Räumliches sehen

Ich bin ein Fan von Architektur- und Wohnzeitschriften und lese auch gern einschlägige Bücher und Bildbände, die sich mit Wohnraum befassen. Sei es unter dem Aspekt „schöne Bibliotheken“, „Sammlungen“ oder auch einfach „das Beste aus bestehendem Wohnraum herausholen“. Dazu gibt es inzwischen natürlich auch eine Vielzahl von Blogs, beispielsweise Freunde von Freunden (ich hätte übrigens gern so eine Aussicht). Es ist spannend, anderen Leuten in ihre Lebensräume schauen zu dürfen, mal scheinen sie etwas schräg, mal supergemütlich, mal einfach schön und inspirierend.

Der Nachteil vieler Zeitschriften und Bildbände ist allerdings, dass sie selten etwas mit meiner eigenen Lebenswelt zu tun haben. Weder bewohne ich eine großzügige Altbauwohnung in Paris noch ein Loft in Manhattan, geschweige denn ein Schlösschen auf dem Lande. Ich schaue mir diese Wohnräume trotzdem gerne an, träume mich hinein und stelle mir vor, was ich wohl daraus gemacht hätte oder was für Leute darin wohnen mögen. Selbst Bücher, die sich mit Wohnideen für wenige Quadratmeter befassen, etwa von Terence Conran, nützen mir wenig. Denn meist handelt es sich da um Eigentumswohnungen, die man beliebig umbauen und mit tollen Stauraum-Lösungen versehen kann. Sofern es das Budget erlaubt.

Interessanter würde ich es finden, realistischere Wohnsituationen zu besichtigen. Es mag zunächst eindrucksvoll sein, Lofts voller Designermöbel fotografisch zu inszenieren. Doch es kann genauso interessant sein, was ein normalverdienender Single aus seinem 1-2 Zimmer-Appartement gemacht hat, oder ein Pärchen oder eine kleine Familie aus ihrer 3-4-Zimmer-Wohnung. Die Herausforderung ist dann auch größer, vor allem bei schmalerem Budget, ohne Hilfe renommierter Innenarchitekten oder bei einer ganz normalen Mietwohnung.

Wenn ich zu Gast bei Freundinnen oder Freunden bin, die großartige Lösungen für ihre Räumlichkeiten gefunden haben, denke ich oft: Das müsste man mal für eine Zeitschrift fotografieren! So eine Zeitschrift würde ich lesen wollen, bei der die Wohnideen für kleinere Geldbeutel nicht auf Tisch- und Balkondekorationen beschränkt sind, sondern die das große Ganze vermitteln – und zwar gemeinsam mit der Persönlichkeit der Bewohnerinnen und Bewohner. Denn Räume mit Atmosphäre erzählen immer auch Geschichten: von Reisen, von Sammelleidenschaften, von Interessen etc. Ich liebe Geschichten und ich mag Fotos – das müsste doch eine famose Mischung für ein Wohnmagazin – zumindest ganz nach meinem Geschmack – ergeben?

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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25 Antworten zu Räumliches sehen

  1. Susanne Haun schreibt:

    Das ist eigentlich eine tolle Idee für einen Blog. Leider habe ich neben meinem Blog keine zeit dazu. Ich würde auch gerne mehr zu wohnungsideen von Ottoline Normalbürger erfahren. Gerade vor meinem Umzug. Lg Susanne

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Das glaub ich gern, liebe Susanne. Überhaupt, selbst wenn man schon fertig eingerichtet ist, kann so was ja auch noch inspirieren. Übrigens las ich nach meinem Beitrag dann den deinen zu deinem bevorstehenden Umzug und dachte: Na, das passt ja! : ) Liebe Grüße
      Petra

  2. Philipp Elph schreibt:

    „so eine Aussicht“ – sieht toll aus. Nur das „Ambiente“ macht es nicht allein, was eine Wohnung wohnenswert sein läßt. Die Heizkosten werden exorbitant sein, wenn der Wind durch die Fenster pfeift. (Mein Trost, bevor ich beginne, Neid zu entwickeln)

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ja, klar, Aussicht, Umgebung, Nachbarn, ruhige Lage oder mitten im Trubel – auch das kann den Attraktivitätsgrad einer Wohnung erhöhen – oder senken. Vielleicht kompensiert die grandiose Aussicht ja den Jammer über die Heizkostenabrechnung ; )

      • Philipp Elph schreibt:

        Wer eine derartige Wohnung besitzt, wird nicht über Heizkosten jammern müssen. Richtig, der Attraktivitätsgrad wird von vielen Parametern und persönlichen Präferenzen bestimmt. Aber zum Träumen eignen sich Ansichten in Architekturzeitschriften und -büchern. Und Anregungen aus den Schöner-Besser- Auf-dem-Lande – Wohnen-Zeitschriften holen, das tun wir gern.

  3. puzzle schreibt:

    Die Thematik findet man nicht in Wohnmagazinen, aber in Heimwerker-Zeitschriften, wenn auch nicht in dem schön aufbereiteten Stil, der dir vermutlich vorschwebt, mit der Vorstellung einer gesamten Wohnung, aber das dürfte eben einer Nichteigentums-Situation geschuldet sein: wenn bei klein-budgetierten Normalos bereits die Basis-Kücheneinrichtung, das Bad und die Bodenbeläge vorgegeben sind, ist normalerweise Anpassung die Devise, und die zweite: „Lass das bloß nicht den Vermieter sehen“. Darum wird vermutlich immer nur eine Detail-Schau möglich sein. Solange man sogar seine Zimmerpflanzen immer noch einem Schimmel-Gefahr witternden Vermieter gegenüber verteidigen muss, werden wohl kaum ausreichend zeigefreudige Wohner die Öffentlichkeit suchen.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Huch, das klingt, als hättest du oder jemand aus deinem Bekanntenkreis da mal schlechte Erfahrungen gemacht? Zimmerpflanzen und Schimmel – das war bei uns zum Glück noch kein Thema. Was die Zeigefreude angeht: Ich denke, dass sowieso nicht jede/r darauf steht, ihre oder seine Wohnung zu präsentieren, von wegen Privatsphäre und so. Da werden sich eher Leute für interessieren, die das nicht so eng sehen (so ähnlich wie überhaupt bei Wohnungsfotos im Internet). Aber gerade die Herausforderung der Anpassung finde ich spannend. Was macht man, wenn das Bad in 80er-Jahre-Beige gefliest ist? Oder die Einbauküche partout übernommen werden musste?

      • puzzle schreibt:

        Ja, aber genau das ist es doch, was dem Wohungseigentümer die Zornesader schwellen liesse, wenn man die hässlichen Fliesen mit wasserfesten Spanplatten abdeckt, gefliest, verspiegelt. lackiert … man kann das machen und alles rückbaubar, aber wozu sich einer unnötigen Diskussion aussetzen?

        • Petra Gust-Kazakos schreibt:

          So weit habe ich gar nicht gedacht – also an Rückbaubares, Umgebautes. Vermutlich, weil sich unser handwerkliches Geschick in Grenzen hält. Ich meinte eher, wie man das Gegebene so dekorieren oder einbeziehen kann, ohne dass man gleich wieder höhere Kosten in umbauliche Maßnahmen investieren muss.

  4. Mila schreibt:

    Oh my. Die Aussicht hätte ich auch gerne. Und nicht nur die. Ich täte dann wohl einfach gleich die ganze Wohnung dazu nehmen. Allein das Fenster ohne Aussicht wäre mir schon eine Freude. Falls dir so eine von dir genannte Zeitschrift in die Finger kommt, lass es uns wissen. Herzliche Grüße von einer ohne (schöne) Aussicht.Mila

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ja, liebe Mila, schon das Fenster an sich ist herrlich! Wie wunderbar hell der Raum sein muss! Bislang habe ich noch keine realistische Wohnzeitschrift gefunden, aber vielleicht irgendwann … Liebe Grüße!

  5. larapalara schreibt:

    Ein realistischeres Wohnmagazin wäre eine super Idee und eine grosse Herausforderung auch. Denn, trotz allem müsste die leicht chaotische Wohnung einer Familie mit Kindern (oder eher Kindern mit Familie?) auch ästhetisch dargestellt sein und locker-leicht rüberkommen. Ich ertappe mich aber immer wieder dabei, dass ich mich nach dieser schicken Aufgeräumtheit sehne, die sich im wahren Leben nie einstellen wil. Jedenfalls nicht, wenn man wirklich lebt.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Vielleicht würden wir uns darin auch gar nicht heimisch fühlen. Diese hindekorierte Ordentlichkeit, das schafft man ja höchstens, bevor Besuch kommt ; ) Aber ich mag’s eigentlich auch bei anderen gern, wenn etwas herumliegt, nicht alles zu aufgeräumt ist. Scließlich wohnen, leben wir ja in unseren Räumen, das darf man ruhig sehen. Für Fotos ist das aber vielleicht zu chaotisch. Liebe Grüße!

  6. leopoldsleselampe schreibt:

    Hallo, Petra, ja das „fotografische Inszenieren“ ist leider ein Unsitte in vielen Bereichen. Ich erinnere mich, dass ich vor Jahren in einer Einrichtungszeitschrift (weiß nicht mehr, in welcher) Fotos einer Wohnung sah, wo gerahmte Bilder und Zeitungen auf dem Fußboden standen / lagen. Der Kommentar dazu: „Die gefächerten Bilder geben der Einrichtung einen Ateliereffekt“. Dieser „Ateliereffekt“ ist seither unser Konzept. Also er war es schon vorher, aber es entstand sowas wie Frieden zwischen uns und Einrichtungszeitschriften. Die Vokabel kommt auch bei Gästen an. Herzliche Grüße. Leo

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Hahaaa, Ateliereffekt, sehr schön, lieber Leopold : ) Das klingt so nett nach Bohème und hip und lässig. Außerdem sieht es gut aus. Allerdings frage ich mich immer: Wie wischt man da die Böden? Alles anheben? Oder gar nicht wischen? Liebe Grüße!

  7. perlengazelle schreibt:

    In diesen schicken super gestylten Wohnungen aus den Hochglanzmagazinen fehlt oft etwas Entscheidendes, nämlich überquellende Bücherregale. Dabei ist ein Zimmer ohne Bücherregale eigentlich gar kein Zimmer. 😉

    Das Zimmer mit Aussicht – grandios!

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Das ist wahr, liebe Perlengazelle! Die vermisse ich da auch. Vielleicht waren die Möbel/der Innenarchitekt/whatever ja so teuer, dass man sich keine Bücher mehr leisten konnte? ; )

  8. haushundhirschblog schreibt:

    Liebe Petra,
    wann immer ich auf ZEIT-online die Wohn- und Lebensräume bei „Freunde von Freunden“ ansehe, finde ich etwas, das mich unglaublich anspricht, das mich auch inspirieren würde, wenn wir nur ausreichend Wohnraum dafür hätten. Und oft bleibt bei mir ein schönes und gutes Gefühl zurück, wenn ich diese Häuser oder Zimmer sehe.
    Vor etwa ein oder zwei Jahren gab es (ich glaube auch bei ZEIT-online) einen Beitrag zu ganz wunderschönen, skurrilen, sehr, sehr kleinen Wohnräumen. Viele von ihnen waren Einraumwohnungen. Mitten in New York, glaube ich … ..
    Vielen Dank und herzliche Grüße,
    mb

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ja, liebe mb, das habe ich auch gesehen. Da waren interessante Lösungen dabei, sehr faszinierend! In letzter Zeit wurden in Zeitschriften öfter mal Hausboote vorgestellt, auch so eine räumliche Herausforderung. Manche so schön, dass man selbst sofort einziehen möchte. Zum Träumen verleiten solche Fotostrecken auf jeden Fall!
      Liebe Grüße!

  9. kbvollmarblog schreibt:

    Liebe Petra,
    obwohl ich relativ previligiert wohne, kann ich dir nur recht geben. Ich befürchte jedoch, es gibt zu wenige Buchliebhaber, die eher beengt wohnen, als dass sich die Möbelhersteller den Bedürfnissen dieser Gruppe annehmen. Ikea wäre eigentlich der Ansprechpartner für diese Gruppe, aber sie bieten nur reichlich konventionelle Lösungen an. Die meisten Leute, die ich kenne, die viele Bücher unterzubringen haben, bauen sich etwas selbst, das genau ihren Raummöglichkeiten angepasst ist. Ich habe auch alle meine Regalsysteme selbst gebaut. Da kann man keine allgemein passenden Lösungen anbieten, befürchte ich, da jeder Wohnraum doch letztlich individuell ist. Und ist es nicht gut, dass Bücherfreund und Bücherfreundin mal vom Lesen eine Pause machen, um ein angemessenes Heim für ihre Schätze nach ihren Plänen zu zimmern?
    Liebe Grüße von der gerade windigen Küste Norfolks
    Klausbernd

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ui, alle selbst gebaut? Das ist ja klasse, lieber Klausbernd! Wir sind ja leider nicht die großen Handwerker, hatten dann aber 2nd hand sehr schöne Regale gefunden, die sogar sehr flexibel und noch einfacher aufzubauen sind, als die von IKEA. Der Katalog dieses Möbelhauses zeigt übrigens tatsächlich oft tolle Ideen für kleinere Räume bzw. für Menschen mit „normalen“ Wohnungen. Zwar kaufe ich da selten bis nie (wir brauchen auch keine weiteren Möbel mehr), aber ich blättere den Katalog immer gern durch. Liebe Grüße!

      • kbvollmarblog schreibt:

        Liebe Petra,
        ich finde den Ikea-Stil auch anmutig und lasse mich oft von dem Katalog anzuregen, etwas selbst zu bauen. Hier England ist Ikea nicht so beliebt, ich müsste fast 3 Std. zum nächsten Ikea fahren.
        Das mit dem selber Bauen ist nicht so schwierig, wenn man die richtigen Werkzeuge hat. Die brauche ich sowieso für die Instaltung meines Hauses, denn wenn ich für alles einen Handwerker holen würde, müsste ich mein Has verkaufen – und dann brauchte ich auch kein Handwerker mehr 😉
        Liebe Grüße und eine fröhliche Woche wünschen
        Klausbernd und seine munteren Buchfeen Siri und Selma

  10. Lakritze schreibt:

    Du meinst so etwas wie anders-anziehen.de für Wohnungen? Würd ich auch gucken wollen. .)

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ja, das wär doch was! Modeblogger sind inzwischen eine anerkannte Größe. Es gibt ja schon das ein oder andere Blog, das es zu einem Printmagazin gebracht hat. Vielleicht sind Einrichtungsblogs „the next big thing“?

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