, nicht. Sondern die „Gebenden“, die anderen helfen und dadurch lockere Netzwerke aufbauen, die sie auf lange Sicht beim Weg nach oben unterstützen. Allerdings: Sind sie erst mal oben, scheint es mit den Geben nicht mehr ganz so weit her zu sein: „Giver, die Spitzenpositionen erreichen, geben weniger oder gar nichts, wenn sie sonst ihre eigenen Aufgaben nicht mehr bewältigen können“ – tja, das ist ja nun keine neue Erkenntnis. Leider.

Euch noch einen schönen Sonntag!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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2 Antworten zu Zeitungsfrühstück, Folge 70

  1. haushundhirschblog schreibt:

    Herzlichen Dank, liebe Petra, für dieses ausführliche und „bunte“ ZEITungsfrühstück!
    Die Zeit, hier zu lesen, nehmen wir uns sicher am Wochenende. Im Moment sind wir insgesamt so verlangsamt, da fällt es gar nicht auf, eine Woche zu spät dran zu sein.
    Liebe Grüße, Dieter und mb

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