Proust lesen

Foto: © Petra Gust-Kazakos

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Endlich: In Trouville habe ich damit begonnen, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit zu lesen. Optimistisch nahm ich für zehn Tage die ersten drei Bände mit. Ein bisschen zu optimistisch, denn Proust liest man – oder ich zumindest – nicht einfach so runter, ich bin nur durch die ersten eineinhalb Bände gekommen. Band eins, Unterwegs zu Swann, besteht aus den Teilen „Combray“, „Eine Liebe Swanns“ und „Namen und Orte: Namen“ und hat inklusive Nachwort, Anmerkungen und Kommentar (lohnt sich alles zu lesen) 699 Seiten. Zumindest in meiner Ausgabe von Suhrkamp, die der Frankfurter Ausgabe folgt. Die Übersetzung von Eva Reichel-Mertens wurde von Luzius Keller, dem Herausgeber der Frankfurter Ausgabe, revidiert. Der zweite Band, Im Schatten junger Mädchenblüte, besteht aus den Teilen „Im Umkreis von Madame Swann“ und „Namen und Orte: Orte“ und hat, wieder inklusive Nachwort, Anmerkungen und Kommentar, 835 Seiten. Ich schaffte es im Urlaub bis Seite 316 des zweiten Bandes.

„Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen.“

Dieser Satz ist sicher einer der berühmtesten Romananfänge, für mich jedenfalls einer der schönsten. Schon ehe ich mit der Suche begann, liebte ich diesen Satz und stellte ihn in eine Reihe mit meinen Lieblingsromananfängen (etwa „Gestern Nacht träumte mir, ich sei wieder in Manderley“ aus Rebecca oder „There was no possibility of taking a walk that day“ aus Jane Eyre). Überhaupt hatte ich bereits viel über die Suche und ihren Autor gelesen, sodass mir das Lesen der Suche selbst wie ein Wiedersehen mit einem lieben Bekannten vorkam. Der zweite Teil des ersten Bands, „Eine Liebe Swanns“, kannte ich von früher. Das geht vielen so, da dieser Teil sich gut eignet, ihn losgelöst vom Rest zu lesen. Er wird einzeln verkauft und wurde auch verfilmt. Eingebettet in die Suche fürchtete ich, ich würde ihn nun – wegen der Wiederholung – vielleicht ein bisschen zu schnell lesen, aber ich genoss ihn fast mehr als beim ersten Mal und las ihn genauso gründlich.

Wie ist es nun also, Proust zu lesen? Ich wusste, was mich erwartet, doch meine Erwartungen wurden übertroffen. Proust erzählt sehr detailreich, schafft wundervolle Bilder und teilt mit seiner Leserschaft interessante, manchmal sehr intime Gedanken, beispielsweise zur Bedeutung alter Dinge im Gegensatz zu neuen oder auch zu unwillkürlichen Erinnerungen, die die Essenz der Vergangenheit enthalten und wahrer sind als jene, die man sich per Verstand, also willentlich zurückerobert. Seine Sprache, seine Bilder weben einen dichten Kokon um die Leserin oder den Leser, sofern man bereit ist, sich darauf einzulassen, den Text wirklich intensiv zu lesen. Drüber huschen oder quer lesen geht eigentlich nicht, dann brächte man sich um den Genuss. Manche Sätze las ich zwei-, dreimal. Nicht, weil ich sie nicht kapiert hätte, sondern weil sie so schön sind. Die Sätze sind lang, manchmal sehr lang, aber nicht langweilig. Es gibt kaum Absätze, das fällt auf, da viele zeitgenössische Romane voll davon sind, um die geneigte Leserschaft nicht zu überfordern. Ich finde das eher überflüssig als übersichtlich. Bei Proust jedoch fließen die Sätze in einen gemächlichen Erzählstrom, in dem ich mich gern treiben ließ und der mich in eine fast traumähnliche, meditative Stimmung versetzte. Ein derartiges Leseerlebnis hatte ich bisher selten, obwohl ich schon viele und viele gute Bücher las.

Von der ersten Seite an unterstrich ich mir Stellen, die ich besonders gelungen fand, beispielsweise „das Kaleidoskop der Dunkelheit“ (Bd. I, S. 8), auf das sich die Augen richten, die man nachts im Finstern öffnet. Oder „wo das Mondlicht auf den halbgeöffneten Läden liegt und seine Zauberleiter bis ans Fußende des Bettes wirft“ (Bd. I, S. 13) oder von „der unverschämten Gleichgültigkeit der Pendeluhr, die ganz laut vor sich hin schwatzte, als wäre ich gar nicht da“ (Bd. I, S. 14).

Tee mit Madeleine

Als ich mit der Suche begann, hatten wir gerade Tee bestellt (Earl Grey). Wir saßen auf unserem Balkon im Hotel und ich hatte mir Madeleines besorgt, um eine für die StelleTM zur Hand zu haben. Was auch recht optimistisch war, denn die StelleTM kommt erst auf Seite 67, da war der Tee schon etwas abgekühlt. Und hier ist sie:

„In der Sekunde nun, da dieser mit den Gebäckkrümeln gemischte Schluck Tee meinen Gaumen berührte, zuckte ich zusammen und war wie gebannt durch etwas Ungewöhnliches, das sich in mir vollzog. Ein unerhörtes Glücksgefühl, das ganz für sich allein bestand und dessen Grund mir unbekannt blieb, hatte mich durchströmt“ (Bd. I, S. 67).

Nun steigen auf einmal immer mehr Erinnerungen empor und der Erzähler weiß, es liegt am Wiedererkennen des Geschmacks der Petite Madeleine. Das Kapitel endet mit den Worten:

„Und wie in jenem Spiel, bei dem die Japaner in eine mit Wasser gefüllte Porzellanschale kleine Papierstückchen werfen, die sich zunächst nicht voneinander unterscheiden, dann aber, sobald sie sich vollgesogen haben, auseinandergehen, Umriß gewinnen, Farbe annehmen und deutliche Einzelheiten aufweisen, zu Blumen Häusern, echten, erkennbaren Personen werden, ebenso stiegen jetzt alle Blumen unseres Gartens und die aus dem Park von Swann und die Seerosen auf der Vivonne und all die Leute aus dem Dorf und ihre kleinen Häuser und die Kirche und ganz Combray und seine Umgebung, all das, was nun Form und Festigkeit annahm, Stadt und Gärten, stieg auf aus meiner Tasse Tee.“ (Bd. I, S. 71)

Wunderschön! Kein Wunder, dass diese Stelle so berühmt ist. Zitiert wird sie zum Beispiel auch in dem putzigen Zeichentrickfilm „Ratatouille“, als der böse Restaurantkritiker den ersten Bissen der Ratatouille probiert und in ihm die Erinnerungen an eine glückliche Kindheit aufsteigen. Überhaupt scheint mir die Szene, da sie so ungeheuer bildhaft ist, perfekt für eine filmische Umsetzung.

Normalerweise lese ich mehrere Bücher parallel. Bei Proust wollte ich das eigentlich nicht, sondern die Suche möglichst am Stück durchlesen. Allerdings ist die Suche wohl kein Buch für unterwegs in der Straßenbahn, ich würde glatt meine Haltestelle verpassen. Und inzwischen hat mich auch der Alltag wieder und mit ihm das Parallellesen. Proust hebe ich  mir für ruhigere Zeiten auf, wenn ich wieder die Muße habe, einen längeren Teil am Stück zu lesen. Ich freue mich darauf!

Übrigens: Ein Rezept für Madeleines findet ihr auf Kormoranflug.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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39 Antworten zu Proust lesen

  1. entdeckeengland schreibt:

    Liebe Petra, jetzt hast Du mich ueberzeugt. Schon oft hielt ich Proust in der Hand, habe ihn angelesen und wieder weggestellt, weil es nichts fuer mal nebenbei im bunten Alltagstrubel ist. Ich muss mir die Ruhe einfach mal nehmen. Vorher gehe ich dann aber zu unserem franzoesisch angehauchten Baecker und kaufe mir ein paar Madeleines. 😉 Lieben Gruss, Peggy

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Genauso ist es, liebe Peggy, man sollte sich für Proust dem Alltag entziehen und das Lesen ein bisschen zelebrieren – die Idee mit dem Bäcker und der Madeleine passt da wunderbar ins Konzept : ) Liebe Grüße!

  2. Xeniana schreibt:

    Vielen Dank für diesen schönen Beitrag. Nachdem ich Proust im Keller gefunden hatte, las ich auch gleich mal hinein. Ich gebe dir Recht dieses Buch braucht Zeit und Ruhe. Jeden Tag hatte ich mir neben anderen Büchern die ich lese, 10 Seiten Proust vorgenommen. Bei keinem anderen Buch habe ich das bisher gemacht, aber dieser Kniff klappt leider nicht. Vielleicht weil es tatsächlich ein langsamer tiefer Strom ist. Die Ausschließlichkeit die es verlangt, finde ich nicht so einfach und trotzdem, immer wenn ich Stück gelesen habe, wünsche ich mir ein Woche Zeit nur für mich, um eintauchen zu können( vielleicht auch ohne blog um nicht immer auf neue Ideen zu kommen:(gerade gestern habe ich dein Buch bestellt nachdem ich unvorsichtigerweise die Leseprobe gelesen habe:) Dieser Beitrag nun stärkt doch die Seite die seit ein paar Tagen murmelt, lass alle anderen Bücher stehen, lass dich auf Swanns Welt ein.
    Danke!

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Herzlichen Dank, liebe Xeniana! Wenn ich jemanden für ein Buch gewinnen kann, ist das für mich immer das schönste Lob : ) Ja, lass dich auf Swann Welt ein, du wirst es höchstens bereuen, wenn du eigentlich noch tausend andere Sachen erledigen musst ; ) Die Idee, immer eine bestimmte Seitenzahl pro Tag zu lesen, hatte übrigens auch Jochen Schmidt, der erst darüber bloggte und dann wurde ein sehr gut geratenes Buch daraus, das ich mit großem Vergnügen las (https://phileablog.wordpress.com/2012/07/10/schmidt-liest-proust/).
      Ich freue mich auch sehr, dass du mein Buch gekauft hast, und hoffe, du hast Freude an dieser „Lesereise“ der anderen Art … Liebe Grüße!

      • Xeniana schreibt:

        Ach ich hatte die Idee von Christian aus Tellkamps „Der Turm.“ Der hat ja seine Lektüre so gelesen:) Der Jochen Schmidt Tipp ist nun ein weiterer wunderbarer Tipp, ich fürchte das ich mir auch dieses Buch holen werde.
        Ja ich freue mich auch auf dein Buch:)) Sehr sogar LG Xeniana

      • Petra Gust-Kazakos schreibt:

        Aha? An den Turm hab ich mich noch nicht rangetraut … Aber witzig, dass das da auch vorkommt. Ja, der Schmidt ist wirklich prima! Auch fein: Es liegt dem Buche eine CD bei, auf der er Teile seines Buchs vorliest. Ich habe ihn mal bei einer Lesung erlebt, ein guter Vorleser mit herrlich trockenem Humor. Mir hat er sehr gefallen!

  3. Xeniana schreibt:

    Hat dies auf Familienbande rebloggt.

  4. Susanne Haun schreibt:

    Ich reiche dir virtuell die Hand, Petra!

    Ich höre gerade Proust und mag diesen Satz „Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen.“ genau wie du. Das hören von Proust ist noch einmal eine ganz andere Erfahrung. Ich komme nicht hinterher. Während ich über den gesagten Satz nachdenke, ist der Erzähler schon 5 Sätze weiter.

    Achja. Rebecca. Meine Mutter mochte es sehr und hat es mir früh vorgelesen. Und wir haben auch den Film dazu geschaut. Und ich weiss nicht warum, ich verbinde auch immer „Wenn die Gondeln trauer tragen“ mit Rebecca. Ich denke, meine Mutter hat mir auch dieses Buch nahe gebracht…..

    Einen schönen Abend dir von Susanne

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Oh ja, ich glaube, beim Prousthören müsste ich gelegentlich auf Stop drücken, sonst käme ich auch nicht hinterher : ) Das ist ja ein netter Zufall, dass wir uns beide gerade gleichzeitig mit Proust befassen, liebe Susanne! Und vielleicht wird das bei dir sogar auf deine Arbeiten einwirken? Das würde ich ja sehr spannend fnden! (Hoffentlich setzt dich das jetzt nicht unter Druck …)
      Dass du die trauernden Gondeln im Geiste mit Rebecca zusammenbringst, passt sehr gut, denn der Film basiert ebenfalls auf einer Erzählung von Daphne du Maurier (was viele nicht wissen).
      Dir auch einen schönen Abend & viele liebe Grüße!

  5. Vielen Dank für diese wunderbare Beschreibung, längst wollte auch ich diese hochpoetischen Sätze genießen. Mit Deinen Ausführungen hast Du es mir noch ein wenig schmackhafter gemacht, sodass ich mich nun in Kürze mit großer Neugier und Freude auf diese Lektüre stürzen werde.

    Herzlichst Constanze

  6. buchpost schreibt:

    Schöön! Mir ging es auch so, dass ich irgendwo unterbrochen wurde, der Alltag wurde zu trubelig, das Lesen zerfasert. Allerdings bin ich da etwas „zwanghaft“. Beim nächsten Mal werde ich dann wieder ganz von vorn beginnen. Deswegen vielleicht ein Projekt für die Weihnachtszeit. Aber dein Tipp zu Schmidt ist gleich auf meine Wunschliste gewandert, und zwar ganz nach oben. Viel Spaß mit und ohne Proust. Anna

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Danke dir, liebe Anna : ) Oh, wieder ganz von vorn? Na ja, vielleicht gut, wenn sehr viel Zeit inzwischen vergangen ist und du möglicherweise einiges vergessen hast. Ich denke auch, dass ich zumindest ein paar Seiten vorher wieder einsteige, um richtig reinzukommen. Und Weihnachten ist sehr wahrscheinlich dafür : ) Liebe Grüße!

  7. Philipp Elph schreibt:

    Ein (Lese-)Reise, auf die ich mich auch begeben möchte, wenn sie nur nicht so lang wäre!

  8. haushundhirschblog schreibt:

    Liebe Petra,
    wie anregend, beinah ansteckend Dein Artikel ist: tatsächlich würden auch wir jetzt gerne wieder mit dem Lesen seiner Büchern beginnen. Dabei wissen wir zu gut, wie intensiv sie sind und was sie mit dem Leser, der Leserin, anstellen können … …
    Vielleicht müssen wir noch ein wenig warten. Bis zu einem nächsten Urlaub vielleicht.
    Mir gefällt, was Du über erste Sätze, bzw. Romananfänge schreibst. Und das Zitat: „Gestern Nacht träumte mir, ich sei wieder in Manderley“ aus Rebecca.“
    Erst kürzlich haben wir diesen alten Schwarzweißfilm gesehen. Schaurig schön. Aber sicher hat er kaum etwas mit der Romanvorlage zu tun …

    Herzlich, dm und mb

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Hallo ihr Lieben! Ja, so ist es, der Roman – oder Proust – stellt wirklich etwas mit einem an. Man nimmt sich wieder mehr Zeit, schaut, hört, riecht, fühlt genauer hin. Das ist etwas, wozu wir im Alltag leider nicht oft kommen. Aber es gibt ja immer wieder diese kleinen Auszeiten, die man sich gönnen kann …
      Den Film „Rebecca“ fand ich recht gelungen, wobei die Hauptdarstellerin (Joan Fontaine, übrigens die Schwester von Olivia de Havilland, die mir mit ihrer Sanftmut bei „Vom Winde verweht“ schon ein bisschen auf den Wecker ging) arg rehäugig spielt. Aber ich finde, Hitchcock hat es gut gelöst, aus dem dicken Roman das Wichtigste für einen Film herauszuziehen. Laurence Olivier und die Darstellerin der Mrs Danvers (deren Name mir gerade nicht einfällt) gefielen mir sehr gut. Das Buch ist ein feiner Schmöker, ein bisschen in der Tradition von Jane Eyre, mit dem es auch oft verglichen wurde, ein bisschen Gothic Novel (das mag ich ja gelegentlich ganz gern) … Liest sich gut an stürmischen Herbstabenden ; ) Liebe Grüße!

  9. kormoranflug schreibt:

    Proust einfach schön. Das Madeleine Rezept findest Du auch auf meinen Blog.

  10. Chapitre Onze schreibt:

    I’ve bought the book a few weeks ago 🙂 It is on my list „The books you should have read“. Shame on me I’ve not read it before…

  11. perlengazelle schreibt:

    Ich habe selten so eine begeisterte Rezension gelesen! Und nur „wenn wir selbst begeistert sind, können wir auch andere begeistern.“ Den Swann hab ich seit Urzeiten ungelesen im Regal – jetzt wird er endlich hervor gekramt. Natürlich zu Tee und Gebäck. Vom letzteren gibt es ja jetzt (schon) wieder reichlich in den Weihnachtsabteilungen … nicht nur madeleines.
    Lg perlengazelle

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Das ist ja fein, liebe Perlengazelle! Ich bin gespannt, wie dir der Roman gefallen wird.
      Ja, die Weihnachtsleckereien sind wirklich sehr verführerisch, ich versuche, ihnen noch ein bisschen standzuhalten … Liebe Grüße!

  12. Stefan schreibt:

    Dankeschön, Petra, für diese schöne Rezension. Ich hatte bereits mehrere Anläufe mit Proust versucht. Jedoch hatte ich nach einer Weile das Buch wieder zur Seite gelegt. Du hast vermutlich Recht: man braucht viel Ruhe für Proust. Und Deinen Text werde ich mit dazulegen und einen neuen Anlauf wagen. Auch wenn es dafür noch etwas Zeit braucht.
    Liebe Grüße
    Stefan

  13. valentino schreibt:

    Liebe Petra,
    ich habe es ähnlich erlebt wie du – Proust lesen ist wie einem langsam fließenden Fluss folgen, weil er eingängig schreibt. Weil der Erzählstrom nicht mit dem Tempo unseres heutigen hektischen Alltags zusammenpasst, braucht der Leser allerdings die nötige Muße.
    Lieben Gruß,
    valentino

  14. Dina schreibt:

    Liebe Petra, danke sehr für die wunderbare, ach so leicht zu lesen, Einführung! 🙂 Ich habe den Geschmack von Madeleines im Mund, es ist wahrlich köstlich was du beschreibt. Ich habe zuerst den Film gesehen, dann das Buch im Literaturlexikon eingehend gelesen, den Film erneut gesehen und bis jetzt nur Bruchstückhaft mich an das Werk getraut. Mir gefällt deine Rahmengeschichten viel besser! 🙂
    Herzliche Grüße aus Bonn
    Dina

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Dina, ich danke dir ganz herzlich für dein feines Lob, das wärmt an einem kalten Herbsttag ganz besonders ❤ Wobei ich mich natürlich eigentlich gar nicht mit Proust vergleichen kann ; ) Aber freuen tut's mich doch. Liebe Grüße!

  15. durchleser schreibt:

    Gratuliere sehr herzlich zum Proust-Lese-Einstieg! Martin Walser hat es bereits in einem wunderbaren Satz zusammengefasst: „Proust-Leser sind im Vorteil“. Und da hat er mehr als Recht, denn kein Autor fordert und fördert die Sinne auf so aussergewöhnliche Weise wie Marcel Proust. Ist man diesem Autor einmal literarisch „verfallen“, kommt man sein Leben lang nicht mehr von ihm los und er begleitet einen durch sämtliche Lebenslagen. Durchleser hat das Proust-Fieber bereits während der Schulzeit infiziert und seitdem nie mehr verlassen. Proust lesen kann man immer, vielleicht auch nur eine Seite oder sogar nur einen Satz. Selbst dies versöhnt und beglückt. Genauso ist es empfehlenswert nicht nur Proust selbst, sondern auch über ihn zu lesen. Es öffnet neue Perspektiven und gibt viele unbekannte Einblicke in das Leben von Marcel Proust. Eine Fülle von wunderbaren Büchern von und über Proust kann man in jeder gut sortierten Buchhandlung finden, eine kleine Auswahl gibt es auch hier zu entdecken: http://durchleser.wordpress.com/marcel-proust/literatur-empfehlungen/
    Durchleser wünscht weiterhin sehr viel Lesegenuss und überlässt Marcel Proust gerne das letzte Wort: “In Wirklichkeit ist jeder Leser, wenn er liest, ein Leser nur seiner selbst. Das Werk des Schriftstellers ist dabei lediglich eine Art von optischem Instrument, das der Autor dem Leser reicht, damit er erkennen möge, was er in sich selbst vielleicht sonst nicht hätte erschauen können.“

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Vielen Dank, liebe Durchleserin! Das Zitat ist sehr schön, es erinnert mich an zwei andere des klugen Alberto Manguel: „Es ist seltsam, wie Leser ihren eigenen Text herstellen, indem sie auf bestimmte Wörter reagieren, bestimmte Namen, die eine private Bedeutung für sie haben, einen privaten Klang, und von anderen nicht beachtert werde.“ (Tagebuch eines Lesers, S. 33f.) Und an anderer Stelle: „Wir lesen, was wir lesen wollen, und nicht das, was der Autor geschrieben hat.“ (Ebd., S. 57).

  16. Christian Wöhrl schreibt:

    Hach, ich beneide jede und jeden mehr als nur ein bisschen um die noch bevorstehende erste Proust-Lektüre und wünsche viel Freude dabei!
    Umso besser, wenn man sich die Zeit dafür nehmen kann – meine eigene Erst-Recherche hat damals (über mehrere Monate) beim Pendeln in der U-Bahn stattgefunden, und das fühlte sich einfach nicht richtig an …
    Als jemand, der beruflich mit Fotografie zu tun hat, pflege ich übrigens jedem daran Interessierten zu sagen: Proust ist das beste Lehrbuch zum Thema „Schule des Sehens“, das man sich vorstellen kann. Allein die Szene mit der Perspektivverschiebung der Kirchtürme … aber genug, bevor ich noch mehr ins Schwärmen gerate 🙂

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Herzlichen Dank, lieber Christian : ) Proust in der U-Bahn – das ist ja was für Hartgesottene. Ich glaube, da hätte ich nicht die nötige Ruhe. Was du zur „Schule des Sehens“ sagst, kann ich nur bestätigen. Danke für deinen Kommentar & liebe Grüße!

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