Harald Schwiers zu Gleis 4

Heute eine Gastrezension von Harald Schwiers, den ihr ja schon in dem Fragebogen zu seinen Lese- und Reisegewohnheiten ein bisschen näher kennenlernen konntet. Ich selbst kenne das Buch, das Harald hier empfiehlt, noch nicht und freue mich über die Empfehlung. Herzlichen Dank für deinen Beitrag, lieber Harald!

Unerwartete Wendungen

Unerwartete Ereignisse gibt es in jedem Lebenslauf. Sie gehören eigentlich dazu. Jeder kennt solche plötzlich auftretenden Situationen, auch wenn die Konsequenzen daraus nicht immer sofort erkennbar sind. Aber: Resultierend daraus nimmt das Leben sehr oft einen völlig anderen Verlauf.

Genau mit solch einer Situation startet und spielt Franz Hohler in seinem jüngsten Roman Gleis 4. Hohler ist der wohl routinierteste und raffinierteste Sprachkünstler der deutschsprachigen Schweiz. Das ist kein Wunder. Als Kabarettist, Cellist und Autor steht Hohler seit knapp 50 Jahren auf großen und kleinen Bühnen. Seine Programme (wie die „Nachtübung“), Chansons, Erzählungen und Geschichten genießen bei Kennern Kultstatus. Dabei ist alles, was Hohler macht und schreibt von einer tiefen Liebe zur Kreatur und zum Menschen geprägt, strahlt einen spürbaren inneren Frieden aus. Wie Hohler selbst, der trotz seiner 20 hoch angesehenen Literatur- und Kabarettpreise immer sehr bescheiden blieb, den Boden unter den Füßen nie verlor.

Gleis 4 erzählt die Geschichte von Isabelle, die auf dem Weg zum Flughafen auf dem Bahnhof zu einigen Tagen Urlaub dem Tod begegnet. Ein Unbekannter, der ihr beim Koffer tragen hilft, bricht zusammen. Die Geschichte, ihr Leben nimmt einen unerwarteten Verlauf. Aus der Freizeit wird nichts, dafür entsteht eine sonst nie zustande gekommene Freundschaft und jede Menge Selbsterkenntnis. Gelegentlich wird Hohlers Roman zum Krimi und damit ein wenig geheimnisvoll.

Schön und leicht zu lesen; Hohler schreibt trotz aller Sprach-Kunst (oder gerade deswegen?) immer leicht lesbar, nachvollziehbar, ohne überkandidelte Ausflüge, badisch: „ohne Förz“. Gleis 4 ist wie alle Bücher von Franz Hohler uneingeschränkt empfehlenswert und verschenkbar, weil stets vergnüglich. Seine Texte veralten nie; er trifft immer den Nerv.

Franz Hohler, Gleis 4, Luchterhand, 220 S., 17,99 Euro.

Die Rezension erschien erstmals in der Reihe „Schmökern mit Schwiers“ im Kurier vom 30.08.2013.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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4 Antworten zu Harald Schwiers zu Gleis 4

  1. Xeniana schreibt:

    Eine schöne Rezension. Ich habe das Buch auch gelesen und mochte es besonders wegen der unerwarteten Wendungen in der Geschichte.

  2. Tanja schreibt:

    Lieber Harald,
    das Lesen deiner Rezension zu „Gleis 4“ hat mir sehr viel Freude bereitet. .Im Gegensatz zu Xeniana, habe ich das Buch noch nicht gelesen. Zumindest habe ich jetzt schon mal ein Weihnachtsgeschenk parat. Vielen Dank!
    Liebste Grüße

  3. Sofasophia schreibt:

    von ihm habe ich schon ganz vieles gelesen – habe sogar persönlich signierte exemplare … 🙂
    aber deins, also das hier, kenn ich noch nicht. danke für den tipp!

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